«Der Mörder hat unsere Leute getötet»

Donald Trump propagiert ein fremdenfeindliches Video. Es erinnert an den umstrittenen TV-Spot eines alten Präsidentschaftswahlkampfs.

Brutale politische Werbung: Das von Donald Trump auf Twitter geteilte Video. Video: Twitter/Donald J. Trump

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Der TV-Spot gilt als ein Klassiker politischen Jiu Jitsus, ein noch heute erschreckender Schlag unter die Gürtellinie. Als Gouverneur von Massachusetts habe der demokratische Präsidentschaftskandidat Michael Dukakis dem afroamerikanischen Mörder Willie Horton einen Wochenendurlaub vom Gefängnis erlaubt. Daraufhin habe Horton ein junges Paar entführt, die Frau mehrfach vergewaltigt und ihren Partner erstochen. «Wochenendurlaub, Dukakis und Verbrechen», intonierte ein unsichtbarer Sprecher, indes das Gesicht Willie Hortons über amerikanische Bildschirme flimmerte.

Die brutale politische Werbung, 1988 ausgeheckt von Lee Atwater, dem aggressiven Wahlkampfmanager des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Herbert Walker Bush, trug zur Niederlage von Dukakis bei. Der ältere Bush hielt sich die Nase zu, der Spot wurde rundherum als rassistisch kritisiert.

Jetzt ist ähnliches im Gange: Am Mittwoch twitterte Donald Trump ein Video, diesmal ist der Bösewicht ein illegal eingewanderter und mehrfach deportierter Latino names Luis Bracamontes. Weil er zwei Polizisten in Kalifornien ermordet hatte, wurde Bracamontes 2014 zum Tode verurteilt. Das Video zeigt ihn, wie er damit prahlt, «fucking Cops» getötet zu haben. «Ich werde noch mehr Polizisten töten», sagt Bracamontes.

Der Angriff gegen Dukakis von 1988. Video: Youtube.

Die Demokraten hätten ihn ins Land gelassen

Der Mörder habe «unsere Leute» getötet, die Demokraten «ihn in unser Land gelassen», lautet der Begleittext. Das Video ist Teil von Trumps Versuch, in den verbleibenden Tagen vor den Kongresswahlen am kommenden Dienstag die republikanische Basis durch Angstmache anzustacheln.

Dazu scheint dem Präsidenten jedes Mittel recht zu sein: Er dämonisiert den Elendszug tausender zentralamerikanischer Migranten durch Mexiko hin zum Rio Grande, er beorderte eigens deshalb tausende US-Truppen an die US-Südgrenze, er rief ohne gesetzliche Grundlage einen «nationalen Notstand» wegen der Migranten-Karawane aus – und er erschwerte am Donnerstag den Zugang zum Asyl.

Das fremdenfeindliche Video gehört zu dieser Strategie, im Gegensatz zum älteren Bush aber schämt sich Trump nicht im mindesten über seine Stimmungsmache. Mit dem Video habe der Wahlkampf «einen neuen Tiefpunkt erreicht», konstatierte erschrocken der republikanische Senator und Trump-Kritiker Jeff Flake (Arizona). Sein Kollege Bob Corker (Tennessee) erklärte, das Video diene allein dem Zweck, Trumps Basis «auf Touren zu bringen». Flake wie Corker stehen nicht mehr zur Wiederwahl an, sie wagen zu sagen, was andere Republikaner lediglich denken.

Die Furcht vor der Zuwanderung

Und Donald Trump? Er hofft, die Dämonisierung von Migranten werde seine Partei vor dem möglichen Verlust ihrer Mehrheit im Washingtoner Repräsentantenhaus bewahren. Dass Einwanderer, legale wie illegale, eine niedrigere Kriminalitätsrate verzeichnen als alteingesessene Amerikaner, tut nichts zur Sache: Wie schon bei der Präsidentschaftswahl 2016 setzt Trump auf die Furcht vieler Wähler vor Zuwanderung und einer demografischen Zukunft, in der weisse Amerikaner keine Mehrheit mehr bilden.

Video: Trump: Kann bis zu 15'000 Soldaten schicken

Der US-Präsident hat seinen Ton gegen Tausende mittelamerikanische Migranten auf dem Weg in die USA verschärft. (Video: Reuters)

Luis Bracamontes ist mithin der Willie-Horton-Aufguss des Jahres 2018. Die Story jenes Werbespots aber nahm ein unerwartetes Ende: Nachdem Lee Atwater mit einem unheilbarem Gehirntumor diagnostiziert worden war, zeigte er Reue. «Als ich Michael Dukakis 1988 bekämpfte, versprach ich, ‘die Rinde von dem kleinen Bastard zu schälen’ und Willie Horton zu seinem ‘Vizepräsidentschaftskandidaten’ zu machen, wofür ich mich entschuldige», sagte Atwater in einem Interview und fügte hinzu, er sei «kein Rassist».

Kurz vor seinem Tod schrieb er einen Brief an Dukakis und bat um Vergebung. Sie wurde ihm gewährt. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 02.11.2018, 08:53 Uhr

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