«Roger hat eine Verantwortung gegenüber dem Sport»

Mats Wilander kritisiert Roger Federer für sein abermaliges Fernbleiben in Paris. So schade er dem Tennis.

Federers letzter Auftritt in Paris: Nach dem Viertelfinal 2015 muss er Stan Wawrinka gratulieren.

Federers letzter Auftritt in Paris: Nach dem Viertelfinal 2015 muss er Stan Wawrinka gratulieren. Bild: Keystone

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Drei Jahre ist es her, dass Roger Federer letztmals am French Open spielte. Er verlor damals im Viertelfinal in drei Sätzen gegen einen entfesselten Stan Wawrinka, der darauf das Turnier gewann. 2016 sagte Federer kurzfristig ab, 2017 und 2018 schon lange vor Turnierbeginn.

Natürlich fehlt er den Fans, die ihn 2009 richtiggehend zum Titel trugen und seine elegante Spielweise vergöttern. Doch man hat sich in der Modemetropole damit abgefunden, dass er nicht hier ist. Dass er vielleicht nie mehr an der Porte d’Auteuil auftreten wird. Alle?

Nein, nicht ganz alle. Die Sportzeitung «L’Equipe», sonst Federer sehr freundlich gesinnt, lancierte eine Polemik über sein Fernbleiben. Dies in Form einer Kolumne von Mats Wilander.

«Die Stars des Tennis sind grösser als der Profizirkus. Aber sie werden nie grösser sein als das Spiel selber»: Mats Wilander. (Archivbild Simon Graf)

«Wenn ich Federer beraten würde, würde ich ihm sagen, dass es eine gute Sache ist, nach Roland zu kommen und die guten Vibes zu spüren, die Liebe der Leute», schreibt der Schwede. «Und egal, was du für diesen Sport getan hast, du kannst nie genug tun, ihm zurückzuzahlen, was er dir gegeben hat. Man hat immer eine Verantwortung gegenüber dem Sport. Diese stirbt nie.

Die Stars des Tennis sind grösser als der Profizirkus. Aber sie werden nie grösser sein als das Spiel selber. Es existiert seit 300 Jahren. Wenn Roger nicht hierherkommt, um mit uns Party zu machen, macht das für ihn keinen Unterschied. Für uns aber verändert es alles.»

«Das wäre doch kein Weltuntergang!»

Der dreifache Paris-Sieger (1982, 85, 88) räumt ein, dass er verstehe, dass sich Federer nicht der ganzen Sandsaison verschreiben wolle. «Denn das würde ihn emotionell und punkto Selbstvertrauen fünf Jahre zurückwerfen. Die Arbeit kompromittieren, die er hineingesteckt hat, um die Ballwechsel zu verkürzen, seine Rückhand zu verbessern, den Ball früher zu nehmen, um Nadal aus dem Konzept zu bringen.»

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Aber: «Ich verstehe nicht, wieso er nicht auf Sand trainiert hat, ohne Turniere zu bestreiten, zehn Tage oder so, um dann hierher zu kommen und das French Open zu spielen. Er würde ein paar Matches gewinnen, dann ausscheiden. Das wäre doch kein Weltuntergang! Er hätte einfach spielen können, ohne perfekt vorbereitet gewesen zu sein. McEnroe hat es getan. Sampras auch.»

Nächster Auftritt in acht Tagen

Doch Halbheiten sind eben nicht das Ding des Roger Federer, der sich derzeit am Zürichsee auf Rasen und Hartplatz auf die Rasensaison vorbereitet. Am Wochenende reist er nach Stuttgart, wo er am Mittwoch, den 13. Juni, seinen ersten Auftritt haben wird. Und was das French Open betrifft, hat er die Türe ja noch nicht ganz zugeschlagen. Vielleicht werde er ja noch einmal in Roland spielen, pflegt er zu sagen. Das Pariser Tennispublikum und Mats Wilander würden es ihm danken.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.06.2018, 13:23 Uhr

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