Frisch fokussiert

Mit der vierten Auflage des Focus will Ford ab September in der Golfklasse wieder ganz vorne mitfahren – und zwar sowohl technisch als auch bei den Absatzzahlen.

Der neue Ford Focus hat abgespeckt und wirkt darum schnittiger als sein Vorgänger. Foto: Ford

Der neue Ford Focus hat abgespeckt und wirkt darum schnittiger als sein Vorgänger. Foto: Ford

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Zuletzt war es ein Rennen ohne Chance. Denn so gut der Ford Focus auch fahren mochte, hatte er bei Ausstattung, Ambiente und Assistenzsystemen längst den Anschluss an den VW Golf verloren. Doch jetzt schöpfen die Kölner neue Hoffnung und stellen ihr wichtigstes ­Modell wieder richtig scharf: Wenn im September die vierte Auflage ihres Kompakten an den Start geht, soll er verlorenen Boden gutmachen und deshalb den Abstand zu Golf & Co. nicht nur bei den Zulassungszahlen – 2017 verkaufte VW in der Schweiz 9500 Golf, Ford dagegen nur 2031 Focus , sondern vor allem bei der Technologie deutlich verkürzen.

An Selbstvertrauen mangelt es der Marke dabei jedenfalls nicht: «Mit dem neuen Focus setzen wir uns in Sachen Technologie und Fahrerlebnis an die Spitze des Segments», behauptete der europäische Entwicklungschef Joe Bakaj bei der Enthüllung am Dienstag. Dafür hat er auch am ganz grossen Rad gedreht: Plattform, Motoren, Design, Interieur und Assistenzsysteme – alles ­haben die Kölner von Grund auf neu ­entwickelt, sagt Bakaj: «Die Chance, auf einem weissen Blatt Papier zu beginnen, bietet sich nicht oft. Wir haben die Gelegenheit mit beiden Händen ergriffen und das beste Auto auf die Räder gestellt, das es in der kompakten Mittelklasse derzeit gibt.»

Hotspot auf Rädern

Dabei herausgekommen ist ein Golf-Gegner, der nicht nur aussen wie innen erfreulich frisch aussieht, sondern der technisch tatsächlich einen grossen Sprung macht. Das gilt insbesondere für die Assistenzsysteme, von denen der neue Focus mehr mitbringt als jeder ­andere europäische Ford vor ihm. Das beginnt bei der überfälligen Premiere eines Head-up-Display, führt über adaptive LED-Scheinwerfer mit Kamerasteuerung sowie eine Parkautomatik und gipfelt in einem ­Abstandsregeltempomaten, der auch bei der Spurführung unterstützt und bei einer automatischen ­Notbremsung beim Ausweichen hilft.

Der Focus gewinnt an Schärfe. Nur in einem Punkt geben sich die Kölner bescheiden: beim Preis.

Aber auch beim Infotainment legt Ford kräftig nach: Touchscreen und Sprachsteuerung machen die meisten Knöpfe im Cockpit überflüssig und ­erlauben so eine erfreulich ruhige und entspannte Bedienlandschaft. Eine induktive Ladeschale für das Smartphone räumt mit dem Kabelsalat auf. Und das Ford-Pass-Connect-Modem macht den Focus schliesslich zum Hotspot auf Rädern. Damit wird das Auto mit umfangreicher Assistenz und zeitgemässer Connectivity zu einem zunehmend digitalen Erlebnis, bei dem das Fahren in den Hintergrund tritt.

Gesenkter Verbrauch

Doch so ganz lassen sich die Ingenieure die Schau noch nicht von den Programmierern stehlen. Sie kontern mit einem nagelneuen Fahrwerk, mit einer serienmässigen Fahrprofilregelung und dem ersten adaptiven Set-up mit elektronisch gesteuerten Dämpfern für die Baureihe. Und vor allem bringen sie eine komplette Familie neuer oder gründlich überarbeiteter Motoren. Bei den Benzinern setzen sie dabei ausschliesslich auf ihren hochgelobten und vielfach ausgezeichneten Dreizylinder-Turbo, der im Teillastbetrieb künftig nur noch auf zwei Flammen kocht. Ihn gibt es als ­1,0-Liter mit 85, 100 oder 125 PS und als ­1,5-Liter mit 150 und 182 PS. Und während von Hybrid- oder Elektroantrieb weiter keine Rede ist, schieben die Kölner noch einmal einen neuen Vierzylinder-Diesel nach. Auch diesen Motor gibt es in zwei Hubräumen und drei Leistungsstufen mit 1,5 Litern und 95 oder ­125 PS und als ­2,0-Liter mit 150 PS.

Weil der Focus zudem trotz seines ­dezenten Wachstums um bis zu zwei Zentner abspeckt und deutlich schnittiger durch den Wind kommt, stellt Ford einen Verbrauchsvorteil bis zu 10 Prozent in Aussicht. Und mit den neuen Motoren allein ist es nicht ­getan – es gibt erstmals auch eine neue Automatik mit acht Gängen, die an die Stelle des bisherigen Doppelkupplungsgetriebes rückt.

Der Fünftürer und der Station Wagon (Kombi) haben beide fünf Zentimeter Radstand und ein paar Millimeter Länge und Breite dazugewonnen, womit sie etwas mehr Platz für Kind und Kegel bieten und die Konkurrenz vor allem bei der Kniefreiheit in der zweiten Reihe schlagen wollen. Genau wie beim Fiesta gibt es neu zusätzlich einen Active, der mit etwas mehr Bodenfreiheit und ein paar Planken aus Kunststoff die Nähe zum SUV sucht. Ausserdem legt Ford wieder eine sportliche ST-Linie auf und adelt den Kompakten mit reichlich Lack und Leder zum Vignale.

Ein erfrischend neues Design, bei Ausstattung und Ambiente wieder näher am Klassenprimus aus Wolfsburg und Motoren, die sparsam und spassig sein sollen – so gewinnt der Focus tatsächlich wieder an Schärfe und nimmt die Konkurrenz neu ins Visier. Nur in einem Punkt geben sich die Kölner bescheiden: beim Preis. Zumindest in Deutschland startet der Neuling etwas günstiger als das aktuelle Modell. Schweizer Preise stehen noch nicht fest.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.04.2018, 18:18 Uhr

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