29’000 Tweets mit 1500 Artikel-Links in 33 Sprachen

Die angegriffene Medizinproduktebranche gibt Gegensteuer zu den Implant Files und wehrt sich unter anderem auf Twitter.

Bild: ICIJ

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In den sozialen Medien erreichen die Recherchen zu den sogenannten Implant Files ein breites, diverses Publikum. Und die kritisierte Branche wehrt sich gegen die Berichterstattung. Das zeigt eine Analyse aller aktuell zum Thema veröffentlichten Tweets.

Seit Sonntagabend publizieren 36 Medienpartner, darunter das Recherchedesk und das Datenteam der Redaktion Tamedia, Artikel zu fehlerhaften Medizinprodukten. Koordiniert werden die Recherchen vom International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ). Im Visier: die Zunahme der fehlerhaften Medizinprodukte. Bandscheibenprothesen zum Beispiel, die sich im Körper von Patienten auflösen; oder Herzschrittmacher, die aussteigen und nicht mehr herausoperiert werden können.

Die Analyse von Social-Media-Inhalten zeigt: In den ersten 36 Stunden wurden 29’000 Tweets und Retweets mit dem Hashtag #ImplantFiles publiziert, verfasst in 33 unterschiedlichen Sprachen. Sie verbreiteten rund 1500 Links auf Videos, Artikel oder Grafiken. Die Hälfte der Inhalte ist entweder auf Englisch oder auf Spanisch.

Die andere Hälfte ist äusserst vielfältig. So sind zum Beispiel Inhalte auf Tagalog zu finden. Eine Sprache, die auf den Philippinen gesprochen wird; oder Inhalte auf Kannada, die Muttersprache einer Minderheit im Südwesten Indiens. Sogar ein Tweet auf Walisisch ist zu finden.

Nicht nur die Sprachpalette ist breit. Das gilt auch für die platzierten Meinungen. So schaltet sich zunehmend auch die kritisierte Medizinproduktebranche in die Diskussionen auf Twitter ein und gibt zur Berichterstattung Gegensteuer.

Das aktivste Twitter-Konto der Industrie gehört derzeit dem deutschen Bundesverband Medizintechnologie. «Hier twittert Kommunikationsleiter Manfred Beeres», steht im Profil des Kontos . Beeres veröffentlicht Hinweise wie: «Schön, dass Herr Heiner Brand in der ARD-Dokumentation eine positive Geschichte über seinen Gelenkersatz erzählen kann. Hüftimplantate ermöglichen Patienten wieder Mobilität und weitgehende Schmerzfreiheit.» Beinahe stündlich wiederholt Beeres, dass die Branche bereits gut reguliert sei. Und ab 2020 mit neuen EU-Regelungen weiter verschärft würde. Negative Vorkommnisse seien immer dramatische Ereignisse, aber Einzelfälle.

Der indische Verband ist weniger defensiv

Demgegenüber stehen die Ergebnisse der Datenanalyse der ICIJ. Das Journalisten-Konsortium hat 500'000 Dokumente der US-Lebensmittel- und Arzneibehörde FDA mithilfe von Computer-Code analysiert. Das Ergebnis der Analyse: In den letzten zehn Jahren kann der Tod von mindestens 82’000 Patienten mit fehlerhaften Medizinprodukten in Verbindung gebracht werden; und mit 1,7 Millionen Verletzungen. Auf diese Zahlen ist das Twitterkonto von Beeres noch nicht eingegangen.

Nicht alle Konten der Medizinprodukteverbände verhalten sich so defensiv und lehnen die Kritik ab. Die indische Association of Indian Medical Devices Industry (AiMed) unter dem Twitterkonto zum Beispiel. Dieses Konto ist seit Sonntagabend damit beschäftigt, kritische Rechercheergebnisse unkommentiert weiterzuverbreiten.

Zum Beispiel einen Artikel der indischen Zeitung «Indian Express» dazu, dass die indischen Behörden Implantate der US-Firma Abbott durchgewinkt hätten. Dies, obwohl klinische Tests in den USA vor den Abbott-Implantaten gewarnt hätten. Oder dass 290 der 556 Fehlermeldungen, die im laufenden Jahr bei den indischen Behörden eingegangen sind, dieselbe Firma Abbott betreffen. Im Gegensatz zum deutschen Medizinprodukteverband, der die europäische Regulierung als gut genug einschätzt, scheint der indische Verband die eigene Regierung unter Druck setzen zu wollen, die Regulierung zu verstärken.

Der fleissigste Twitterer kommt aus den USA

Doch die Inder sind die Ausnahme. Die grosse Mehrheit der Medizinprodukteverbände nutzt Twitter, um sich gegen die Berichterstattung zu wehren. Sie sind bei Social Media damit aber deutlich in der Minderheit. Das erkennt man an der Rangliste der zehn fleissigsten Twitter-Nutzer, die sich zu den Implant Files äussern. An erster Stelle steht jemand, der anonym unter dem Namen twittert. Der Nutzer, der sich, nach seinen Tweets zu schliessen, vermutlich in den USA aufhält, hat bereits 613 Tweets oder Retweets zum Thema abgesondert.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 27.11.2018, 19:02 Uhr

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