Stöhnen schadet der Reaktion des Gegners

Eine Studie aus Kanada zeigt, dass Tennisstars wie Maria Scharapowa und Rafael Nadal mit ihrem Gestöhne nicht nur Traditionalisten auf die Nerven gehen, sondern auch ihren Kontrahenten schaden.

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Eine Forschergruppe der University of British Columbia spielte 33 Studenten eine Serie von 384 Videoclips mit Aufschlägen vor. Die Probanden mussten dabei auf ihrer Tastatur so schnell wie möglich angeben, in welche Richtung der Ball ging. Dies fiel ihnen deutlich schwerer, wenn während des Schlages ein Stöhnen zu hören war: Die Reaktionszeit schoss parallel zur Fehlerquote in die Höhe. «Durch die verzögerte Reaktion empfindet ein Tennisspieler den Gegner bei einem Ball, der mit 80 km/h daherkommt, um 60 Zentimeter näher als in Wirklichkeit. Das kompliziert es, einen guten Return zu schlagen», sagt Studienleiter Scott Sinnett. Er hält das Stöhnen für Schummelei.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Ein Tennisspieler zieht nicht nur aus der Optik eines Schlags seine Schlüsse, sondern auch aus dem Geräusch, das beim Treffpunkt entsteht. Ein lauter Spieler verschlüsselt gewissermassen die Informationen über Spin und Geschwindigkeit. «In vielen Fällen ist das Stöhnen gezielt aufgesetzt, um den Gegner abzulenken», erklärt die deutsche Sportpsychologin und frühere Top-20-Spielerin Eva Pfaff gegenüber Pressetext Deutschland.

Als Wegbereiterin des grossen Stöhnens im Spitzentennis gilt die gebürtige Serbin Monica Seles, die zu Beginn der Neunzigerjahre 178 Wochen lang die Weltrangliste anführte. Die Rumänin Virginia Ruzici, 1978 French-Open-Siegerin, fiel jedoch schon eine gute Dekade früher mit markanten Zischlauten auf dem Platz auf.

Scharapowa wie ein Presslufthammer

Die aktuelle Galionsfigur der Stöhnerinnen heisst Maria Scharapowa. Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker forderte in einem Interview mit dem Magazin «GQ» wegen ihr einst ein Stöhnverbot auf der WTA-Tour. «Bei Maria Scharapowa oder Serena Williams schaue ich oft verständnislos zu. Das hat ja auch etwas Sexuelles», so der dreifache Wimbledonsieger, dessen zahlreiche Frauengeschichten eigentlich auf einen weniger puritanischen Umgang mit der Sexualität schliessen liessen. Der frühere Weltranglistenerste Marat Safin imitierte in Wimbledon zum Amüsement des Publikums vor drei Jahren das exzessive Stöhnen seiner Landsfrau.

Die Russin erreicht mit ihrem Kriegsgebrüll einen Spitzenwert von 101 Dezibel. Sie liegt damit auf Augenhöhe mit einem Presslufthammer und weit vor Monica Seles und Serena Williams, die sich mit rund 90 Dezibel im Bereich eines schweren Lastwagens bewegen. Gegen die Portugiesin Michelle Larcher de Brito kommt aber auch Scharapowa nicht an. Die Nummer 198 des WTA-Rankings ist mit 109 Dezibel die Lärmkönigin. Ab 130 Dezibel besteht eine ernsthafte Gefährdung für das Gehör.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2010, 12:28 Uhr

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