Der Nachteil, Russe zu sein

Er war Südkoreaner, jetzt ist er Russe. Der Nationenwechsel kostet Viktor Ahn die Teilnahme an Olympia.

Darf nicht an die Olympischen Spiele: Eisschnellläufer Viktor Ahn in Sotschi. (AP Photo/David J. Phillip, File)

Darf nicht an die Olympischen Spiele: Eisschnellläufer Viktor Ahn in Sotschi. (AP Photo/David J. Phillip, File)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er hiess Hyun-soo Ahn. Er heisst nun Viktor Ahn. Er war Südkoreaner, er ist nun Russe. Er gewann sechs olympische Goldmedaillen. Er gewinnt keine mehr dazu.

Dieser Ahn, man ahnt es, hat ein Problem. Es hat mit seinem Namens- und Nationenwechsel zu tun. Der russische Südkoreaner darf an den in fünf Tagen beginnenden Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang nicht in der Eisschnelllaufdisziplin Shorttrack antreten. Das Internationale Olympische Komitee (IOK) hat ihn ausgeschlossen, weil er wie viele andere russische Athleten in Sachen Doping nicht nachweislich sauber ist. Zwar wurde Ahn nicht wegen unerlaubter Mittel überführt, doch offenbar gibt es Hinweise, dass seine Proben im Rahmen des russischen Staatsdopings manipuliert wurden.

Ahn schrieb nun einen offenen Brief ans IOK und nannte darin den Entscheid «ungeheuerlich.» Es habe schliesslich in seiner Karriere nie Grund gegeben, an seiner Integrität zu zweifeln.

Nationenwechsel aus Erschütterung über Vaterland

Mit dem Startverbot verliert Ahn die Möglichkeit, es allen noch einmal zu zeigen, vor allem aber seinen Landsleuten, die irgendwie schuld an allem sind. 2008 verletzte sich der dreifache Goldgewinner von Turin 2006 schwer am Knie, der südkoreanische Verband verlor den Glauben an Ahn und selektionierte ihn nicht für die Spiele in Vancouver 2010.

Er war darüber derart erschüttert, dass er die Nation wechselte. Der 16-malige Weltmeister verhandelte erst mit den Amerikanern, entschied sich dann aber, Russe zu werden. Einen Bezug hatte er zu keinem der beiden Länder. Hyun-soo wurde zum Viktor, weil Viktor «Siegen» bedeutet und mit dem Sänger Viktor Zoi ein berühmter Russe koreanische Wurzeln hatte.

Der Russe Ahn holte später bei seinen Heimspielen in Sotschi 2014 noch einmal drei Goldmedaillen und bekam von Putin den «Verdienstorden für das Vaterland».

«Die Medaillen zeigen, ich habe alles richtig gemacht.»Viktor Ahn

Nun folgen in seinem wahren Vaterland erneut Heimspiele – doch er muss zuschauen. Das schmerzt den 32-Jährigen. Er hätte mit drei weiteren Goldmedaillen zum erfolgreichsten Olympioniken werden können. Er wäre gefeiert worden, denn die Südkoreaner vergöttern ihn trotz Nationenwechsel, Shorttrack ist ihr Lieblingssport und Ahn eine Legende. Fragt man in diesen Tagen in Pyeongchang, wo das Eishockeystadion sei, zucken alle Koreaner mit den Schultern: keine Ahnung. Fragt man sie aber, wo sich die Halle des Shorttracks befinde, können sie beinahe auf den Meter genau Auskunft geben. Die beiden Stadien liegen 50 Meter voneinander entfernt.

Nach den drei Olympiasiegen in Sotschi sagte Ahn über den Nationenwechsel: «Die Medaillen zeigen, ich habe alles richtig gemacht.» Vier Jahre später lautet das Fazit etwas anders: Das Startverbot zeigt, Ahn hat vieles falsch gemacht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.02.2018, 18:44 Uhr

Artikel zum Thema

Die olympische Muppetshow

Einst simple Glücksbringer, heute millionenschwere Marketinginstrumente – eine Betrachtung der 25 Olympia-Maskottchen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...