Alles andere als ein Lückenbüsser

Mit dem neuen Velar will Land Rover die Lücke zwischen Range Rover Evoque und Range Rover Sport schliessen. Das tut das Unternehmen mit Schönheit, inneren Werten und Bravour.

Auch im Gelände gibt sich der Range Rover Velar keine Blösse. Foto: Nick Dimbleby

Auch im Gelände gibt sich der Range Rover Velar keine Blösse. Foto: Nick Dimbleby

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Auch wenn es ein wenig euphorisch klingt: Der Velar ist ein Auto wie gemalt. Elegant im Stand und in Bewegung, handwerklich grossartig und aufregend proportioniert. Dieses Auto inszeniert sich selbst, mit markanter Matrix-LED-Signatur, dem Fugenbild eines Präzisionsinstruments, der Materialität eines Luxusautomobils und einer Liebe zum Detail, an die nicht einmal Audi herankommt. Auch dieser Range, der die Lücke zwischen Evoque und Sport füllen soll, liebt den unaufgeregten Bewegungsfluss. Er macht Tempo, ohne dass man es gross merkt – die Fahrt im Velar lässt sich mit einem entspannten Ausflug im Heissluftballon vergleichen.

Wie bei allen Range Rover verströmt das Interieur das Flair eines – neuerdings sehr trendigen – Clubzimmers. Das Cockpit ist eine stimmige Mischung aus iPad und Bauhaus. Von den vielen Schaltern, Knubbeln und Tasten haben nur drei mehrfach belegte Drehknöpfe überlebt. Das klingt in der Theorie zwar wunderbar intuitiv, doch die über die Displays verteilten Menüs und Darstel- lungen sind komplexer geworden. Und natürlich verschmieren auch diese Touchscreens so schnell wie der eines Smartphones.

Veganes Interieur auf Wunsch

Trotz der Coupéform – die Schräge kommt beim Velar von unten und nicht durch ein gesenktes Dach – bietet der Neuling ausreichend Platz im noblen Innenraum, für die keine Kuh ihre Haut und kein Baum sein Holz hergeben muss. Stattdessen wird auf Wunsch nachhaltig erzeugter Stoff verbaut und mit Blenden aus Metall oder Carbon unkonventionell in Szene gesetzt. Der Kofferraum fasst mindestens 673 Liter, der Tank schluckt maximal 66 Liter Sprit, der Dieselmotor bedient sich im 17 Liter grossen Adblue-Reservoir. Die Preise beginnen bei 63'500 Franken für den Velar mit 180-PS-Diesel und reichen, je nach Motor- und Ausstattungsvariante, bis 100'300 Franken. Für den sechsstelligen Betrag bekommt man den Velar R-Dynamic HSE P380 – also den Sechszylinderbenziner mit 380 PS. Wie gewohnt in der Schweiz wird der Grossteil der Käufer eines der Topmodelle bestellen. «Rund 50 Prozent haben sich bisher für den 300 PS starken V6-Diesel entschieden», bestätigt Mediensprecher Stefan Rufener.

Bei den Testfahrten in Norwegen sind wir den 300 PS starken Diesel und den besonders drehfreudigen V6-Benziner mit 380 PS gefahren. Das Trumpfass des leisen und laufruhigen Twinturbo-Selbstzünders ist das mächtige maximale Drehmoment von 700 Nm, das schon bei 1500 Umdrehungen pro Minute ansteht. Der Benziner verwendet nach Art des Hauses als Beatmungsmaschine einen in hohen Tönen leise singenden Roots-Kompressor. Der kommt zwar verzögerungsfrei zur Sache, doch er braucht mindestens 3500 Touren, um 450 Newtonmeter an die Kurbelwelle zu wuchten.

Unabhängig von der Motorisierung wird die Kraft über eine Achtgangautomatik auf alle vier Räder übertragen. Die bei den Topmodellen serienmässige höhenverstellbare Luftfederung kombiniert Komfort mit hoher Fahrsicherheit. Obwohl die gängigsten Extras in Ausstattungspaketen zusammengefasst sind, ist es kein Problem, allein in Superluxussitze – natürlich mit Massagefunktion – und extrabreite Räder 10'000 Franken und mehr zu investieren. Das wichtigste übergreifende Assistenzsystem ist und bleibt der Fahrer, denn autonom funktionieren im Velar nur die Temporegelung und die Offroad-Elektronik.

In Norwegen gilt Tempo 80. Bei den Testfahrten erwies sich der Velar bis zu dieser Geschwindigkeit als vorbildlich leiser Kokon, der auf einem luftgefederten Teppich so sanft dahingleitet, als hätte er nur ganz beiläufig Fahrbahnkontakt. Doch sobald man mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit in anspruchsvolle Kurvenkombinationen lenkt, demonstriert er sein fahrdynamisches Talent. Nicht nur Grip und Strassenlage beeindrucken, sondern auch das neutrale Handling und die sauber ausbalancierten Aufbaubewegungen.

Keine Angst vor dem Gelände

Das Dynamikprogramm verändert Fahrwerk, Motor, Lenkung und Getriebe spürbar. Ab sofort wird höher gedreht, später geschaltet und straffer gedämpft. Allerdings arbeitet die Lenkung dann deutlich schwergängiger, es gibt etwas weniger Luft zum Federn, und das Ansprechverhalten auf Gaspedalbefehle wirkt im kleinen Gang ein wenig hektisch. Und wie fährt sich der Schönling im Gelände? Während bei Audi, BMW und Porsche die Offroad-Kompetenz bei Neuentwicklungen nur mehr eine untergeordnete Rolle spielt, gibt sich auch dieser Range im Gelände keine Blösse. Um Rampenwinkel, Wattiefe und Bodenfreiheit ist es bestens bestellt, und auch die Fahrhilfen sind auf alle Eventualitäten vorbereitet. Das allerdings werden die meisten Fahrer gar nicht austesten – aus Angst um mögliche Schäden an Felgen, Reifen und Lack.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2017, 18:31 Uhr

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Range Rover VelarDer Schönling

Modell: SUV mit Allradantrieb und 5 Sitzen.

Masse: Länge 4803 mm. Breite 2032 mm. Höhe 1665 mm. Radstand 2874 mm.

Kofferraum: 673 bis 1731 Liter.

Motoren: Drei Diesel mit 180 (D 180) bis 300 PS und zwei Benziner mit 250 und 380 PS (P380).

Fahrleistungen P380: 0 auf Tempo 100 in 5,7 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.

Verbrauch D180: 5,4 Liter auf 100 Kilometer.

CO2-Ausstoss D180: 142 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: 17. August.

Preis: ab 63'500 (D180) bis 100'300 Franken (P380).

Infos: www.landrover.ch

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