Der listige Mister Lim

YB-Gegner Valencia gehört einem Multimilliardär aus Singapur. Der ist geschäftlich mit Cristiano Ronaldo liiert, schnell gelangweilt – und würde lieber in Manchester United investieren.

Winkt für die Fotografen: Investor Lim mit seinem 45-Millionen-Franken-Transfer, dem portugiesischen Dribbelkünstler Gonçalo Guedes.

Winkt für die Fotografen: Investor Lim mit seinem 45-Millionen-Franken-Transfer, dem portugiesischen Dribbelkünstler Gonçalo Guedes. Bild: Imago/Alino Biel

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Sie werden kaum davon wissen, Peter Lim und die Young Boys. Aber der Multimilliardär aus ­Singapur und die Schweizer Meister aus Bern jubelten am 24. August beide aus gleichem Anlass. Die Auslosung in der Champions League bescherte YB das grosse Los mit Juventus ­Turin, Manchester United und Valencia. Und die Auslosung in der Champions League bescherte Valencia-Besitzer Lim ein doppeltes grosses Wiedersehen: mit seinem Klienten Ronaldo bei ­Juventus und mit seinem Herzensverein, Manchester United.

Die Gruppe H in der Königsklasse illustriert ganz passabel, in welchen Kreisen sich der schwerreiche Asiate so bewegt. Ein Vermögen gemacht hat der 65-Jährige in der Palmölindustrie, «Forbes» führt ihn mit seinen fast 3,6 Milliarden Dollar Vermögen unter den zehn reichsten Personen in Singapur.

Über seine Absichten im Fussball gehen die Meinungen auseinander. Für einen listigen Geschäftsmann mit zwielichtigem Gebaren halten ihn die einen, für einen ehrenwerten Philanthropen die anderen.

Liegesofa für Ausschussware des berühmten Agenten

Beides verknüpfte Lim in seinem Engagement beim FC Valencia. Für 100 Millionen Euro erwarb er den schwer verschuldeten Verein im Frühling 2014 – und bewahrte mit seinem Einstieg den spanischen Grossclub vor dem Konkurs. Zwar war Lim bis ­dahin weder mit besonderem Fussballsachverstand noch mit einer ­Affinität zu Spanien aufgefallen, aber logischerweise war das ­Publikum dem Retter in der Not fürs Erste wohlgesinnt.

Das änderte sich, als Lim die ersten fragwürdigen Entscheidungen traf. Weil ihm die Firma gehört, die Cristiano Ronaldos Bildrechte verwaltet, kam er früh schon mit dessen Berater Jorge Mendes in Kontakt. Der hinter Ronaldo und United-Trainer José Mourinho drittmächtigste Portugiese im Weltfussball hatte Lim den Club zum Kauf vermittelt – und parkierte dann ungeniert seine jüngsten Klienten bei Valencia. Die Mannschaft verkam zwischenzeitlich zum Liegesofa von Mendes’ Ausschussware. Brisant dabei: Lim führt selbst Firmen in seinem Portfolio, die unzählige Spielerrechte besitzen. Unternehmen investieren in junge Spieler, um später von den Ablösesummen profitieren zu können: «Third party ownership» nennt sich das im Jargon, und Lim wird nachgesagt, längst ein Grossmeister darin zu sein.

In Valencia traf er nach der Übernahme seltsame Personalentscheide. Einmal installierte er den Mendes-Klienten Nuno als Coach, einmal den früheren United-Verteidiger Gary Neville, der zu diesem Zeitpunkt weder je ein Profiteam trainiert hatte noch ein Wort Spanisch sprach.

Die nicht so heimliche englische Liebe

Die aktuelle Krise unter dem Spanier Marcelino betrachtet Lim zunehmend aus der Ferne. Die Versprechen von 2014 bleiben unerfüllt, etwa die Eröffnung des neuen Stadions, die ursprünglich für 2019 vorgesehen war. Und Valencia ist nicht sein einziges Sportinvestment auf Clubebene. Zusammen mit der «Class of ’92» – frühere United-Spieler um die Neville-Brüder, Ryan Giggs, Paul Scholes und ­Nicky Butt – kaufte Lim den ­Salford FC. Der Club in der Nähe von Manchester stieg seither dreimal auf, spielt in der fünfthöchsten Liga – und führt zahlreiche Spieler aus dem Portfolio von Lim oder der United-Legenden im Kader.

Daneben hält der in der ­Öffentlichkeit zurückhaltende Investor Beteiligungen am Autoriesen McLaren und an einem Fussball-Hotel beim Old Trafford. Aus seiner Liebe zu ­Manchester United hat Lim nie einen Hehl gemacht, in Asien führt er gar eine Restaurantkette, die sich nur mit dem Grossclub beschäftigt. Umso mehr ­erstaunte 2010 die Avance mit der Kaufofferte für Erzrivale ­Liverpool. Wer weiss, was der ­listige Lim mit dem Traditionsclub angestellt hätte.

Video: Die Highlights von YB - Valencia

Starke Leistung: Die Berner erkämpfen sich daheim ein 1:1 und den ersten Punkt in der Champions League. (Video: Teleclub) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.11.2018, 14:58 Uhr

Valencia steckt in der Krise

Kaum Tore, erst ein Sieg

Mit 11 Punkten aus 11 Partien und einem Torverhältnis von 7:9 steckt der Traditionsclub im Abstiegskampf, gegen Girona pfiff das Publikum im Mestalla-Stadion heftig. «Es ist kühl und dunkel geworden», schrieb die Lokalzeitung «Levante». Dabei wähnte sich der Club nach komplizierten Jahren mit vielen Trainerwechseln unter Marcelino endlich wieder auf passablem Weg.

Doch in 14 Partien in Liga und Königsklasse resultierte erst ein Sieg – andererseits spielte Valencia 1:1 gegen Barcelona und holte beim 0:0 im Old Trafford gegen Manchester United einen vielleicht wertvollen Punkt in der Champions League. Doch auch beim 1:1 in Bern hinterliess das Team einen zwiespältigen Eindruck. Erstaunlich ist die Torflaute mit insgesamt nur acht Treffern, denn im stark besetzten Kader stehen mehrere Torjäger und Nationalspieler wie der Spanier Rodrigo, der Belgier Michi Batshuayi, der Franzose Kevin Gameiro oder das grosse spanische Talent Santi Mina. Und die jungen Carlos Soler und Gonçalo Guedes, beide 21, gelten als hoch veranlagte Flügel. Der portugiesische Dribbelkünstler Guedes, im Sommer für 45 Millionen Franken Ablösesumme fix von PSG verpflichtet, war länger verletzt gewesen und spielte letzten Samstag bei der 0:1-Niederlage gegen Girona erstmals in dieser Saison durch.

Entweder das Team kommt auf Touren – oder für den nach der ermutigenden letzten Saison vermeintlichen Erfolgstrainer Marcelino läuft die Zeit ab. (fdr)

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