Steingrubers Hommage an ihre verstorbene Schwester

Die Schweizer Überturnerin glänzt in der WM-Qualifikation – mit ihren Sprüngen und einer berührenden Geste.

Für einmal eine eher schwermütig: Giulia Steingruber zeigt am Boden eine bedeutungsvolle Kür. Bild: Reto Oeschger

Für einmal eine eher schwermütig: Giulia Steingruber zeigt am Boden eine bedeutungsvolle Kür. Bild: Reto Oeschger

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Gelungener Auftakt für Giulia Steingruber an der Kunstturn-WM in Kanada: Die Ostschweizerin zeigte sich bei ihrem Comeback auf internationaler Stufe nach einer über einjährigen Wettkampfpause bereits wieder in bester Verfassung und sicherte sich problemlos einen Platz im Sprung- und Mehrkampffinal. Vor allem an ihrem Lieblingsgerät Sprung hat sie schon wieder Medaillenform.

Nicht wunschgemäss geglückt ist der 23-jährigen St. Gallerin dagegen der Boden – sie verpasste den Final. Entsprechend zeigte sie sich nicht restlos zufrieden. Zumal sie sich an diesem Gerät schon aus emotionalen Gründen von ihrer besten Seite hätte zeigen wollen. Erstmals präsentierte sie im Olymiastadion von Montreal ihre neue Kür einem internationalen Publikum.

«Ich turne auch für Désirée»

Die Choreografie ist eher schwermütig im Vergleich zu früheren, wirkt nachdenklicher, doch das hat einen guten Grund: Sie ist Steingrubers Hommage an ihre ältere Schwester Désirée, die im vergangenen Februar 26-jährig verstorben ist.

«Wir hatten eine sehr spezielle Beziehung, und ich möchte dies so auf der Bodenfläche rüberbringen», erklärte sie nach dem Wettkampf die berührende Geste. Désirée war schwerbehindert zur Welt gekommen und verbrachte die letzten acht Jahre ihres Lebens in einem Pflegeheim. Weitere Geschwister hat Steingruber nicht.

Bekenntnis am Fussgelenk: Den japanischen Schriftzug «Familie, Liebe, Energie» liess sich Giulia Steingruber 2014 tätowieren. Bild: Keystone

Den Tod ihrer Schwester hatte Steingruber bestätigt, aber bei darauffolgenden Medienterminen stets darum gebeten, ihn nicht zum Thema zu machen. Früher sprach sie gelegentlich über Désirée. Der «Schweizer Familie» sagte sie einmal: «Sie ist sicher ein Antrieb für mich. Ich kann tun und lassen, was ich will. Sie leider nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, ich steige auch ein Stück weit für Désirée in meine Wettkämpfe.»

Und gegenüber «24 Heures» befand sie: «Ich denke, sie gibt mir die Energie für zwei.» Oder dem «Blick»: «Vielleicht bin ich deshalb so stark, weil ich die Kraft meiner Schwester noch dazu bekommen habe.» In Montreal erklärte sie nun: Die neue Choreografie ihrer Boden-Übung solle das Wechselspiel zwischen Freude und Leid ausdrücken.

Video: Giulia Steingruber und ihre Reha

Das war im April: Die Schweizer Kunstturnerin zeigte, wo ihr Weg zurück langgeht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.10.2017, 06:45 Uhr

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