Nigeria schickt erstmals ein Bobteam an die Olympischen Spiele

Die Konkurrenz im Zweierbob bekommt in Pyeongchang ungewohnten Zuwachs. Drei ehemalige Sprinterinnen aus Westafrika wollen hoch hinaus.

Das erste afrikanische Bobteam bei Olympia. Bild: Twitter / @Seun_MsAmazing

Das erste afrikanische Bobteam bei Olympia. Bild: Twitter / @Seun_MsAmazing

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Die Geschichte wäre reif für einen Hollywood-Kassenschlager. Wenn es sie nicht schon gäbe. Denn bei den neuesten Qualifikanten für die Olympischen Spiele im Bob werden unweigerlich Erinnerungen an die legendäre Bobcrew «Cool Runnings» aus Jamaika wach, die in Calgary 1988 für Aufsehen sorgte. Dennoch: Einige feine Unterschiede zu den Jamaikanern gibt es. Die Teilnehmer sind Teilnehmerinnen, starten im Zweier- statt im Viererbob und stammen aus Nigeria.

Seun Adigun, Ngozi Onwumere und Akouma Omeoga heissen die drei Frauen, die ihrem Heimatland die Premiere an Olympischen Winterspielen ermöglichen. Sie haben in dieser Woche ihre fünf Qualifikationsläufe erfolgreich absolviert und werden in Pyeongchang, Südkorea, an den Start gehen.

Ehemalige Sprinterinnen

Doch wie kommen drei Frauen aus Westafrika dazu, sich für Winterspiele im fernen Osten zu qualifizieren? Der Reihe nach: Steuerfrau Adigun und ihre Bremserinnen Onwumere und Omeoga kommen wie das Team aus Jamaika und viele andere Bobsportler aus der Leichtathletik. Und zumindest eine von ihnen durfte ihr Land schon einmal auf der ganz grossen Bühne repräsentieren: Seun Adigun startete bei den Olympischen Spielen 2012 in London über 100 m Hürden, schied aber im Vorlauf als 4. aus.

Als sie erkannte, dass es nicht mehr für den Sprung an die absolute Weltspitze reichen würde, spezialisierte sie sich 2014 auf das Bobfahren. Zwei Jahre später stiess mit Onwumere, Gold- und Silbermedaillengewinnerin an den Afrika-Spielen 2015, ihre erste Bremserin zum Team. Kurz darauf folgte Omeoga, die als zweite Bremserin fungiert.

Damit war es aber noch nicht getan, denn den drei Frauen fehlte in erster Linie vor allem eines, um sich einen Startplatz in Südkorea zu sichern: Geld. Das Zauberwort, wie so oft bei schwer realisierbaren Projekten: Crowdfunding. Über die Seite «gofundme.com» sammelten sie Geld, viel Geld, 75’000 US-Dollar in einem Jahr um genau zu sein, und wurden dabei einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Aufnahme ins «Team Visa»

Und da trat die Visa auf den Plan. Genau, die mit den Kreditkarten. «Als wir das erste Mal von ihrer Geschichte gehört hatten, erkannten wir, dass die Einstellung des Teams eine perfekte Ergänzung für «Team Visa» ist», sagt Chris Curtin, Marketing-Chef von Visa. «Team Visa» unterstützt seit 2000 verschiedene Athleten, indem es ihnen Ressourcen und Material zur Verfügung stellt. Mit der Aufnahme ins Team gesellt sich das nigerianische Bobteam zu einer illustren Gruppe an Sportlern: Die Amerikanerinnen Mikaela Shiffrin (Ski alpin), Chloe Kim (Snowboard) oder Hilary Knight (Eishockey) gehören dazu, aber auch der polnische Skispringer Kamil Stoch.

Mit «Team Visa» im Rücken bereiten sich Adigun und ihre Kolleginnen nun auf die Winterspiele in Pyeongchang vor. Und da haben sie ein Ziel: «Wir wollen das beste afrikanische Team der Winterolympia-Geschichte werden», sagt Adigun. Dazu müssen sie einige Exoten überholen, die in den letzten Jahren jeweils ein gern gesehenes Highlight an Olympischen Winterspielen waren: Zum Beispiel den Kenianer Philip Boit, den Langläufer, der 1998 in Nagano an den Start ging. Oder den als «Schneeleoparden» bekannten ghanaischen Skifahrer Kwane Nkrumah-Acheapmong, der 2010 in Vancouver als erster Athlet seines Landes an Olympischen Winterspielen teilnahm.

Weitere exotische Teilnehmer von vergangenen Winterspielen sind:

(mro)

Erstellt: 17.11.2017, 17:12 Uhr

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