Der Wunsch nach mehr Wertschätzung

Roger Federer übt deutliche Kritik an der ATP und einigen Turnierdirektoren.

Verständnis von den vielen Fans. Roger Federer spürt auch in Stuttgart die Unterstützung seiner Anhänger.

Verständnis von den vielen Fans. Roger Federer spürt auch in Stuttgart die Unterstützung seiner Anhänger. Bild: Keystone

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Die Hierarchie im Männertennis bedarf derzeit nun wirklich keiner tieferschürfenden Nachforschung mehr. Es dominieren aktuell Roger Federer und Rafael Nadal und danach kommt ganz lange: nichts. So wirkt es wie eine Selbstverständlichkeit, dass arrivierte Profis wie Philipp Kohlschreiber (ATP 22) und Feliciano Lopez (ATP 33) die Lounge im Spielerrestaurant verlassen, wenn die Organisatoren des Mercedes Cup darauf hinweisen, dass hier zeitnah ein Gespräch zwischen dem Baselbieter und einer kleinen Gruppe Schweizer Medien stattfinden soll.

Als Federer, der heute in Stuttgart gegen Mischa Zverev (ATP 54) ins Turnier eingreifen wird (vgl. Box), dann Platz genommen und ein bisschen über deutsche Autobahnen geplaudert hat, wird er ernster und ziemlich deutlich. Von der BaZ gefragt, was er zu der Kritik von French-Open-Direktor Guy Forget und Ex-Profi Mats Wilander hält, er hätte in Paris doch auch einfach für die Zuschauer antreten können, sagt er harsch: «Wir haben Meinungsfreiheit. Aber ich bin mit der Meinung, ich könnte ‹einfach etwas spielen gehen› nicht einverstanden. Ich habe höhere Ansprüche.» Der Fan solle den möglichst besten Roger Federer sehen. Es könne doch nicht das Ziel sein, einfach hinzustehen und dann «niedergemetzelt zu werden». Er wisse, «ja, ich bin gut», aber auch er brauche Vorbereitung, damit er mithalten könne.

Damit waren die Leitplanken gesetzt. Und Federer legte nach, erklärte, dass er von der ATP mehr Unterstützung erwarte. Es gibt tatsächlich wenige Anhaltspunkte, die die Ansichten der Kritiker stützen. Der 36-Jährige war immer ein Allesspieler – 17 Jahre in Folge hat er eine Saison voll absolviert –, ganz im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, die komplett auf Sand verzichteten oder gegen Ende Jahr vermehrt aussetzten.

«Weiss, dass ich es richtig mache»

Von den Tour-Chefs wünschte sich Federer deshalb, dass sie sagten: «Sorry, Roger darf etwas freier entscheiden. Wenn er länger dabei ist, ist es besser fürs Tennis.» Wenn sie das nicht fänden, auch gut, «aber schweigen finde ich auch schade. Ich habe viel für den Sport gemacht, viel für Turniere, zum Teil auch für jene, die mich angegriffen haben. Einige Turnierdirektoren sind etwas weit gegangen, aber letztlich ist es mir egal. Am Schluss weiss ich, dass ich es richtig mache.»

Man kann Federers Haltung unterstützen oder nicht – in vielen Dingen setzt der 20-malige Grand-Slam-Sieger auch Prioritäten –, aber klar scheint: Mit solchen Aussagen dürften die Turnierdirektoren ihre Chance sicher nicht erhöhen, dass Federer wieder an ihrem Event antreten wird. Gerade wenn es um Veranstaltungen auf der roten Asche geht. Es lässt sich nicht leugnen, dass Federer eigentlich überall auf der Welt für einen Grossteil der Ticketverkäufe verantwortlich ist und damit direkt mögliche Sponsoren für die Organisatoren anzieht.

«Alle dürfen frustriert sein»

Es mutet deswegen merkwürdig an, dass die lautesten Misstöne von Menschen kommen, die selber lange auf höchstem Niveau Tennis gespielt haben – und wissen sollten, dass der Körper mit zunehmendem Alter und nach Verletzungen mehr Pausen benötigt. Vonseiten der Zuschauer, die sich über eine Teilnahme einfach – und zu Recht – freuen würden, ist die Kritik kaum zu hören, scheint erstaunlicherweise mehr Verständnis vorhanden zu sein.

Federer sagt: «Jeder Turnierdirektor darf frustriert sein, aber ich kann nicht alle meine Träume verfolgen. Seit meiner Knieoperation muss ich auf gewisse Dinge verzichten.» Und er wiederholt nochmals klar: «Sorry, ich möchte auch Zeit mit meiner Familie verbringen.» Das meine er mit «mehr Verständnis» für seine Situation. Was das heisst, ist klar. Wenn sich Federer für ein Turnier einschreibt, tritt er an – ausser es passiert etwas Gravierendes. Nichts finde er unangenehmer, als zurückzuziehen, weil er wisse, wie viel Zeit und Geld seine Fans investierten, um ihn zu sehen. In dieser Beziehung herrscht derzeit offensichtlich mehr Verständnis. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.06.2018, 10:46 Uhr

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