Was bleibt, ist die Erinnerung an Mbappé

Der Trainer entlassen, der Präsident verhaftet, die Bilanz miserabel: Die AS Monaco droht aus der Champions League auszuscheiden und taumelt dem Abstieg entgegen.

Auch gegen Lucien Favres Dortmund hatte Monaco keine Chance. Video: Teleclub

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In der Königsklasse hat sich der FC Brügge bisher sechsmal versucht. Sechsmal ist er in der Gruppenphase gescheitert. Immerhin gab es vor einigen Jahren mal Siege gegen die AC Milan und Ajax Amsterdam und ein Unentschieden gegen die Bayern. Vier Tore haben die Belgier in einem Spiel der Champions League aber noch nie erzielt, schon gar nicht auswärts. Bis am Dienstagabend. Gleich 4:0 fertigte Brügge die AS Monaco ab, vor gut eineinhalb Jahren hatten die Monegassen noch die französische Meisterschaft gefeiert.

Die Zeit scheint ewig her. Die Zeit, in der Monaco mit aufregendem Fussball und wirbligen Jungspunden Frankreich eroberte und die alte Garde von Paris Saint-Germain mit Angel di Maria, Edinson Cavani und Thiago Silva in den Schatten stellte. Heute ist die Saison nur noch eine zunehmend verblassende Erinnerung an Kylian Mbappé, Bernardo Silva und Thomas Lemar.

Der Werdegang von ihnen ist bekannt, von den Spielern die mächtig Geld in die Kassen der Monegassen gespült haben. Mbappé ist heute bei Paris, Silva in Manchester, Lemar in Madrid. Dazu kommen Bakayoko, der über Chelsea zu Milan ging, Fabinho, heute bei Liverpool, Mendy, wie Silva bei den Citizens, und Diallo, in der Stammelf von Lucien Favre bei Dortmund. Sie kamen für nichts bis wenig und gingen für insgesamt 447,5 Millionen Euro.

Zweitletzter in Frankreich, Letzter in der Champions League

Die Monegassen liessen sich nicht verblenden, blieben ihrer Linie stets treu. Ein Teil des mit den Transfers verdienten Geldes wurde reinvestiert. In junge Spieler, wie den damals erst 16-jährigen Pietro Pellegri oder den zwei Jahre älteren Jordi Mboula aus der Jugendabteilung von Barcelona. Einzige Ausnahme war die Goalieposition, da kam ein 33-jähriger Schweizer, Diego Benaglio, ablösefrei. Es hatte so ja schon mal geklappt, werden sich die Clubverantwortlichen gedacht und mit voller Elan an den Meistertitel 2017 erinnert haben.

Die Realität ist nun ziemlich genau umgekehrt. 18 Monate nach dem Meistertitel liegt Monaco in der Ligue 1 auf dem zweitletzten Platz, punktgleich mit Schlusslicht Guingamp. In der Champions League ist es in der Gruppe A mit Dortmund, Atlético Madrid und Brügge der letzte Rang – mit zwei erzielten Toren und einem Punkt. Weiterkommen kann Monaco nicht mehr und jetzt, da das direkte Duell mit Brügge verloren ging, ist auch Platz 3 und somit die Europa League kaum mehr möglich.

Und es kommt noch mehr Unheil auf das Team von Diego Benaglio zu. Vor dem Brügge-Spiel wurde Clubinhaber Dimitri Rybolowlew verhaftet. So berichten es verschieden französische Medien. Der russische Milliardär, seit 2011 bei Monaco, soll demnach in einen Justizskandal verwickelt sein und Beamte sowie Polizisten bestochen haben.

Auch der prominente Trainer hilft bisher nicht

Der Club in der Krise, der Präsident in Haft. So wird sich Diego Benaglio sein Abenteuer am Mittelmeer wohl kaum vorgestellt haben. Fantastisch sei es in Monaco, sagte Benaglio Mitte September zum «Tages-Anzeiger», zumindest wenn man das Normale nicht aus den Augen verliere. Der Schweizer ist urplötzlich die Nummer 1 im Tor der Monegassen geworden weil WM-Finalist Danijel Subasic aus Kroatien lange verletzt ausfällt, Rückkehr unbekannt.


Bilder: Die Karriere von Diego Benaglio


Benaglio hat bei Monaco einen Vertrag bis 2020, dann geht er auf die 37 zu, er könnte sich, so erzählte er es im September, eine Rückkehr zum VfL Wolfsburg vorstellen, nicht als Spieler, sondern in einer anderen Funktion. Dort hat er während neuneinhalb Jahren gespielt, wurde 2009 deutscher Meister und 2015 Cupsieger und absolvierte über 300 Spiele. Damit ist der 35-Jährige Rekordspieler bei den Wölfen.

Seit Saisonbeginn spielte Benaglio nun zweimal zu Null, das in 14 Spielen. Dennoch sind sie nicht unzufrieden in Monaco, auch der neue Trainer setzt auf ihn. Dieser hat einen prominenten Namen und einen miserablen Start in seine Laufbahn als Cheftrainer: Thierry Henry, Welt- und Europameister, fünf Spiele bei seinem neuen Arbeitgeber, zwei Punkte. Viel geändert hat sich seit der Entlassung von Meistertrainer Leonadro Jardim noch nicht.

Alltag in Monaco

Die Saison ist nach wie vor jung, genug jung zumindest, um früh genug aus dem Abstiegskampf zu entwischen. Ein Abstieg wäre der nächste Absturz auf der ohnehin turbulenten Berg- und Talfahrt der Monegassen. In der Heimat ist die Unterstützung nicht gerade gross, die High Society Monacos interessiert sich für anderes, das Stadion ist selten voll. Spieler müssten verkauft werden, der 21-jährige Benjamin Henrichs, im Sommer von Leverkusen gekommen, und die belgischen Nationalspieler Youri Tielemans und Nacer Chadli werden kaum zu halten sein, genauso wie die russische Hoffnung Aleksandr Golovin.

Damit kennen sie sich in Monaco eigentlich bestens aus. 2011 stieg der Champions-League-Finalist von 2004 letztmals aus der höchsten Liga ab. Es folgten der Wiederaufstieg 2013 und fünf Jahre in den Top 3 Frankreichs. Inklusive der Meistersaison, von der sie heute noch träumen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.11.2018, 11:27 Uhr

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