Kauft sich Russland mit 100 Millionen frei?

Mit Dollars gegen den Olympiabann – das IOK soll einen Handel mit Russland eingehen, berichten Medien. Kritiker sind alarmiert.

Eine Hand wäscht die andere (rein): Thomas Bach (links) und Wladimir Putin.

Eine Hand wäscht die andere (rein): Thomas Bach (links) und Wladimir Putin. Bild: Keystone

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Noch steckt die Nachricht im Gerüchtestadium. Allerdings passt dieses Gerücht ziemlich perfekt in die Gesamtlandschaft des pharmaverseuchten Olympiasports. Es lautet: Das Internationale Olympische Komitee (IOK) strebe einen Deal mit Russlands nationalem Olympiakomitee an, um endlich die Bildfläche für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang zu bereinigen. Eine «erhebliche Strafzahlung für endemisches Doping» solle Putins Athleten das kollektive Startrecht in Südkorea sichern. Kolportiert wird eine Dimension um 100 Millionen Dollar. Dies berichteten zuerst englische Medien.

Nur sechs Monate sind es noch bis zu den nächsten Spielen; gewiss will man da das mässig verkaufsfördernde Betrugsthema rund um russisches Staatsdoping und die versauten Sotschi-Spiele 2014 allmählich ausblenden. Was wäre dazu geeigneter als ein olympischer Ablasshandel?

Thomas Bach, ein Freund Putins

Das IOK bezeichnet dies gegenüber Nachrichtenagenturen als «reine Spekulation». Ein klares Nein klingt allerdings anders. Tatsache ist: Das IOK, präsidiert von Thomas Bach, einem Freund Wladimir Putins, bewegt sich seit Beginn der Affäre an Russlands Seite. Obschon vor einem Jahr der McLaren-Report erdrückende Beweise für russisches Staatsdoping lieferte, scheute das IOK den Entscheid, das Land für die Olympischen Spiele in Rio zu disqualifizieren. Stattdessen übertrug es ihn den einzelnen Verbänden, von denen am Ende die meisten die russischen Sportler starten liessen.

Nun stehen die nächsten Spiele an, und wie immer der Entscheid des IOK diesmal ausschauen wird: Härte und Glaubwürdigkeit werde er nicht besitzen, befürchten Kritiker. Zur Einordnung: Die verseuchten Winterspiele vor dreieinhalb Jahren in Sotschi hatten Russland 51 Milliarden Dollar gekostet. Die kolportierte Busse in der Höhe von 100 Millionen entspricht weniger als 0,2 Prozent.

Für Athletensprecherin Beckie Scott ist eine Busse zu wenig. Video: Twitter

Dass die Kritiker von den Gerüchten aufgeschreckt wurden, versteht sich von selbst. Die Kanadierin Beckie Scott, Präsidentin des Athletenrats der Welt-Antidoping-Agentur (Wada), stellte gegenüber der BBC unmissverständlich klar: «Eine Busse ist nicht genug. Ein Land, das flächendeckend Doping einsetzte und betrog, soll nicht das Recht haben, an Olympischen Spielen teilzunehmen.»

Die frühere Spitzen-Langläuferin Scott, 2002 Olympiasiegerin über 10 km, hält es für unangemessen, sich mit Geld freizukaufen. Besser wäre es, «substanzielle Massnahmen zu ergreifen», damit sich die Geschichte nicht wiederhole. (kis/wie)

Erstellt: 11.08.2017, 12:37 Uhr

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