Fiasko-Games: Ein Virus und zahlreiche Kondome

Die Commonwealth Games in Delhi stehen unter einem schlechten Stern. Neuerdings sind Schwimmer erkrankt, und Tausende von Kondomen haben die Abwasserleitungen verstopft.

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Seit den Sommerspielen von 1992 in Barcelona ist es Sitte, dass an Grossanlässen wie Olympia oder den Commonwealth Games Kondome im Athleten-Dorf gratis abgegeben werden. Von dieser Möglichkeit scheinen die Sportlerinnen und Sportler in Delhi rege Gebrauch zu machen. Denn Tausende von gebrauchten Kondomen haben die Abwasserleitungen im Dorf verstopft. Mindestens 4000 Stück mussten schon aus den Leitungen herausgefischt werden, seit die Spiele vor zehn Tagen begannen.

Für die Organisatoren ist diese Meldung aber kein Ärgernis. «Wenn die Teilnehmenden so aktiv sind, ist das ein gutes Zeichen. Wir propagieren ‹safer sex›», erklärte ein Sprecher der Veranstaltung, bei der immerhin 4300 Athletinnen und Athleten aus 71 Ländern gemeldet sind.

Chaotische Organisation

Weniger amüsant als die blockierten Abwasserleitungen aufgrund sexueller Aktivitäten sind andere Begleiterscheinungen dieser Commonwealth Games. Das neuste Übel in Indiens Hauptstadt betrifft die Schwimm-Wettbewerbe. 15 Schwimmerinnen und Schwimmer – die Agentur AFP schreibt sogar von 50 Personen – haben sich nach dem Aufwärmen im Trainingsbecken mit einem Magen-Darm-Virus infiziert. Die Organisatoren kündigten eine sofortige Untersuchung an. «Wenn das Wasser gesundheitsgefährdend ist, kann man nicht darin schwimmen», sah selbst OK-Chef Mike Fennel ein. «Wir werden die Qualität des Wassers und des Essens testen. Wenn die Athleten nicht in Bestform antreten können, macht uns das Sorgen.» Auch das englische Landhockey-Team wurde vom Virus betroffen.

Die Sporttage in Delhi werden generell als Fiasko in die Geschichte der Commonwealth Games eingehen. Schon vor dem Beginn dieser 19. Spiele in Indiens Kapitale mussten sich die Veranstalter und die Teilnehmer mit allerlei Problemen herumschlagen. Miserable hygienische Verhältnisse, grosser Pfusch an den Sportstätten sowie ein Bombenalarm erschreckten die Gemüter in Delhi. Dass bei den Boxwettkämpfen die Waagen offenbar falsche Resultate anzeigen, passt ins Bild. Überdies sind die Tribünen leer, die Bevölkerung scheint sich für den grossen Event in der Stadt überhaupt nicht zu interessieren. Wegen der schlechten Zustände und der chaotischen Organisation spielten gewisse Delegationen sogar mit dem Gedanken, wieder abzureisen und den Event zu boykottieren.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.10.2010, 12:35 Uhr

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