«Der Löwe wurde ausnahmsweise gezähmt»

Die Presse in England, Spanien und Luxemburg zeigt sich begeistert von Gilles Muller, aber auch von Rafael Nadal.

Rafael Nadal (links) gratuliert nach der Niederlage seinem Gegner Gilles Muller.

Rafael Nadal (links) gratuliert nach der Niederlage seinem Gegner Gilles Muller. Bild: Matthew Childs/Reuters

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«Ein Luxemburger torpediert Nadal aus dem Turnier.» Spaniens grösste Zeitung «El País» wählt grosse Worte. So überraschend Gilles Mullers Sieg auch sein mag, die Art und Weise, wie der 34-jährige Aussenseiter gewinnt, verblüffe nicht: «Der Veteran Muller spielte ohne Ass im Ärmel, sein Plan war klar definiert, enthielt nichts Komplexes, er verfolgte ihn unbeirrbar. Muller wusste: Entweder führt sein Plan ihn geradewegs zum Sieg oder dann halt in die würdevolle Niederlage.»

Und Nadal? Ein wenig Mitleid dringt durch angesichts der überdurchschnittlichen Service-Qualitäten des Luxemburgers: «Ass um Ass prasselte auf ihn ein. Aber was willst du auch unternehmen, wenn Muller seine Aufschläge derart platziert nach aussen schlägt, sodass nicht einmal die ausserordentlichen Beine Nadals diese Bälle erreichen können?»

«Marca» bedauert, dass Sportgeschichtliches knapp verpasst wurde: «Nadal bringt das ‹Comeback für die Historie› nicht zu Ende.» Auch die Madrider Sportzeitung hebt den Service Mullers hervor: «Gibst du deinen Aufschlag gegen einen Widersacher mit einem ‹Punch›, wie der Luxemburger ihn hat, ab, gibst du automatisch gleich den ganzen Satz ab. In den Runden zuvor war Nadal nie einem derart extremen Druck ausgesetzt gewesen.»

Nadal wird trotz des Ausscheidens als grosser Sportsmann gefeiert: «Seine Grösse sieht man im Sieg wie auch in der Niederlage: Er wartete nach dem Spiel auf jenen Mann, der zuvor sein ‹Exekutor› gewesen war. So konnten sie gemeinsam das Feld verlassen.»

Die Briten freut das Serve and Volley

«BBC Sport» schreibt von einem epischen Spiel: Nicht einmal Nadals Kampfgeist, der ja ein Markenzeichen sei, habe Muller im zweieinviertel Stunden langen Entscheidungssatz stoppen können. Die Zuschauer hätten nicht nur das bislang längste, sondern wahrscheinlich auch das schönste Spiel am diesjährigen Turnier erlebt – entsprechend laut seien die Standing Ovations für beide gewesen.

Nadals generelle Probleme in Wimbledon werden auch nicht verschwiegen: «Nadal hat hier seit 2011 nie mehr einen Viertelfinal erreicht.» Um Mullers Parforce-Leistung hervorzuheben, lässt BBC den grossen John McEnroe sprechen: «Keiner ist fitter, kämpft härter oder hat mehr Energie als Nadal. Bei 13:13 im fünften Satz, nach vier vergebenen Matchbällen, würde gegen Nadal jeder normale Sterbliche sagen: ‹Ich gebe auf.› Nicht aber Muller.»

Der «Guardian» prophezeite, ebenfalls auf Nadals Ehrgeiz anspielend, unmittelbar nach Spielschluss: «Muller wird nun gut schlafen. Und Nadal wird wahrscheinlich bis zu den US Open überhaupt nicht mehr schlafen, er wird sich den Schlaf nicht erlauben.» Ein Löwe sei er gewesen, Rafael Nadal, so wie man ihn eben kenne. Aber: «Der Löwe wurde ausnahmsweise gezähmt!»

Nadal habe gar nicht einmal so vieles falsch gemacht: «Es war Muller, der alles richtig machte.» Kein Wunder, bereitete den Briten ein Fakt besonders Freude: «Es war wunderschön, wie Muller sein Serve-and-Volley-Spiel durchzog.»

«Purer Angreifer: Muller spielt, wie man eigentlich nicht mehr spielt»

Auch in seiner Heimat wird Gilles Muller gefeiert. «Super, ‹Mulles›!», titelt das «Lëtzebuerger Journal» auf der Frontseite. Der luxemburgische «Quotidien» schreibt von einem «match complétement fou». Man könne sich bereits jetzt festlegen: «Das war eines der Spiele des Jahres.» Ein erbitterter Kampf sei das gewesen, ein Kampf, in dem sich Muller, dieser «pure Angreifer», der so spiele, wie man eigentlich eben nicht mehr spiele, durchsetzen konnte. (kk)

Erstellt: 11.07.2017, 11:57 Uhr

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