Tour-Ende für Mathias Frank

Die einfache Etappe nach Nancy wurde im Finale wild. Der IAM-Leader brach sich den Oberschenkelhals.

Bittere letzte Meter: Mathias Frank musste nach seinem Sturz ins Ziel geschoben werden.

Bittere letzte Meter: Mathias Frank musste nach seinem Sturz ins Ziel geschoben werden. Bild: Keystone

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In Sekundenbruchteilen kann sich alles ändern. Christopher Froome wurde das erste prominente Opfer der Tour de France, sein erster von drei Stürzen geschah im Feld, als er einem Hinterrad nicht mehr ausweichen konnte. Die Folgen der Stürze wurden nach MRI-Untersuchungen deutlich, wie er via Twitter bekannt gab: Er hatte sich Knochenbrüche am linken Handgelenk und der rechten Hand zugezogen.

Mit Mathias Frank traf es gestern den nächsten Leader einer Equipe. Die Nummer 1 des Schweizer Teams IAM Cycling prallte auf der Zielgeraden in einem Massensturz voll auf die linke Hüfte, konnte das Bein danach nicht mehr belasten. Auf der Treppe des Teambuses wurde er erstversorgt, vor vielen entsetzten Gesichtern.

Die Untersuchungen danach in der mobilen Röntgenklinik der Tour und später in Spital Nancy brachten die Gewissheit: Der Luzerner hatte sich den Oberschenkelhalsknochen gebrochen. Noch am Abend wurde er nach Genf gefahren, wo er heute in der Uniklinik operiert wird. «Ich liess mich auf der Zielgeraden extra etwas zurückfallen, um keine Risiken einzugehen. Doch dann stürzten sie direkt vor mir, ich war schlicht am falschen Ort», sagte der 27-Jährige. «So oft fällt man auf die Hüfte, und nichts passiert.»

Frank und die Tour, das ist noch keine Liebesbeziehung. Bei seinem ersten Start 2010 stürzte er im Prolog und musste wegen eines Muskelrisses im Oberschenkel aufgeben. Nun kam das Unheil in der 7. Etappe. «Es will einfach nicht. Ich habe mich hier nun zweimal schwer verletzt. Aber ich bin immerhin schon weiter gekommen als beim ersten Mal», so Frank, der hofft, bei guter Genesung im Herbst sein Comeback geben zu können. Was ihn besonders frustrierte: «In den ersten Tagen in England hatte ich Mühe mit dem Rhythmus. Zuletzt spürte ich aber, dass es anfing zu laufen.»

14 Stürze auf der Zielgeraden

Frank war bei weitem nicht das einzige Opfer des Tages. Bereits unterwegs mussten zwei Fahrer nach Stürzen aufgeben. Auf der Zielgeraden wurden schliesslich 14 Stürze gezählt.

Die Zielankunft von Nancy wird damit definitiv zur berühmt-berüchtigten. Als die Tour 2005 letztmals hier ankam, prallte in der letzten Kurve fast das ganze Feld in die Abschrankungen. Gestern ging in jener Rechtskurve alles gut. Aber direkt danach, rund 800 Meter vor dem Ziel, ereignete sich der Crash, in den neben Frank auch zwei Helfer von Leader Vincenzo Nibali verwickelt waren. Kurz vor der Ziellinie ging auch noch Andrew Talansky zu Boden, der Garmin-Leader. Obwohl in voller Sprintgeschwindigkeit vom Rad geworfen, konnte er jedoch wenig später Entwarnung geben.

Die Etappe gewann Matteo Trentin, eine Tausendstelsekunde schob er sich vor Peter Sagan, der weiter auf einen Sieg wartet. Der Italiener scheint ein Spezialist für die engen Sprints zu sein. Vor einem Jahr siegte er in Lyon hauchdünn vor dem Ostschweizer Michael Albasini. Nun war sein Erfolg auch eine Erlösung für das Team Omega-Pharma/ Quickstep. Dieses verlor in der ersten Etappe Sprinter Mark Cavendish, fuhr seither immer ganz vorne mit im Finale, kämpfte aber meist unglücklich.

Anders gestern in Nancy, wobei danach weniger der Sieger im Mittelpunkt stand als die Geschehnisse auf den letzten Kilometern. Denn bereits vor den Stürzen war es drunter und drüber gegangen. 16 Kilometer vor dem Ziel ging BMC-Leader Van Garderen zu Boden. Trotz der verzweifelten Nachführarbeit seiner Teamkollegen verlor er bis ins Ziel 1:03 Minuten auf die Konkurrenz.

Frustrierter Cancellara

Die BMC-Leute kamen nicht mehr heran, weil die Etappe wegen zwei kleinen Steigungen vierter Kategorie viele grosse Namen reizte, allen voran die Classiques-Spezialisten. Auch Fabian Cancellara rechnete sich Chancen aus, spannte seine Teamkollegen vorne zur Tempoarbeit ein. In der zweiten Steigung musste er aber kapitulieren: Plattfuss. «Das ist meine grösste Enttäuschung. Ich war bereit für den Sieg, im Kopf, fühlte mich auch gut», sagte er. «So zu verlieren, ist hart. Zumal es jetzt nur mehr ums Bergauffahren geht. Eine grosse Chance sehe ich nicht mehr für mich.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.07.2014, 12:42 Uhr

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