Lasst Patty Schnyder in Ruhe!

Warum wir uns in der Berichterstattung um die Scheidung zwischen Patty Schnyder und Rainer Hofmann zurückhalten. Ein Kommentar.

Das ging ins Auge: Das gescheiterte Ehepaar Rainer Hofmann und Patty Schnyder.

Das ging ins Auge: Das gescheiterte Ehepaar Rainer Hofmann und Patty Schnyder. Bild: Keystone

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Am Dienstag durfte Rainer Hofmann exklusiv im «Blick» über die Scheidung von Patty Schnyder reden. Tags darauf wurde im selben Blatt die weltbewegende «Frage des Tages» formuliert: «Kriegt Patty Schnyder ihr Leben jetzt in den Griff?» Gestern schliesslich gab das Boulevardblatt dem Ex-Mann der Baselbieter Tennis­spielerin nochmals eine grosse Plattform, um sich – abermals «exklusiv» – zur Ehe mit der ehemaligen Tennisspielerin und zu deren Ende zu äussern. Dieses Spiel machen wir nicht mit. Die BaZ hat die Scheidung der beiden vermeldet, damit hat es sich. Und zwar aus zwei Gründen:

Der erste hat mit Rainer Hofmann zu tun. Wir lassen ihn in unserer Zeitung nicht mehr reden, obwohl wir seine Handynummer haben und es ein Leichtes wäre, mit ihm in Kontakt zu treten – so mediengeil, wie er sich in den vergangenen Jahren präsentierte, hätte er sicher zurückgerufen.

Wir verzichten jedoch bewusst darauf. Denn wir haben unsere Erfahrungen mit dem 44-Jährigen gemacht. Vor allem glauben wir ihm kein Wort mehr. Rainer Hofmann hat sich in der Ver­gangenheit oft genug als Scharlatan, Lügner und Wichtigtuer erwiesen. Es gibt keinen Grund, ihm plötzlich zu vertrauen.

Die erfundene Biografie

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, seit wir intensiv mit ihm zu tun hatten. Für eine Geschichte über Ausstellungs­gegenstände im Sportmuseum Schweiz kontaktierten wir Patty Schnyder; sie hatte dem Museum einen zertrümmerten Tennisschläger von sich zur Verfügung gestellt und wir wollten mehr darüber erfahren. Doch statt der ehemaligen Nummer 7 der Tennis-Weltrangliste hatten wir plötzlich ihren damaligen Gatten Rainer Hofmann am Telefon. Sie wolle sich nicht mehr gegenüber den Medien äussern, sagte er. Von sich aus begann er über Schnyders Biografie zu fabulieren, die sie an der Frankfurter Buchmesse präsentieren werde. Das werde mit Bestimmtheit ein Kassenschlager. In Frankfurt jedoch wusste auf Anfrage niemand etwas von solch einer Veranstaltung.

Es war nicht die einzige Ungereimtheit in dieser Sache. Schnell wurde klar: Es gibt kein Buch, das auf den Markt kommt. Nach der Veröffent­lichung des Artikels, in dem Hofmann verständlicherweise nicht gut wegkam, schickte er seinen Justiziar Thomas Fürstenberg gegen die BaZ vor. In schlechtem Deutsch kündigte dieser an: «Leider wurden unsere Hinweise auf den von Ihnen frei erfundenen Bericht und frei erfundenen Zitate nicht be­­achtet. Wir, ebenfalls ich, werden noch heute Strafanzeige erstatten, denn was Ihr Haus vorgenommen hat ist kriminell. Thomas Fürstenberg, Management Patty Schnyder.»

Ausfälliger Hofmann, zurückgezogene Schnyder

Nur: Diesen Thomas Fürstenberg gibt es gar nicht, er ist eine Erfindung von Rainer Hofmann. Das ist auch der Grund, weshalb kurz darauf nicht Fürstenberg bei unserer Internetredaktion anrief, sondern Hofmann höchstpersönlich. Zuerst drohte er dem diensthabenden Redaktor, dass er die BaZ in fünfstelliger Höhe verklage, wenn der online gestellte Artikel nicht umgehend entfernt werde. Dann titulierte er den diensthabenden Redaktor, der dieser Aufforderung nicht nachkommen wollte, als «kleinen Wichser». Danach gab es keinen Kontakt mehr mit Hofmann, bis vor einem Jahr, als sich der britische Autor und Ghostwriter Paul Stenning bei der BaZ meldete und sich bitterlich darüber beklagte, dass er für eine englische Version der nicht erschienen Biografie «einen Monat solider Arbeit investiert» habe, ohne dafür entschädigt worden zu sein. Worauf sich Rainer Hofmann in überraschend lieblichen Worten meldete: «Hallo. Die Zusammenarbeit wurde beendet, weil die Testübersetzung von 14 Buchseiten nicht gut war. (...) Lieben (sic!) Gruss.»

Von Patty Schnyder selber hörten wir in der ganzen Zeit kein Wort. Womit wir beim zweiten Grund angelangt sind, weshalb wir uns in dieser Causa zurückhalten. Anders als Martina Hingis, die immer wieder ins Rampenlicht drängt und sich gerne von den Medien hofieren lässt, hat sich Schnyder komplett ins Private zurückgezogen. Es gibt von ihr keine öffentlichen Auftritte mehr, seit sie vor zwei Jahren zurücktrat. Während ihrer Karriere haben wir genug oft über sie berichtet. Und Patty Schnyder hat, wenn auch zumeist wenig enthusiastisch, mitgemacht. Nun aber will sie als Ex-Spitzen­sportlerin nur noch eins: ihre Ruhe. Das gilt es zu respektieren. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.09.2013, 08:12 Uhr

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