Boxen

Arnold Gjergjaj macht kurzen Prozess

Schnelles Lichterlöschen im Kursaal: Arnold Gjergjaj wird am Boxing Day in Bern nicht gefordert. Der aus Pratteln stammende Schwergewichtler bezwingt den Brasilianer Gilberto Matheus bereits in der ersten Runde.

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Sieben Monate können für einen Boxer unendlich lang sein. Sieben Monate musste sich Arnold Gjergjaj gedulden, bis er endlich wieder in den Ring steigen durfte. Mitte Mai hatte er im Grand Casino Basel den ebenso lustigen wie redseligen Argentinier Nelson Dario Dominguez mit einem humorlosen Leberhaken in der 3. Runde zum Schweigen gebracht. Im August hätte Gjergjaj seinen nächsten Kampf bestreiten sollen, doch dann ging der Engländer Tyson Fury, die Nummer 4 der Weltrangliste, im Sparring wie eine Furie auf ihn los und brach ihm eine Rippe.

Damit war von Gjergjaj noch mehr Geduld gefragt. Er, der mit seiner Box-Karriere gerne schneller vorwärts machen würde, musste sich im Training eine Zeitlang zurückhalten. Erst Mitte Oktober durfte der Schwergewichtler des Box-Club Basel wieder so richtig belasten. Und gestern war es endlich soweit: «The Cobra», wie er seit Beginn seiner Profikarriere vor vier Jahren genannt wird, stieg am traditionellen «Boxing Day» im Berner Kursaal in den Ring. Noch vor einem Jahr war er am damaligen Meeting bloss als Beigemüse für den Hauptgang vorgesehen gewesen, hatte dann aber den spektakulärsten Kampf bestritten, als er seinen Gegner mit einem Haken in der dritten Runde ins Reich der Träume schickte.

Ein leichtes Ziel

Gestern nun war Gjergjaj für den Hauptpart vorgesehen. Wie schon im Mai kam der Widersacher aus Südamerika, dieses Mal aus Brasilien. Gilberto Matheus Domingos hiess der Gegner, welch ein poetischer Name! Noch schöner sein Kampfkürzel: «El Magico». Was die 950 Zuschauerinnen und Zuschauer dann allerdings vom 27-jährigen Faustkämpfer zu sehen bekamen, war überhaupt nicht magisch, sondern eher kläglich. Zwar tänzelte Domingos zu Beginn ein wenig, trotzdem gab er für Gjergjaj ein leichtes Ziel ab. Der Prattler entschied sich schliesslich inmitten seines Schlaghagels für einen gezielten Hammer auf die Leber, woraufhin der Magische bereits ein erstes Mal in die Knie ging. Das wiederholte sich noch zweimal, bis für Domingos nach zwei Minuten und 15 Sekunden bereits Lichterlöschen angesagt war. Zur Erinnerung: Der Brasilianer war mit einer Kampfbilanz von 21 Siegen in 22 Fights nach Europa angereist. Angesichts seiner dürftigen Gegenwehr muss man sich fragen, was das denn für Gegner gewesen sein müssen, denen er in seiner Heimat reihenweise den Garaus gemacht hatte.

Nicht kümmern muss das Gjergjaj, der nun 23 Siege in ebenso vielen Kämpfen auf dem Konto hat – 17 davon durch K.o. Gallina attestierte seinem Boxer, dass er seinen Job gut erledigt habe. Gjergjaj selber fand, dass er «nach einem solch schnellen Kampf nicht richtig glücklich» sein könne. Schnell merkte er, dass sein Gegenüber riesigen Respekt hatte und nach dem ersten Leberhaken nichts mehr zustande brachte. So schnell, wie alles wieder zu Ende war, konnte Gjergjaj gar nicht richtig zeigen, was er sonst noch alles drauf hat. Der Kosovare wird nun dank dem Sieg ein paar Punkte sammeln, doch so richtig bringt ihn das in der Weltrangliste nicht nach vorne – vielleicht auf eine Position irgendwo zwischen Rang 50 und 60. Für einen ­rascheren Aufstieg bräuchte es ein anderes Kaliber als Gegner – einen Rivalen, der in der Vergangenheit schon einige grosse Kämpfe hatte. George Arias wäre ein solcher gewesen, Gallina hätte die Nummer 1 Brasiliens gerne verpflichtet.

Zu alt für die Schweiz

Arias hat schon 64 Kämpfe auf dem Konto und boxte unter anderem gegen bekannte Namen wie Sinan Samil San, Juan Carlo Gomez oder Owen Beck. Ein Sieg gegen ihn hätte punktemässig so richtig eingeschenkt. Das Problem mit Arias: Er ist bereits 39 Jahre alt. In der Schweiz aber gilt, so will es Swiss Boxing, eine Alterslimite von 35 Jahren, sodass eine ganze Reihe von interessanten Gegnern gar nicht für einen Kampf zugelassen werden.

So musste sich Gallina mit Domingos begnügen, der trotz seines guten Kampfrekordes kaum Punkte einbringt, aber genau so viel wie Arias kostete: nämlich 10'000 Franken – Geld, das erst einmal aufgebracht werden muss. Den nächsten Kampf bestreitet Arnold Gjergjaj voraussichtlich im März. In nicht allzu weiter Ferne soll dann ein Titelfight auf Stufe Europa folgen.

Mitarbeit: Adrian Ruch (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.12.2013, 08:46 Uhr

Remis für den Lokalmatador

Mischa Nigg (26) kam im Rahmenprogramm des Boxing Day zum vierten Sieg in seinem fünften Kampf als Profi. Gegen den ukrainischen «Faxenmacher» Boris Akopow realisierte der Supermittelgewichtler gleichzeitig seinen vierten vorzeitigen Erfolg. Der K.o. folgte in der fünften und vorletzten Runde.

Im Gegensatz zu Nigg musste Alain Chervet gegen den Ukrainer Artem Aywazidiin in einem Leichtgewichts-Kampf über ebenfalls sechs Runden bange Momente überstehen. Da Chervet aber einen Niederschlag vermied und zum Auftakt des Kampfes die ersten beiden Runden noch zu seinen Gunsten entschieden hatte, kam der Lokalmatador mit einem schmeichelhaften Remis davon. sda

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