Dank der Frauen in neuen Höhen

Die Schweizer Leichtathleten glänzten an ihren Meisterschaften in Zug. Sie brauchen sich vor dem Kräftemessen an der WM nicht zu fürchten.

Immer höher hinaus: Stabhochspringerin Nicole Büchler ist in den Top Ten dieses Jahres angekommen. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Immer höher hinaus: Stabhochspringerin Nicole Büchler ist in den Top Ten dieses Jahres angekommen. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

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Es waren zwei Freudentage für Schweizer Leichtathletikfans, diese nationalen Titelkämpfe in Zug. Rekorde fielen, durch Nicole Büchler im Stabsprung sowie Mujinga Kambundji über 200 m, und Weltklasseleistungen waren zu sehen. Dazu zählen die 4,71 m von Büchler, allen voran aber der Sturmlauf von Kariem Hussein. In persönlicher Bestzeit von 48,45 Sekunden lief er sich an die Saisonspitze Europas und bewies wie seine beiden Kolleginnen, dass die WM in zwei Wochen kommen darf.

Damit enden die erfreulichen Nachrichten aus dem Traditionssport nicht. Er hat sich in den vergangenen beiden Jahren hierzulande massiv entfalten können. 14 Einzelstarter und -starterinnen umfasst das WM-Kader bislang. Es könnte bis Mitte Woche noch zahlreicher werden, wenn der Weltverband die letzten Lücken in den Disziplinen auffüllt.

Selten war eine helvetische Delegation an Welttitelkämpfen grösser. Eine erfreuliche Breite nützt ohne poten­zielle Finalisten allerdings wenig. Sie erst garantieren dem eigenen Sport die wichtigen Positivschlagzeilen und damit den guten Ruf. Diese Equipe verfügt über solche Kandidaten: Hussein, Büchler, Selina Büchel (800 m), Noemi Zbären (100 m Hürden) oder die Frauenstaffel über 4 x 100 m weisen Finalchancen auf, ohne dafür einen Exploit zu benötigen.

Tiefpunkt vor zwei Jahren

Diese Aussichten sind für die jüngere Schweizer Leichtathletikgeschichte ungewohnt gut. Denn zwischen 2009 und 2013 schaffte es kein Schweizer und keine Schweizerin in einen Final. An der letzten WM in Moskau musste sich Swiss Athletics mit dem 13. Rang von Siebenkämpferin Ellen Sprunger als bestem Einzelresultat bescheiden. Ein Jahr vor der Heim-EM in Zürich sah es düster aus. Der TA bilanzierte nach diesen dürren Jahren deshalb: «Weltmeisterschaften sind eine zu grosse Bühne für Schweizer Athleten geworden.»

Nun darf man umdenken und sagen, dass das Gegenteil immer wahrschein­licher wird: Weltmeisterschaften werden für die besten Schweizer immer mehr zur passenden Bühne. Wobei man vom 22. bis zum 30. August in Peking nicht gleich Finalplätze en masse erwarten darf. Gelingt zwei Athleten der Vorstoss in die letzte Runde, hat diese Delegation überzeugt.

Sie kann auch darum mit breiter Brust anreisen, weil sämtliche WM-Starter Erfahrung mit internationalen Grossanlässen besitzen – und sei es wie die 19-jährige Siebenkampf-Europameisterin Caroline Agnou erst auf Nachwuchsstufe. Zudem beträgt das Durchschnittsalter des Teams erst 26,6 Jahre. Die Mehrheit wird ihrem Sport also auch in den nächsten Saisons erhalten bleiben, eine Schweiz in jugendlicher Frische wird in Peking zu erleben sein. Und eine weibliche.

Die Männer schwächeln

Denn mit Hussein und Marathonläufer Tadesse Abraham vermochten lediglich zwei Männer die Limite für das globale Kräftemessen zu unterbieten. Vor zwei Jahren war die Situation ähnlich bescheiden gewesen: Bloss Sprinter Alex Wilson repräsentierte sein Geschlecht in den Stadiondisziplinen. Dabei hatten sich die Männer von der WM-Premiere 1983 bis 2009 stets in der Mehrheit befunden, erst 2011 drehte das Verhältnis zugunsten der Frauen. Nun wird es – Stand heute – mit 12:2 fast schon erdrückend ausfallen.

Dass Frauen in den grossen (Team-)Sportarten wie Fussball oder Eishockey lange mehr geduldet als willkommen waren, könnte zu diesem Phänomen entscheidend beigetragen und der Leichtathletik geholfen haben. Zudem sind die aktuellen Vorbilder primär weiblich, was Mädchen anspornt, diesen Sport zu betreiben.

Aus diesem Grund ist Kariem Hus­sein zurzeit zentral für die hiesige Leichtathletik. Er zeigt Buben, dass man sich als Schweizer in diesem superkompetitiven Weltsport sehr wohl behaupten kann, wie seine Spitzenzeit am Samstag an den Titelkämpfen belegt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.08.2015, 21:38 Uhr

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