Blut, Schweiss und Tränen hinter Glas

Eine Woche lang boten die besten Squashspieler der Welt dem Zürcher Publikum einen spektakulären Einblick in ihren Sport, der von brutal bis brillant alles abdeckt.

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Ihre Übernamen klingen wie die von Wrestlern. Schläge verpassen Thors Hammer, die kolumbianische Kanonenkugel und die Schweizer Rakete aber nur einem rund 24 Gramm schweren Gummiball. Omar Mosaad, Miguel Angel Rodriguez und Nicolas Müller – so heissen sie mit bürgerlichem Namen – sind drei der Squashprofis, die den Grasshopper Cup im Zürcher Puls 5 prägten.

Dem imposanten Ägypter Mosaad, 1,93 m gross und 90 kg schwer, gelang es in den Viertelfinals sogar, den aktuellen Weltmeister Ramy Ashour zu eliminieren. Beim Stand von 4:9 und 1:2 in den Sätzen gab dieser auf. Ashour zu schlagen, das ist selbst dann eine bemerkenswerte Leistung, wenn er wie im Spiel gegen Mosaad von einer Blessur behindert wird. Diese handelte sich der verletzungsanfällige Racketkünstler wohl schon zum Ende seines Achtelfinals gegen Nicolas Müller ein.

Müller hatte Ashour mit furchtlosem und technisch brillantem Angriffsspiel an den äussersten Rand der Niederlage gebracht und war nach einer 2:0-Satzführung mehrfach nur zwei Punkte vom Sieg entfernt. Wie ein Ausserirdischer habe der Schweizer Meister phasenweise gespielt, sagte der abgekämpfte Favorit später. Retten konnte sich Ashour nur, weil er so heftig über den Court hechtete, dass er zu bluten begann. Und weil er die Angriffe des Kontrahenten mit weiten Ausfallschritten und einer spektakulär schnellen Reaktion immer wieder zu parieren vermochte.

Squash ist mindestens ebenso ein Verteidigungs- wie ein Angriffssport. Das Wechselspiel zwischen Attacke und Entfesselungskunst macht den um die Aufnahme ins olympische Programm ringenden Sport aus. Es gibt Artisten – allen voran die Ägypter, aber auch Schweizer Müller – die mit dem Ball eine Coca-Cola-Dose aus mehreren Metern Entfernung treffen würden, und es gibt unbeugsame Arbeiter wie den Kolumbianer Rodriguez, die dem Gegner mit ihren Kontern notfalls während zwei Stunden die Energie rauben.

Puncto Physis ist dem in der Höhenlage von Bogota auf rund 2800 Meter über Meer trainierenden Rodriguez höchstens noch der Franzose Grégory Gaultier gewachsen. Der eliminierte den Südamerikaner in den Halbfinals denn auch, während sich Mosaad – gezeichnet von der Auseinandersetzung mit Ashour – dem 1,90 m langen und 87 kg schweren Deutschen Simon Rösner beugen musste.

Gaultier und Rösner spielen im heutigen Final des Turniers nicht nur um die Trophäe und den Löwenanteil der 70'000 Dollar Preisgeld, sondern auch für eine rosigere Zukunft des Schweizer Squashsports. Das Schweizer Fernsehen zeigt Ausschnitte der Partie im «Sportpanorama» und bietet dem Squash so eine Bühne, die es nur selten bekommt. Dabei hätte es eigentlich alles, um mehr zu sein als eine Randsportart. Viel mehr.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2015, 14:18 Uhr

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