Lautloser Luxus zu Land und zu Wasser

Land Rover geht mit seinem Premium-SUV an die Steckdose: Als Plug-in-Hybrid kommt der frisch geliftete Range Rover rein elektrisch 51 Kilometer weit – problemlos auch im Gelände.

Auch als Plug-in-Hybrid schafft der neue Range Rover PHEV eine Wattiefe von bis zu 90 Zentimetern problemlos. Foto: PD

Auch als Plug-in-Hybrid schafft der neue Range Rover PHEV eine Wattiefe von bis zu 90 Zentimetern problemlos. Foto: PD

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Ab sofort gehts mit dem neusten Range Rover nicht nur luxuriös, sondern auch lautlos ins Gelände. Und ins (hüfthohe) Wasser. Denn mit dem 2018er-Modell bringt die britische Traditionsmarke Land Rover, die 1970 mit dem Range ­Rover Classic das Segment edler Geländewagen à la BMW X5, Mercedes GLE, Audi Q7 oder Porsche Cayenne begründet hat, eine Plug-in-Hybrid-Version ihres Luxus-Allradlers auf den Markt.

Beim Range Rover PHEV, der in der Schweiz allerdings erst im kommenden Herbst zu Preisen ab 144'200 Franken zu haben sein wird, spannen ein 300 PS starker Vierzylinder-Benziner und ein Elektromotor mit 85 kW (116 PS) zusammen. Was den Neuling mit einer Systemleistung von 404 PS und einem Verbrauch von (theoretisch) 2,8 Liter auf 100 Kilometer laut Entwickler Lynfel Owen jetzt auch bezüglich Effizienz «auf das höchstmögliche Level» hebt.

Vom Muss zum Genuss

Dieser Schritt in Richtung Elektrifizierung war für Land Rover schlicht ein Muss. Weil die meisten ihrer robusten ­Geländegänger gross und entsprechend schwer sind – der Range Rover PHEV beispielsweise wiegt über 2,5 Tonnen –, ordern die Kunden solche Fahrzeuge vorzugsweise mit entsprechend potenten Motoren, mitunter bis zum V8. Deshalb liegt der Flottenverbrauch von Land Rover auch weit über den CO2-Vorgaben der EU. Bleibt es weiterhin so, drohen den Briten Strafzahlungen.

Was den Hersteller zum Handeln gezwungen hat, dieses «Muss», wird im Fall des elektrifizierten Range Rover für den Kunden zum Genuss. Dass jetzt auch der Edel-SUV lautlos anspringt, ist an sich noch keine Überraschung. Aber wie sich der Zweieinhalbtonner danach fortbewegt, gelassen Tempo aufnimmt, das schon. Es ist, als würde es das Auto auf Samtpfoten tun und nicht auf 21-Zoll-Rädern. Dazu kommt diese majestätische Ruhe im nobel ausgestatteten Innenraum. Und so wähnt man sich gleich bei der ersten, von Land Rover anberaumten Probefahrt, die von Blenheim Palace in der Grafschaft Oxfordshire in die unendlich scheinende Weite des einstigen Landsitzes von John Churchill, dem 1. Duke von Marlborough, führt, eher wie in einem Rolls-Royce als in einem Range Rover.

Und es hält weiter an, dieses neue, edle Range-Rover-Feeling. Selbst dann, wenn man von der Strasse ins Gelände wechselt und darauf vertraut, dass auch die Plug-in-Hybrid-Version die Offroad-Fähigkeit seines Hauses voll ausspielt. Tut sie auch.

Chefingenieur gefordert

Allerdings muss Chefingenieur Owen zugeben, dass es für ihn «eine besondere Herausforderung» war, das genau so hinzukriegen. Der Grund: «Weil ein Elektromotor mit der ersten Bewegung des Gaspedals immer die volle Kraft zur Verfügung stellt, kann genau das im Gelände zum Problem werden.» Im Klartext: Was auf der Strasse beim rasanten Beschleunigen von Vorteil ist (den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft der elektrifizierte Range Rover in 6,4 Sekunden), wandelt sich zum Nachteil, wenn es ­darum geht, das Auto zentimeterweise gefühlvoll über Stock und Stein zu bewegen. Genau das hat Lynfel Owen erreicht. Um dem PHEV auch im Hybrid-Modus den permanenten Allradantrieb subtil zu erhalten, platzierte er den Elektromotor direkt am Automatikgetriebe. So ist sichergestellt, dass stets beide Achsen von den zusätzlichen 250 Newtonmetern Drehmoment profitieren.

Keine Unterschiede gibt es hingegen bei Böschungs- und Rampenwinkel, auch die maximale Wattiefe liegt un­verändert bei 90 Zentimetern, obwohl die Ladebuchse gleich hinter dem Kühlergrill angebracht ist. Apropos Laden: Maximal 51 Kilometer soll der Plug-in-Hybrid laut Werk rein elektrisch fahren können, danach geht es für knapp drei Stunden an die Wallbox. An einer herkömmlichen Steckdose dauerte der Ladevorgang mehr als doppelt so lang.

Neues Cockpit aus dem Velar

Technisch gesehen, ist der Schritt der Briten, kurz nach dem (kleineren) Range Rover Sport auch mit dem Luxus-SUV an die Steckdose zu gehen, ein grosser. Weit weniger ins Gewicht fällt das Facelift, das sie der Topversion in der Mitte ihres Modellzyklus gönnen: Es beschränkt sich auf die leicht geschärfte Optik und das renovierte, hochmoderne Cockpit aus dem Range Rover Velar.


Peter Hegetschweiler fuhr den Range Rover Plug-in-Hybrid auf Einladung von Jaguar Land Rover Schweiz am 27./28. März in England. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.04.2018, 18:41 Uhr

Range Rover PHEV

Lautlose Effizienz

Modell: Luxus-SUV mit Plug-in-Hybrid-Antrieb
Masse: Länge 5000 mm, Breite 1980 mm, Höhe 1848 mm, Radstand 2920 mm
Kofferraum: 802 bis 1843 Liter
Antrieb: 2,0 Liter Vierzylinder-Benziner mit 300 PS und Elektromotor mit 85 kW (Systemleistung 404 PS)
Fahrleistung: 0 bis 100 km/h in 6,4 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Verbrauch: 2,8 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe)
CO2-Ausstoss: 64 Gramm pro Kilometer
Markteinführung: Herbst
Preis: ab 140'200 Franken
Infos: www.landrover.ch

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