Froomes Teamkollege erkämpft sich das Gelbe Trikot

Geraint Thomas belohnte sich bei der ersten Bergankunft der Tour de France doppelt. Der Waliser feierte sich als Solosieger und neuer Leader. Damit rüttelt er an der Hierarchie bei Sky.

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Mit einer eindrücklichen Machtdemonstration hat Sky nach der Hälfte der Frankreich-Rundfahrt die Kontrolle übernommen - wie schon so oft in den letzten Jahren. Scheinbar mühelos wehrte die britische Mannschaft am Mittwoch zwischen Albertville und der Skistation La Rosière alle Attacken der Konkurrenz ab. Mit Geraint Thomas und Chris Froome an der Spitze des Gesamtklassements hat sie fortan alle Trümpfe in der eigenen Hand.

Anders als am Dienstag, als sich die Mitfavoriten in der ersten Bergetappe noch zurückgehalten haben, gingen am Mittwoch einige von ihnen in die Offensive. Routinier Alejandro Valverde wagte bereits früh den Alleingang und fuhr einen Vorsprung von zwei Minuten heraus. Doch der Spanier, der sich bei Movistar die Captain-Rolle mit Nairo Quintana und Mikel Landa teilt, wurde bald nach Beginn der knapp 18 km langen Schlusssteigung wieder eingeholt.

Der Niederländer Tom Dumoulin probierte es in der letzten Abfahrt. Lange sah es so aus, als könnte sich der Giro-Sieger von 2017 vorne behaupten, doch dann zündete Thomas knapp 6 km vor dem Ziel den Turbo und liess die gesamte Konkurrenz stehen. Als Thomas 300 Meter vor der Zieleinfahrt auch noch den früh ausgerissenen Spanier Mikel Nieve abfing, war ihm der Etappensieg und das Maillot jaune nicht mehr zu nehmen.

Kommt es zum Sky-Duell?

Auch Froome, der das Ziel zeitgleich mit Dumoulin 20 Sekunden hinter Thomas erreichte, konnte seinem Teamkollegen nur noch hinterher schauen. Thomas, seit Jahren ein treuer Helfer von Froome, brachte mit seiner starken Vorstellung die Teamhierarchie durcheinander. Die Frage nach dem eigentlichen Leader im Team Sky drängt sich auf. Bei Sky hiess es vor der Tour: «Thomas ist neben Froome unser Co-Leader».

Auf die Captain-Frage angesprochen meinte Thomas nach seiner Glanzvorstellung in der zweiten Alpenetappen: «Froomey ist der Leader. Er hat sechs Grand Tours gewonnen. Ich noch keine. Froomey weiss, wie man eine dreiwöchige Rundfahrt gewinnt. Für mich ist es schon jetzt eine super erfolgreiche Tour», so der 32-Jährige aus Cardiff, der schon im letzten Jahr nach seinem Auftaktsieg im Zeitfahren für vier Tage Tour-Leader war, ehe er nach einem Sturz aufgeben musste.

«Froomey bleibt unsere beste Karte»

Froome selbst spricht von einer «ausgezeichneten Ausgangslage für uns». Der vierfache Tour-Gewinner liegt in der Gesamtwertung 1:25 Minuten hinter Thomas. Als Dritter folgt Dumoulin mit einem Rückstand von 1:44 Minuten. Der Rest der Konkurrenz. angeführt vom Italiener Vincenzo Nibali. liegt bereits mehr als zwei Minuten zurück. Am Donnerstag folgt die letzte von drei Alpenetappen, die mit dem Haarnadel-Spektakel zur Alpe d'Huez zu Ende geht.

Thomas zählt aufgrund seiner Qualitäten im Zeitfahren und den Stärken am Berg – er gewann im Vorfeld die Dauphiné-Rundfahrt, das wichtigste Vorbereitungsrennen der Tour de France – definitiv zu den heissen Anwärtern auf den Gesamtsieg. Er selbst gibt sich weiter zurückhaltend: «Wenn ich am Ende auf Podest stehen könnte, wäre das grossartig. Aber das Hauptziel bleibt, die Tour zu gewinnen und Froomey bleibt unsere beste Karte.»

Im Gesamtklassement erwartungsgemäss zurückgefallen ist der Belgier Greg van Avermaet, der die letzten acht Tage im Leadertrikot verbrachte. Er verlor schon früh den Anschluss und erreichte das Ziel mit über 22 Minuten Rückstand. Schlimmer traf es die Sprinter Mark Cavendish und Marcel Kittel, die beide nach Kontrollschluss eintrafen und von der Rundfahrt ausgeschlossen wurden. Der Brite und der Deutsche kommen zusammen auf 44 Tour-Etappensiege.

Franks Schrecksekunde

Mathias Frank – von einem Sturz am Sonntag in der Roubaix-Etappe bereits am linken Arm ein bandagiert – erlebte am Mittwoch eine Schrecksekunde. Der Luzerner, der wie auch sein Landsmann Stefan Küng zur grossen Ausreissergruppe gehörte, stürzte in der Abfahrt vom Cormet de Roselend. Frank, 2015 Gesamtachter der Tour, konnte zwar weiterfahren, die Chance auf den Tagessieg war damit aber dahin.

105. Tour de France.

11. Etappe, Albertville - La Rosière (108,5 km): 1. Geraint Thomas (GBR) 3:29:36. 2. Tom Dumoulin (NED) 0:20 zurück. 3. Chris Froome (GBR), gleiche Zeit. 4. Damiano Caruso (ITA) 0:22. 5. Mikel Nieve (ESP), gleiche Zeit. 6. Daniel Martin (IRL) 0:27. 7. Jesus Herrada (ESP) 0:57. 8. Romain Bardet (FRA) 0:59. 9. Vincenzo Nibali (ITA). 10. Nairo Quintana (COL). 11. Primoz Roglic (SLO), alle gleiche Zeit. - Ferner: 13. Mikel Landa (ESP) 1:47. 15. Ilnur Sakarin (RUS) 1:58. 23. Alejandro Valverde (ESP) 3:30. 26. Jakob Fuglsang (DEN) 3:53. 27. Bob Jungels (LUX) 4:42. 28. Adam Yates (GBR), gleiche Zeit. 49. Stefan Küng (SUI) 16:31. 54. Mathias Frank (SUI), gleiche Zeit. 69. Michael Schär (SUI) 22:23. 71. Greg van Avermaet (BEL). 76. Silvan Dillier (SUI), beide gleiche Zeit. 84. Julian Alaphilippe (FRA) 24:51. 119. Peter Sagan (SVK) 26:07. - Nach Kontrollschluss eingetroffen u.a.: Mark Cavendish (GBR) und Marcel Kittel (GER).

Gesamtklassement: 1. Thomas 44:06:16. 2. Froome 1:25. 3. Dumoulin 1:44. 4. Nibali 2:14. 5. Roglic 2:23. 6. Steven Kruijswijk (NED) 2:40. 7. Landa 2:56. 8. Bardet 2:58. 9. Quintana 3:16. 10. Martin, gleiche Zeit. 11. Valverde 4:28. 12. Fuglsang 4:53. 13. Sakarin 4:58. - Ferner: 15. Jungels 5:50. 16. Adam Yates 5:51. 27. Van Avermaet 20:11. 30. Rigoberto Uran (COL) 31:03. 48. Frank 44:49. 50. Küng 45:17. 103. Dillier 1:12:48. 123. Schär 1:22:23. (ddu/sda)

Erstellt: 18.07.2018, 19:17 Uhr

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