Das dicke Kind, das Weltmeister wurde

Ramy Ashour liebt Erdnussbutter und Schokolade, vor allem aber das Leiden auf dem Squashcourt. In dieser Woche spielt er am GC-Cup in Zürich.

«Ich sehe mich auf dem Platz als zwei Personen»: Ashour in Zürich.

«Ich sehe mich auf dem Platz als zwei Personen»: Ashour in Zürich. Bild: Sabina Bobst

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Ramy Ashour hat kein Problem damit, dass ihn die meisten seiner Konkurrenten für eigenartig halten. «Ich bin schon ein wenig verrückt», sagt der Ägypter und lacht. «Zu den Turnieren reise ich alleine und möchte dort auch für mich sein. Ich könnte nur Leute um mich haben, die immer genau wissen, was ich in der jeweiligen Situation brauche.» Squash sei ein brutaler Sport für Körper und Geist, fügt er an. Deshalb brauche er die Ruhe und Ungestörtheit zwischen den Spielen.

Ist Ashour fit, gilt er als praktisch unschlagbar. Wegen gravierender Verletzungen am Oberschenkel und den Knien konnte der 27-Jährige in den letzten zwölf Monaten jedoch nur zwei Turniere bestreiten. Er gewann beide: Im November die WM, vorletzte Woche das Super-Series-Turnier von El Gouna – jeweils nach mehreren Monaten ohne Ernstkampf. Der El-Gouna-Final gegen Mohamed El Shorbagy gilt als bester Squashmatch der Geschichte. 94 Minuten brauchte Ashour, um sich im Tiebreak des fünften Satzes durchzusetzen.

Der Final von El Gouna in der Zusammenfassung.

«Shorbagy und ich haben uns gegenseitig auf ein Niveau hochgeschaukelt, das wir zuvor nicht für möglich gehalten hätten», sagt der Champion. Er glaubt, dass ihn die neuerliche Verletzung letztlich stärker gemacht hat, gerade weil sie ein so harter Einschnitt war: «Die Kämpfe, die ich während dieser Zeit mit mir selbst ausfechten musste, waren bedeutend härter als jedes Turnier. Die Zweifel zu besiegen, das ist das Schwierigste bei einem Comeback.»

Ashours Krankenakte liest sich ähnlich eindrücklich wie die Liste seiner Erfolge. «Das liegt auch daran, dass ich mich früher völlig falsch ernährt und so meinen Körper geschädigt habe», sagt der Squashstar. «Selbst als ich schon Profi war, habe ich mehrmals in der Woche Fast Food gegessen. Zudem besitze ich von Natur aus keinen athletischen Körper. Als Kind und auch noch als Jugendlicher war ich dick.»

Heute unterwirft er sich einer strengen Diät und verzichtet bis auf einen Tag in der Woche komplett auf Kohlehydrate. Der Gedanke an jenen einen Tag, an dem er essen darf, was er will, lässt seine Augen leuchten. «Ich liebe Sushi in möglichst ausgefallenen Varianten, so wie man es in Südamerika isst», sagt Ashour, 1,80 m gross und 78 kg schwer. Dann zückt er sein Mobiltelefon, auf dem sich reihenweise Bilder von riesigen Platten mit Sushi befinden. Ashours Leibgericht aber ist eine Eigenkreation, die vielleicht sogar dem späten Elvis Presley zu wuchtig gewesen wäre. «In einen Vollkornwrap packe ich Erdnussbutter, Honig, Zimt und Kokosnussraspel. Anschliessend schneide ich den Wrap wie eine Sushirolle in Stücke», schildert der dreifache Weltmeister.

Letztlich ist Ashours Passion für Squash aber grösser als die für Erdnussbutter und Schokolade: «Dieser Sport ist meine grosse Leidenschaft, nichts ist mir wichtiger. Und ja, um ein grosser Spieler zu werden, muss man das Leiden lieben, den Schmerz und den Kampf gegen den Zorn.» Da Squash der einzige Racketsport ist, bei dem die Kontrahenten immer wieder mit ihren Körpern zusammenstossen und sich buchstäblich auf den Füssen stehen, ist die Wut ein ständiger Begleiter.

«Ich sehe mich selbst auf dem Platz als zwei Personen. Wobei die gefasstere die wütende besänftigt. Selbstgespräche sind ein wichtiges Mittel für mich, sie helfen mir, die Konzentration zu behalten. Mit jeder Drucksituation verstehe ich meinen eigenen Ärger besser und kann ihm effizienter entgegenwirken», erklärt Ashour, der heute Abend am Grasshopper Cup im Zürcher Puls 5 auf Schweizer Meister Nicolas Müller, die Nummer 20 der Welt, trifft.

Alles andere als ein klarer Sieg Ashours wäre eine grosse Überraschung. Der Favorit aber sagt: «Ich leide gegen jeden guten Spieler auf der Tour, und Nicolas Müller ist ein sehr guter Spieler. Es mag sein, dass bei anderen mit jedem Sieg das Selbstvertrauen wächst, doch ich hüte mich davor, das Misstrauen gegenüber der eigenen Leistungsfähigkeit zu verlieren.» Sicher sei nur eines: Dass er nach dem Turnier hier eine ausgedehnte Shoppingtour durch Zürich machen werde. «Das Geschäft mit der wunderbaren Schokolade heisst Sprüngli, oder?»

Ramy Ashour demontiert den früheren Weltranglistenersten James Willstrop.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2015, 15:45 Uhr

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