«Ich könnte die ganze Welt umarmen»

Viktor Röthlin war nach seinem Triumph im EM-Marathon ausser sich vor Freude. Im Interview erzählt er, wie er die 42,195 km durch Barcelona erlebte.

Viktor Röthlin krönte sich am Schweizer Nationalfeiertag zum Leichtathletik-König von Europa.

Viktor Röthlin krönte sich am Schweizer Nationalfeiertag zum Leichtathletik-König von Europa. Bild: Keystone

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Viktor Röthlin, wie fühlen Sie sich nach ihrem EM-Triumph?
Es war einfach wunderbar vor all den Leuten ins Ziel zu laufen. Ich könnte die ganze Welt umarmen.

Wie ist es Ihnen im Rennen ergangen?
Ich hatte viele offene Fragen, die Journalisten ja auch. Ich wusste nicht, wie mein Körper reagiert. Mental und physisch war ich bereit. Ich habe mich während den 42,195 km grossartig gefühlt. Ich kam in der letzten Phase der Vorbereitung in Form und konnte mein Trainingsgefühl im Wettkampf eins zu eins umsetzen. Hätten die Europameisterschaften zwei Wochen früher stattgefunden, wäre ich nicht bereit gewesen. Es lief alles perfekt. Ich habe eine dritte Medaille gewonnen, und zwar jene, die ich noch nicht hatte.

Wie haben Sie die entscheidende Phase erlebt?
Als ich die Entscheidung herbeiführte, hatte ich das Gefühl, dass Martinez (der Silbermedaillengewinner, die Red.) Mühe bekundete. Ich hatte Angst, dass er mich auf den letzten Metern, motiviert durch das Publikum, würde stehen lassen. Ich war allerdings überrascht, dass ich weggelaufen bin. Es war sehr früh im Rennen. Doch zu wissen, dass der Abstand immer grösser wurde, motivierte mich sehr.

Sie waren quasi der Chef im Feld.
Ich bin nicht so aktiv wie in Göteborg (2006 gewann er dort EM- Silber, die Red.) gelaufen. Ich wollte aber bewusst kein Bummelrennen. Ich bin der Überzeugung, dass du, wenn du wartest, wegen dieser Passivität bestraft wirst. Zudem war es meine Taktik, den Jungs zu zeigen, dass wer heute gewinnen will, mich schlagen muss.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie das Rennen alleine angeführt haben?
Ich habe an meine Trainings gedacht. Zudem wusste ich, dass sie hinter mir auch nicht mehr in einer Gruppe laufen. Ich sagte zu mir: «Laufe kontrolliert, mach dich nicht kaputt und arbeite, arbeite, arbeite.» Denn ein Marathon ist erst im Ziel zu Ende.

Haben Sie auch an Ihre Krankengeschichte gedacht?
Auf der Zielgeraden bin ich sie durchgegangen. Eine solche Grenzerfahrung kann dir im Rennen auch Kraft geben.

Wie haben Sie die Hitze erlebt?
Im Vergleich zur WM 2007 in Osaka und den Olympischen Spielen 2008 in Peking war es eher kühl. Es war nicht so extrem.

Die Zeiten in den Vorbereitungswettkämpfen für Barcelona waren nicht speziell gut. War das für Sie kein Problem?
Das Wichtigste zum Verstehen ist, dass ich ein sehr guter Marathon-Läufer bin. Ich bereite mich nur auf die Marathons speziell vor, die übrigen Läufe bestreite ich aus dem Training heraus. Deshalb waren die Resultate für mich nicht beunruhigend. Ich kann nichts anderes als Marathon, aber den kann ich wenigstens gut. (ak/Si)

Erstellt: 01.08.2010, 19:07 Uhr

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