Gerät der Präsidentensohn in Muellers Visier?

Donald Trump Jr. erwartet offenbar eine Anklage von Russland-Sonderermittler Mueller. Dessen Untersuchung nähert sich dem Ende.

Soll Freunden gesagt haben, er erwarte eine Anklage von Robert Mueller: Donald Trump Jr. (Reuters/Joshua Roberts)

Soll Freunden gesagt haben, er erwarte eine Anklage von Robert Mueller: Donald Trump Jr. (Reuters/Joshua Roberts)

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Der seit längerem erwartete Abgang von US-Justizminister Jeff Sessions könnte die Weichen für Russland-Sonderermittler Robert Mueller neu stellen. Der Präsident drängte Sessions am Mittwoch aus dem Amt, weil sich der Justizminister wegen eigener Verstrickungen vorschriftsgemäss aus den Russland-Ermittlungen ausgeklinkt hatte, anstatt Donald Trump zu schützen und Muellers Untersuchung zu begrenzen.

Der jetzt amtierende Justizminister Mark Whitaker, bislang Sessions’ Stabschef, ist nicht nur ein Trump-Loyalist, der für das Weisse Haus ein Auge auf die Vorgänge im Justizministerium hielt. Whitaker steht Muellers Ermittlungen überdies kritisch gegenüber und bezeichnete sie wie der Präsident als eine «Hexenjagd».

Trump attackierte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz den Sonderermittler einmal mehr und erklärte, die Russland-Ermittlungen seien «eine Schande und hätten niemals aufgenommen werden sollen, weil es kein Verbrechen gab». Sessions hatte die Aufsicht über die Ermittlungen an seinen Stellvertreter Rod Rosenstein übergeben, nun wird Mueller von Whitaker beaufsichtigt – was in Washington umgehend Befürchtungen auslöste, der amtierende Justizminister werde Muellers Untersuchung behindern.

Der Sonderermittler hielt während des Wahlkampfs still, ohne indes untätig gewesen zu sein: Eine Reihe wichtiger Zeugen wurde in den vergangenen Monaten einvernommen, darunter Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen sowie Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort, die beide mit Mueller kooperieren. Schon deshalb wäre niemand in der amerikanischen Hauptstadt überrascht, wenn neue Anklagen erhoben würden. Bislang hat Mueller 32 Personen angeklagt, 26 davon sind russische Staatsbürger.


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Das Webportal «Politico» berichtete am Donnerstag, Trumps Sohn Donald Jr. habe Freunden anvertraut, «dass er angeklagt werden könnte». Donald Jr. hatte unter Eid behauptet, seinem Vater nichts von dem Treffen mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja im Juni 2016 im New Yorker Trump Tower gesagt zu haben. In Washington wird nicht ausgeschlossen, dass Mueller Beweise für einen Meineid des Trump-Sohns besitzt und Kandidat Trump von seinem Sohn über das Treffen mit Weselnizkaja informiert wurde.

Verbindungen zu Wikileaks

Offenbar arbeiten Muellers Ermittler auch an der Aufklärung möglicher Kontakte des Trump-Vertrauten Roger Stone mit Wikileaks. Stone hatte während des Wahlkampfs 2016 behauptet, mit Wikileaks wegen der gehackten Mails führender Demokraten in Verbindung gewesen zu sein, dies aber später dementiert.

Während Mueller derzeit auf die Beantwortung schriftlich eingereichter Fragen durch den Präsidenten wartet und eine persönliche Einvernahme des Präsidenten noch immer offen ist, verdichteten sich in den vergangenen Tagen Hinweise, dass der Sonderermittler an seinem Abschlussbericht arbeitet. Der Report wird dem Justizministerium zugeleitet, das wiederum entscheidet, ob und unter welchen Umständen der Bericht dem Kongress zugänglich gemacht und veröffentlicht wird.

Es wäre vorstellbar, dass der amtierende Justizminister Whitaker den Report unter Verschluss halten wird. Dies könnte jedoch die im Januar in das Repräsentantenhaus einrückende demokratische Mehrheit bewegen, ihrerseits in diversen Ausschüssen Ermittlungen über mögliche Kontakte Trumps und seines Stabs zu Russland aufzunehmen.

Unterdessen forderten Demonstranten in Dutzenden von US-Städten unter dem Motto «Niemand steht über dem Gesetz» am Donnerstagabend den ungehinderten Fortgang der Mueller-Untersuchung. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 09.11.2018, 10:00 Uhr

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