Das schwäbische Wimbledon bleibt Federer treu

Der Wechsel auf Rasen hat sich für Stuttgart gelohnt. Nun soll der Rasenkönig trotz Fehlstart für künftigen Glanz sorgen.

Auf Wiedersehen – in Stuttgart hofft man, dass Roger Federer auch in den nächsten zwei Jahren antritt.

Auf Wiedersehen – in Stuttgart hofft man, dass Roger Federer auch in den nächsten zwei Jahren antritt. Bild: Keystone

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Im Turnierhotel Maritim in Stuttgart hört man an diesem Donnerstagmorgen immer wieder das Wort «Federer». Dass der grosse Favorit im Startspiel sogleich ausgeschieden ist, gibt immer noch zu reden, es fallen auch gehässige Kommentare. Offensichtlich von Leuten, die ­Tickets kauften in der Hoffnung, den 18-fachen Grand-Slam-Sieger zu sehen, nun aber den 39-jährigen Tommy Haas vorgesetzt bekommen, die Nummer 302.

Doch Edwin Weindorfer, der Turnierdirektor, wirkt am Abend nach Federers Aus gelassen und so gut gelaunt wie stets. «Es gibt zwei Sachen, die ich nicht beeinflussen kann: das Wetter und den Ausgang der Spiele», sagt der Öster­reicher, der mit der Agentur Emotion das Traditionsturnier im TC Weissenhof ausrichtet. Natürlich verliere kein Anlass gerne im ersten Spiel sein Zugpferd, «doch das ist die Realität des Sports». Der Steirer, auch OK-Chef des Wiener Hallenturniers und des neuen Rasen­turniers der Frauen in Santa Ponsa auf Mallorca, relativiert Federers Niederlage. «Gegen alle anderen hätte er an diesem Tag wohl gewonnen.» Und schon beginnt er wieder zu schwärmen über den Schweizer, für ihn fraglos der «grösste Spieler aller Zeiten».

«Wollen ihn auch 2018/19»

Noch am Tag seiner ersten Startniederlage auf Rasen seit 15 Jahren nahm Weindorfer die Gespräche mit Federer und Manager Tony Godsick über einen neuen Vertrag auf. «Wir wollen, dass er auch 2018 und 2019 hier spielt, und ich bin überzeugt, dass uns das gelingt. Er fühlt sich hier extrem wohl, ich hatte mit ihm eben ein positives Gespräch.» Sein Traum sei, nächstes Jahr Federer und Rafael Nadal präsentieren zu können.

Dass solche Träume nicht völlig utopisch sind an diesem Turnier der untersten ATP-Stufe (250), hängt einerseits mit der Finanzkraft von Titelsponsor Mercedes zusammen, der dem Sieger zusätzlich zum Preisgeld ein Cabriolet offeriert, wichtigster Geldgeber und zudem auch ein Vertragspartner von Federer ist. Vor allem aber ist es die Folge davon, dass Stuttgart 2015 den Schritt wagte, vom Sand- zum Rasenturnier zu werden, als zwischen French Open und Wimbledon eine dritte Woche geschoben wurde.

«Diese Neupositionierung war der absolut richtige Weg», sagt Weindorfer. In den letzten Jahren als Sandturnier sei es extrem schwierig gewesen, Topspieler zu verpflichten, weil die meisten nach Wimbledon nicht nochmals auf Sand antreten wollten. Inzwischen ist Stuttgart als Vorbereitungsturnier auf Wimbledon ideal platziert und auch für Spitzen­spieler attraktiv. Sein Ziel sei es, künftig vier Top-10-Spieler zu präsentieren, sagt der Turnierchef.

Zwei Greenkeeper und Aufsicht aus Wimbledon

Die über 700 Mitglieder des TC Weissenhof hatten den Belagswechsel fast einstimmig gutgeheissen. 6 der 26 Plätze weisen inzwischen einen Rasenbelag auf. Um sie zu pflegen, wurden zwei vollamtliche Greenkeeper engagiert. Sie profitieren vom Support und Know-how Wimbledons, das regelmässig Experten vorbeischickt, um dafür zu sorgen, dass die Courts höchsten Ansprüchen genügen. Die Clubmitglieder können wegen des ATP-Turniers die Anlage gleich während fünf Wochen nicht benutzen. Und auf die Rasenplätze dürfen sie erst, wenn der Profizirkus abgezogen ist.

Gemäss Weindorfer kostete der Belagswechsel insgesamt etwa zwei Millionen Euro, das Budget wurde von rund fünf auf über sieben Millionen Euro erhöht. Dazu kommen Unterhaltskosten in der Höhe von einer halben Million jährlich. Der Aufwand hat sich gelohnt, die Zuschauerzahlen sind um rund 10 000 auf knapp 60 000 gestiegen. Und obwohl sie Federer diese Woche nicht mehr zu sehen bekommen, weht «ein Flair von Wimbledon» durch den Club, wie es der Turnierchef ausdrückt. Tatsächlich: Sogar der traditionelle Wimbledon-Drink Pimm’s wird hier serviert, teilweise sogar gratis. Die Stuttgarter müssen ihn erst noch kennen lernen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.06.2017, 20:36 Uhr

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