«Für mich bleibt der Wimbledon-Sieg das Nonplusultra»

Roger Federer kehrt auf die ATP-Tour zurück. Was seine nächsten Ziele sind.

Hohe Ziele: Roger Federer wird auch 2019 noch auf Titeljagd gehen.

Hohe Ziele: Roger Federer wird auch 2019 noch auf Titeljagd gehen. Bild: Mark Cristino/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Manchmal kommen Angriffe völlig unerwartet. Eine ältere Dame von einem Lokalblatt will im idyllischen Stuttgarter Tennisclub Weissenhof von Roger ­Federer wissen, weshalb er noch spiele. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, doch die Frau fragt: «Was treibt Sie an: noch ein Rekord, noch mehr Eitelkeiten auf dem Platz?»

Andere Superstars würden dies als Majestätsbeleidigung empfinden, der Baselbieter zieht kurz erstaunt die Augenbrauen hoch, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Die Freude am Spiel sei das Wichtigste, antwortet er freundlich, gibt dann zu, dass er das Gefühl des Gewinnens geniesst und gewisse Rekorde für ihn ihren Reiz haben. In ihrer Gesamtheit lässt die Aussage den Schluss zu: Federer wird auch 2019 noch auf Titeljagd gehen.

Das ist für seine Fangemeinde und den Tennissport eine überaus positive Nachricht. Denn Federer macht aus jedem Turnier ein Ereignis, das ist in Stuttgart nicht anders. Schon am Sonntag spazierten viele auf den Killesberg, um dem ersten Training des Gewinners von 20 Grand-Slam-­Titeln beizuwohnen. «Wir freuen uns, den Roger am Mercedes-Cup zu begrüssen. Es sind nicht mehr viele Turniere auf dieser Erde, welche diese Ehre haben», sagt Turnierdirektor Edwin Weindorfer stolz.

Ausgeruht, austrainiert, gesund

In der Tat: Der letzte Match Federers liegt über zehn Wochen zurück. Wie schon im Vorjahr liess er die Sandplatzsaison aus. Er nutzte die wettkampffreie Zeit für eine Reise nach Sambia, wo seine Stiftung sehr aktiv ist, für Ferien und einen Aufbaublock unter der Leitung von Fitnesscoach Pierre Paganini. Im letzten Monat bereitete er sich in Dubai und in der Schweiz mit ­diversen Sparringspartnern auf seine Einsätze auf Rasen vor. 2017 hatte er relativ kurzfristig beschlossen, auf Sand nicht anzutreten, diesmal wollte er früh Klarheit.

Obwohl er einräumt, es sei merkwürdig, bei guter Gesundheit an einem Grand-Slam-Turnier nicht teilzunehmen, bereut er seinen Entscheid nicht. «Die Ferien waren wunderbar. Ich konnte gut trainieren, erlebte keine Rückschläge», bilanziert er zufrieden.

Federer gegen Nadal: Das Duell der ewigen Rivalen in Bildern

Als ein Journalist wissen will, ob es nicht ein erstrebenswertes Ziel wäre, Rafael Nadal noch einmal auf Sand zu schlagen, stellt der 36-Jährige klar, wie er die Prioritäten setzt: «Für mich bleibt der Wimbledon-Sieg das Nonplusultra auf der Tour. Bei mir geht es um viel mehr als um Direktbegegnungen mit Rafa; es geht um die Gesundheit, darum, die Freude am Tennis beizubehalten, und ich habe auch noch vier Kinder. In den letzten Jahren haben mir die Pausen gut­getan. Das ist mir wichtiger als eine eventuelle French-Open-Schlacht mit Rafa.» Der Roland-Garros-Verzicht fällt ihm bestimmt leichter, weil er weiss, dass sein Rivale in Paris quasi unschlagbar ist.

Er habe wegen seiner Anreise und des Trainings vom French-Open-Final fast nichts gesehen, «doch das muss ich auch nicht, um zu wissen, wie stark er ist». In der Folge spricht er in den höchsten Tönen vom Spanier. Nadals elf Titel in Paris bezeichnet er als «unglaublich. Da bleiben nur Superlative übrig. Da können wir uns alle nur verneigen.»

Start gegen Mischa Zverev

Im Rasentennis sind die Su­perlative gewöhnlich für ihn selber reserviert. Doch in Stuttgart verlor er 2016 im Halbfinal gegen Dominic Thiem und 2017 gleich im ersten Match, gegen Tommy Haas. Eine Finalteilnahme wäre für den achtmaligen Wimbledon-Champion gleichbedeutend mit der Rückeroberung der Weltranglistenspitze. «Die Nummer 1 bedeutet Extramotivation, allerdings nicht am Anfang des Turniers. Ich war mehrere Monate weg von der Tour und muss daher kleinere Brötchen backen», so ­Federer.

Er bestätigte, dass der Vertrag mit Kleider- und Schuhausrüster Nike im März ausgelaufen ist und Verhandlungen über eine Nachfolgelösung laufen. Alles weitere seien Gerüchte.

Klar ist seit gestern immerhin, von wem morgen auf dem Platz die Angriffe kommen – von Mischa Zverev (ATP 54).


Video – Diese Sportler verdienen am meisten
Roger Federer gehört zu den Spitzenverdienern, gegen einen Superstar ist er aber chancenlos. (Video: Tamedia)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2018, 06:16 Uhr

Artikel zum Thema

«Roger hat eine Verantwortung gegenüber dem Sport»

Mats Wilander kritisiert Roger Federer für sein abermaliges Fernbleiben in Paris. So schade er dem Tennis. Mehr...

Kommentare

Blogs

Geldblog Was wollen eigentlich die Chinesen von uns?
Mamablog Bloss locker bleiben!
Michèle & Friends Wenn Spiegel überflüssig werden

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...