Bern

Die Kobra will zubeissen

Am 26.Dezember findet im Berner Kursaal das traditionelle Stephanstagsmeeting statt. Die Hauptattraktion ist der Basler Schwergewichtler Arnold Gjergjaj, der schon 16 K.-o.-Siege gefeiert hat.

Viel Power in den Fäusten: Arnold Gjerjaj hat 16 seiner bisher 22 Profikämpfe vorzeitig gewonnen.

Viel Power in den Fäusten: Arnold Gjerjaj hat 16 seiner bisher 22 Profikämpfe vorzeitig gewonnen. Bild: Keystone

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Stünde Arnold Gjergjaj im Boxring einer Kobra gegenüber, käme es nicht zum Kampf. «Ich habe brutal Angst vor Schlangen», sagt der 29-jährige Kosovare aus Pratteln im Kanton Baselland, «ich würde sofort abhauen.» So weit wird es jedoch nie kommen, denn Gjergjaj ist im Seilgeviert selber «The Cobra», die den Gegnern Furcht einflösst. Und in der Regel verschlingt sie die grossen Happen, die sie vorgesetzt bekommt, schon nach wenigen Runden: 22 Kämpfe hat der beste Schweizer Schwergewichtsboxer in seiner Karriere bisher bestritten und allesamt gewonnen, 16 davon vorzeitig.

Erhalten hat Gjergjaj den Kampfnamen von seinem Trainer und Promoter Angelo Gallina. «Weil ich im Ring so unvermittelt zuschlug, wie eine Kobra zubeisst», erzählt der 1,97 Meter grosse und 112 Kilogramm schwere Hüne, der eine bewegende Lebensgeschichte hinter sich hat. Gjergjaj wuchs in einem kleinen Dorf im Kosovo auf, in dem alle bestens miteinander auskamen. Als der Krieg ausbrach, war nichts mehr wie vorher. Die Nachbarn brachen plötzlich den Kontakt ab. «Es war unwirklich. Krieg hatte doch immer irgendwo anders und weit weg stattgefunden. Nun war er plötzlich bei uns, und wir waren mittendrin.»

Zuerst ein Kickboxer

Mit 14 kam Gjergjaj in die Schweiz. Er fühlte sich fremd, weinte jeden dritten Tag. So allmählich wurde es jedoch besser. Er machte eine Lehre als Heizungsmonteur. Ein Kollege fragte ihn, ob er nicht ins Kickboxtraining mitkommen wolle. Schnell zeigte sich, dass Gjergja mit Talent gesegnet war. Er wechselte schliesslich zum Boxen, wo sich seine Wege mit jenen von Angelo Gallina kreuzten.

Der Basler mit italienisch-kroatischen Wurzeln unterweist seit über zwei Jahrzehnten Athletinnen und Athleten in der Kunst des Faustkampfes. Jahrelang war er Nationaltrainer der Schweizer Frauen. Das Schwergewicht Arnold Gjergjaj ist zweifellos sein gewichtigstes Projekt. Zu Beginn war sich Gallina nicht sicher, ob aus den grossen Plänen etwas werden würde; Gjergjaj war zwar schon immer ehrgeizig, hatte bis dahin aber ohne Leitplanken trainiert und von seinem Talent gelebt. Das änderte sich, als er unter Gallina Profi wurde. Heute bezeichnet der Coach seinen Boxer als zuverlässig, extrem trainingsfleissig und offen für alles, was eine seriöse Karriereplanung erfordert.

Diese sieht vor, dass Gjergjaj in nicht mehr allzu grosser Ferne um einen Titel kämpfen kann. Derzeit ist er in der Computerweltrangliste von Boxrec an 60.Position klassiert; dank seinem Kampfrekord befindet er sich auf dem Radar anderer Boxställe. In diesem Jahr hat er denn auch schon Angebote für Kämpfe gegen hoch dotierte Gegner wie Derek Chisora (Gb/Nummer 7) und Robert Helenius (Fi/5) erhalten. «Die Anfragen kamen jedoch sehr kurzfristig», erklärt Gallina, weshalb er ablehnte. «Das Risiko ohne richtige Vorbereitung wäre zu gross gewesen.»

Sparringspartner Klitschko

Der Trainer fordert stattdessen Geduld von seinem Boxer und dessen Fans. «Wir müssen Schritt für Schritt machen», sagt Gallina. «Überspringen wir einen, könnten wir es schnell bereuen.» Erschwert wird der beschwerliche und lange Weg an die Spitze vom Umstand, dass es in der Schweiz nur noch einen valablen Sparringspartner für Gjergjaj gibt, den Burgdorfer Cruisergewichtler Nuri Seferi. Deshalb müssen für den Schlagabtausch im Training immer wieder Boxer aus dem Ausland geholt werden, was Kosten verursacht. Wird dann Gjergjaj seinerseits als Sparringspartner angeworben, dann ist das für den Boxer und seinen Trainer wie Weihnachten, auch wenn gerade Frühling ist: Im April durfte der Schwergewichtler gegen Wladimir Klitschko in dessen Trainingscamp in Kitzbühel als Trainingsgegner herhalten. Selbstredend, dass es der Weltmeister war, der den Tarif durchgab.

Am Boxing Day im Berner Kursaal soll es indes Arnold Gjergjaj sein, der den Gegner mit seiner imposanten Schlagstärke von bis zu 450 Kilogramm weichklopft wie ein Koch sein Schnitzel. Doch Achtung: Der Brasilianer Gilberto Matheus Domingos kommt mit einem beeindruckenden Kampfrekord nach Europa: «El Magico» hat von 22 Duellen 21 gewonnen, wovon 19 durch k.o. Bei genauer Betrachtung ist die Bilanz allerdings nicht mehr ganz so magisch, boxte Domingos doch immer wieder gegen die gleichen Gegner. Gjergjaj kümmert dies jedoch nicht. «Im Schwergewicht darf man niemanden unterschätzen», sagt er, «da kann ein Schlag alles entscheiden.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.12.2013, 16:14 Uhr

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Boxing Day

Das Programm im Kursaal

Das erste Faustgefecht beginnt um 15.15 Uhr. Insgesamt finden 6 Amateurkämpfe statt. Nach der Pause, etwa ab 16.45 Uhr, werden die Profikämpfe ausgetragen. Zuerst steigt der Tessiner Ricardo Silva mit dem Ukrainer Dmytro Bohatschuk in den Ring, am Schluss der Basler Arnold Gjergjaj mit dem Brasilianer Gilberto Matheus Domingos.

Dazwischen kommen die beiden Berner Profis zum Einsatz, beide messen sich mit Gegnern aus der Ukraine: Mischa Nigg trifft auf Boris Akopow, Alain Chervet auf Artem Ayvazidi.

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