Nichts ist unmöglich

Roger Federer gewinnt zum neunten Mal die Swiss Indoors – und verschiebt weiter Grenzen.

Nie war die Stimmung in der St. Jakobshalle besser als in diesem Jahr. Basel erlebte in der vergangenen Woche einmal mehr ein Tennisfest.

Nie war die Stimmung in der St. Jakobshalle besser als in diesem Jahr. Basel erlebte in der vergangenen Woche einmal mehr ein Tennisfest. Bild: Keystone

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Etwas ganz Besonderes wäre es, ja gar magisch, sagte Roger Federer letzte Woche im Interview mit der Basler Zeitung über die Vorstellung, 100 Titel zu gewinnen. Natürlich war klar, wie er es gemeint hatte, und es stimmt schon: Diese Marke ist überaus bedeutsam. Ganz nüchtern betrachtet ist es aber weder besonders noch magisch, sondern einzig eine Frage der Zeit, bis der Baselbieter diese knackt. Auch mit 37 Jahren hat er immer noch den Spirit, die Lust, auf weitere Triumphe, ja ist süchtig danach.

Das hat er an den Swiss Indoors mal wieder eindrücklich bewiesen. Es war nicht seine beste Woche, wie es bereits nicht sein bester Sommer und sein bester Herbst war, aber er hat sich durchgebissen. Mal wieder. Der 99. Titel ist der verdiente Lohn. Nur noch zehn mehr, und er hätte den Rekordmann Jimmy Connors eingeholt. Auch wenn das noch nach ziemlich viel ausschaut: Was ist bei Federer schon unmöglich? Es scheint, als reiche zur Beantwortung dieser Frage ein Wort: nichts. Mit Grenzen muss er sich nicht gross beschäftigen, er verschiebt sie einfach weiter.

Hervorragende Organisation

Was aber besonders auffiel: Nie war die Stimmung in der St. Jakobshalle besser als in diesem Jahr, was nicht am neuen Glanz nach der Rundumsanierung lag, sondern einzig an diesem unglaublichen Federer, dem perfekten Botschafter. Die Halle bebte, sie bangte, manchmal war es ohrenbetäubend laut, manchmal beängstigend leise – aber immer, wirklich immer war es elektrisierend. Es herrschte eine ganz spezielle Ambiance, als hätte sich auch bei den Zuschauern die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Ende auch für den besten Tennisspieler der Geschichte näher ist als der Anfang. Der Eindruck verfestigte sich: Es könnte ja das letzte Mal sein, dass es möglich ist, sich Federer live anzuschauen.

Die allerletzte Möglichkeit wird es wohl nicht gewesen sein, aber wer weiss das schon gesichert? Schwer vorstellbar ist es dennoch; die Chancen, dass in der Schweiz nach Federers Rücktritt eine Tennisdepression entsteht, ist nicht gerade klein. Das ist eine Frage, mit der sich auch die Swiss Indoors beschäftigen müssen. So weit mag Präsident Roger Brennwald aber nicht in die Zukunft blicken, mehr als zwei Jahre im Voraus lässt es sich in diesem sich im Wandel befindenden Kosmos auch gar nicht planen. Das Turnier, so viel steht fest, ist weiterhin ganz vorzüglich aufgestellt, auch die nähere Zukunft erscheint rosig.

Noch ist Federer ja da, und 2019 findet die 50. Austragung der Swiss Indoors statt. Das dürfte wieder ein grosses Fest werden. Dank der neuen Halle ist das Turnier auch optisch wieder ein Hingucker. Dieser neue Glanz ist auch nötig, endlich strahlt das Foyer, ist das kühle Grau, diese schummrige Atmosphäre passé. Auch sportlich ist per se wenig zu befürchten: Mit einem Budget von 19 Millionen – nächstes Jahr werden es wohl 20 sein – liegen Verpflichtungen der Besten absolut drin, zudem kommen die meisten Spieler sowieso gerne ans Rheinknie.

Der Anlass war auch hervorragend organisiert, von der ATP, der Vereinigung der Männertour, gabs zu Recht die Bestnote. Im internationalen Vergleich sticht der Basler Traditionsevent heraus, viele bessere Adressen gibt es nicht auf dieser Welt. Doch die eine bange Frage, die bleibt: Reicht das den Zuschauern, wenn Federer nicht mehr mitspielt? Niemand kann dies heute abschliessend beurteilen, auch Roger Brennwald nicht. Sicher ist nur, dass er die optimalen Rahmenbedingungen geschafft hat – vorwerfen lassen müssen sich die Swiss Indoors sicher nichts. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.10.2018, 07:27 Uhr

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