Hintergrund

So viel Schweiz steckt in Evans' Toursieg

Der Tour-de-France-Triumph des Australiers ist das Produkt zahlreicher Zutaten, von denen eine ganze Reihe aus der Schweiz kommt.

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Der frühere Mountainbiker Cadel Evans galt im Radzirkus lange als ewiger Zweiter. Andy Rihs glaubte trotzdem fest an den Australier und nahm sich vor, um ihn herum die beste Mannschaft der Welt zu bauen, damit er den gemeinsamen Traum vom Coup an der Grand Boucle, der grossen Schleife durch Frankreich, verwirklichen kann. Der Traum ist nun Realität geworden, obwohl sich im Team Leopard Trek der Gebrüder Schleck klingendere Namen finden als in der BMC-Equipe von Evans und Rihs.

Der Australier mit den schnellen Beinen, dessen Agent Tony Rominger ist, und der Schweizer Unternehmer sind aber eine perfekte Symbiose eingegangen. Weil sie sich mit der gleichen Akribie und Hartnäckigkeit der Jagd nach dem grossen Erfolg gewidmet haben und weil ihnen die gleichen Werte wichtig sind: Vertrauen und gegenseitige Anerkennung.

Der WM-Titel von Mendrisio machte aus dem ewigen Zweiten einen Sieger

Das letzte Selbstvertrauen für den Tour-de-France-Sieg hat sich Evans auf Schweizer Boden geholt. In Mendrisio, unweit seines Wohnsitzes in Stabio, sicherte sich der wegen seines Fahrstils einst als Wackeldackel verspottete Mann aus Down Under 2009 den Weltmeistertitel im Strassenrennen. Das Gold von Mendrisio machte aus ihm, den das deutsche Telekom-Team einst noch nicht einmal zur Tour de France mitnahm, einen Sieger und mit etwas Verzögerung nun einen ganz grossen Champion.

Hightech-Geräte made in Switzerland

Swiss made sind auch die Hightech-Sportgeräte, mit denen Evans während der drei Wochen über Frankreichs Strassen und Pässe fuhr. Sie werden in Rihs' Grenchner BMC-Zentrale entwickelt und produziert und sollen wie der gleichnamige Rennstall dereinst das Nonplusultra in ihrer Sparte sein. Im vorentscheidenden Zeitfahren konnte Evans die leichteste Rennmaschine im Feld einsetzen. Diese wiegt lediglich 7,2 Kilogramm, wie BMC-Entwicklungsleiter Stefan Christ gegenüber baz.ch/Newsnet erklärte.

Damit BMC auf dem internationalen Markt und auf der Weltsport-Bühne bald schon einen weiteren Schritt nach vorne macht, sollen mit dem Belgier Philippe Gilbert, Fabian Cancellaras grossem Rivalen bei den Klassikern, dem zum kompletten Fahrer gereiften Weltmeister Thor Hushovd aus Norwegen und dem talentierten US-Amerikaner Tejay van Garderen weitere Hochkaräter im rot-schwarzen Trikot fahren. Das Budget dürfte auf 20 Millionen Franken steigen.

Evans' Dank an die radelnden Schweizer Heinzelmännchen

Es sind aber längst nicht nur die Stars, die einen Rennstall ausmachen. Ohne die fleissigen Helfer, die alles tun, um ihren Captain zu unterstützen, wäre die Tour auch für einen Ausnahmeathleten wie Cadel Evans eine noch grössere Tortur. Zu den radelnden Heinzelmännchen zählen mit Steve Morabito und Michael Schär, der während der Frankreich-Rundfahrt für den «Tages-Anzeiger» über seine Eindrücke und Leiden berichtete, auch zwei Schweizer.

«Besser hätte es für mich nicht sein können: erste Tour und gleich im Siegerteam, in dem jeder seine Aufgabe erfüllte. Wir gewannen auch als Team. Und es ist schön, dass Cadel das bei jeder Gelegenheit erwähnte», berichtet Schär in der abschliessenden Folge seiner Kolumne. Evans wirke gegen aussen zwar etwas unnahbar, sei aber ein unglaublich netter und gutmütiger Mensch, der sich bei den Helfern immer wieder für ihre Dienste bedanke. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.07.2011, 10:31 Uhr

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