Sprunger erfüllt sich Gold-Traum

Lea Sprunger hat als erste Schweizer Leichtathletin einen EM-Titel gewonnen. Die 28-jährige Waadtländerin erfüllte sich über 400 m Hürden den Gold-Traum.

Lea Sprunger gewinnt über 400 Meter Hürden die Goldmedaille. (Video: SRF).

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Nach dem Zieleinlauf schrie Sprunger ihre Freude laut heraus, ehe sie sich in eine Schweizer Fahne gewickelt auf die Ehrenrunde machte. Nach EM-Bronze vor zwei Jahren in Amsterdam hatte die Romande vor 48'500 Zuschauern im Berliner Olympiastadion dem Druck standgehalten. Sie bescherte Swiss Athletics die siebte Goldmedaille in einer Einzeldisziplin an Europameisterschaften. In der deutschen Hauptstadt war es für die Schweiz der zweite Podestplatz nach dem 3. Rang von Alex Wilson über 200 m am Donnerstagabend.

Mit 54,33 Sekunden, der zweitbesten Zeit ihrer Karriere, distanzierte Sprunger die zweitplatzierte Ukrainerin Anna Ryschikowa um 18 Hundertstel. Die eigene Saisonbestleistung verbesserte sie um 46 Hundertstel, was unterstreicht, dass sie auf den Punkt genau in Topform war. «Es ist das Resultat meiner ganzen interessanten Karriere mit schönen und schlechten Sachen», bilanzierte Sprunger. «Ich habe die ganze Saison sehr gut gearbeitet, es ist unglaublich.»

Sprunger ging als Führende auf die Zielgeraden. Sie sei gut gestartet und habe sich auf ihren Lauf fokussiert, sagte sie. Die letzte Hürde sei sie allerdings etwas hektisch angegangen. Dennoch liess sie sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Nun kann Sprunger unbeschwert ein nächstes Ziel in Angriff nehmen, nämlich den Schweizer Rekord von Anita Protti aus dem Jahr 1991 zu tilgen. Dieser steht bei 54,25 Sekunden, wobei ihre Bestzeit 54,29 beträgt. «Sie hat das Potenzial für eine Zeit von unter 54 Sekunden», ist Trainer Laurent Meuwly überzeugt.

Mut belohnt

Es braucht Mut, EM-Gold als klare Vorgabe herauszugeben, da man dann daran gemessen wird. Es zeugt jedoch vom neuen Selbstverständnis von Sprunger, die viel mit einer Mentaltrainerin gearbeitet hat. Nach den grossen Enttäuschungen an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (Out im Vorlauf) und den Hallen-Europameisterschaften in Belgrad (5. über 400 m), nach denen sie sich fragte, ob sie für diesen Sport gemacht sei, suchte sich per Hypnose im Unterbewusstsein nach Gründen für die Enttäuschungen. Das zeigte ihr, wo das Problem liegt.

Mittlerweile hat Sprunger nicht mehr wie früher Angst vor den Konkurrentinnen, sondern glaubt sie an die eigenen Stärken. Bereits vor einem Jahr an den Weltmeisterschaften in London überzeugte sie mit dem 5. Platz. Das half fürs Selbstvertrauen. Für Trainer Laurent Meuwly ist ein weiterer entscheidender Teil für den Erfolg, dass sie seit ein paar Jahren gesund sei. Dies führt er auf die richtige Balance zwischen hartem Training und physischer sowie mentaler Erholung zurück. «Sie ist eine erfahrene Athletin, weiss nun genau, was für sie gut ist», sagte Meuwly. Raum für Improvisationen gibt es kaum, es wird analysiert und optimiert.

Gab es im Training Anpassungen? «Wir versuchen immer, neue Reize zu setzen, aber der rote Faden und die Philosophie bleiben gleich», so Meuwly. Die Wettkampfplanung war zu Beginn der Saison aber anders wie in den letzten Jahren. Die ersten beiden Rennen über 400 m Hürden absolvierte sie an den Diamond-League-Meetings in Rom (56,38) und Oslo (55,07). «Das war eine neue Konstellation für sie», erklärte Meuwly. Der Saisonbeginn sei nicht einfach für sie gewesen, habe aber geholfen.

Sprunger läuft erst seit 2015, mit Ausnahme eines Test im Jahr 2010, über 400 m Hürden, eine Disziplin, für die sie aufgrund ihrer langen Beine prädestiniert ist. Zu Beginn der Karriere war sie eine Mehrkämpferin. Von 2012 bis 2014 startete sie vorwiegend über 100 und 200 m. Allerdings hatte Meuwly schon davor den Plan, aus ihr eine Langsprinterin zu machen - sie ist auch über 400 m flach die Nummer 1 in Europa in diesem Jahr. Der clevere Aufbau hat sich also ausbezahlt. (sda)

Erstellt: 10.08.2018, 21:17 Uhr

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