Diese 13-Jährige erinnert an Hingis

Am US Open spielte Cori Gauff (13) im Final der Juniorinnen. Wieso sie bei den Profis noch nicht mittun darf.

Amanda Anisimova (links, 16) gewann den Final bei den Juniorinnen gegen Cori Gauff (13). Bild: Getty Images

Amanda Anisimova (links, 16) gewann den Final bei den Juniorinnen gegen Cori Gauff (13). Bild: Getty Images

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Da sitzen vier zurückgetretene Tennisspielerinnen nach einem Exhibition-Match an der Pressekonferenz am US Open. Kim Clijsters, Lindsay Davenport, Mary Joe Fernandez und Martina Navratilova sprechen über die Dominanz der US-Spielerinnen am diesjährigen US Open: Alle vier Halbfinalistinnen waren Amerikanerinnen. Bei den Juniorinnen ist das Bild ähnlich: Im rein amerikanischen Final standen sich Amanda Anisimova und Cori Gauff gegenüber.

6:0, 6:2 hiess dort das klare Endresultat. Es wurde schnell zur Nebensache, als Fernandez das Alter der Verliererin, Cori «Coco» Gauff, erwähnte: 13 Jahre. Das löste auch bei den ehemaligen Profispielerinnen Erstaunen aus. Als 13-Jährige war sie die jüngste Spielerin, die jemals am US Open im Final der Juniorinnen stand. Mit einem Sieg wäre sie sogar zur jüngsten Grand-Slam-Titelgewinnerin seit Martina Hingis 1993 in Paris geworden. Die Schweizerin triumphierte dort als 12-Jährige.

«Druck ist weder richtig noch menschlich»

Hingis ist das beste Beispiel für Erfolge im jungen Alter – und den späteren Absturz. 1997 gewann sie als 16-Jährige drei Grand-Slam-Turniere, ihren letzten Titel im Einzel holte sie im zarten Alter von 18 Jahren. Sie war danach oftmals verletzt und trat bereits im Alter von 22 Jahren zurück. Zwar kehrte sie vier Jahre später wieder auf die Tour zurück, doch konnte sie im Einzel nicht an alte Erfolge anknüpfen. Ihr wurde 2007 die Einnahme von Kokain nachgewiesen, was Hingis bestritt. Trotzdem trat sie zum zweiten Mal zurück.

Vor einer scheinbar goldigen Zukunft stand in den 90er-Jahren auch Jennifer Capriati. Als erst 13-Jährige spielte sie bereits auf der WTA-Tour. Sie gewann Olympiagold mit 16, hielt dann aber dem Druck nicht stand. Capriati erlitt ein Burn-out und musste bis 2001 warten, um ihren ersten Grand-Slam-Titel zu gewinnen. 25 war sie da bereits.

Vor allem aufgrund ihres Falles führte die WTA 1994 ein Mindestalter ein. Seither dürfen die jungen Frauen erst ab 14 Jahren auf der Tour spielen. Die Anzahl Turniere pro Jahr ist bis zum 18. Geburtstag limitiert. Die damalige Präsidentin der WTA, Pam Shriver, sagte: «Wir mussten nur Capriati betrachten, um zu merken, dass der Druck auf ihr in so jungen Jahren weder richtig noch menschlich war.»

Keine Regelung bei den Männern

Jetzt ist da Cori Gauff, die drei oder vier Jahre ältere Spielerinnen bezwang. Sie selbst ist nicht erfreut über die Regelung und bemerkt, dass bei den Männern keine ähnliche Bestimmung gilt. «Ich verstehe, dass die Mädchen nicht in jungen Jahren ausbrennen sollen, aber ich fühle mich für Grösseres bereit.» Auch ihr Vater Corey Gauff glaubt, dass seine Tochter gegen bessere Gegnerinnen mehr profitieren könnte: «Im Final haben wir gesehen, dass sie gegen eine Spielerin, die vergleichsweise viel WTA-Erfahrung hat, noch nicht bestehen kann.»

Gauff trainiert in Frankreich in der Academy von Patrick Mouratoglou. Der Coach von Serena Williams muss sich mit dem Thema Alter auskennen: Vor der Babypause spielte Williams auch mit 35 Jahren ganz oben mit. Aber auch er sagt: «Ich denke nicht, dass die Regelung Spielerinnen schützt. Jede ist in einem anderen Alter auf ihrem Höhepunkt.»

Trotzdem: Bei den Männern sind in den Top 20 der Weltrangliste ganze 9 Spieler 30 Jahre oder älter. In der WTA-Rangliste sind dies nur gerade zwei Frauen. Aber auch an der Pressekonferenz äussern sich die Ehemaligen dem Mindestalter gegenüber eher kritisch. Davenport bezweifelt, dass der spätere Einstieg bei den Profis besser ist: «Wenn diese Youngsters dann zum ersten Mal bei den Grossen spielen, haben sie noch mehr Druck.» Navratilova glaubt sogar, dass Gauff einen guten Anwalt zuziehen könnte, um dieses Gesetz zu umgehen. Sie denkt aber auch, dass die 13-jährige Gauff nicht viel Qualität einbüssen wird: «Die Tour ist auch noch hier, wenn sie 18 ist.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.09.2017, 19:08 Uhr

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