«Minus 20 Grad – das klingt wie ein ganz normaler Wintertag»

Eisige Kälte herrscht. Zeit für ein Gespräch mit jemandem, der sich auskennt: Rune Stokke züchtet am Polarkreis Rentiere. Er weiss, wie man sich warm hält.

«Ihre Fragen sind lustig – ich denke gar nicht mehr richtig über die Kälte nach»: Rune Stokke, Rentierzüchter aus Jokkmokk. (Foto: Stokke/Süddeutsche Zeitung)

«Ihre Fragen sind lustig – ich denke gar nicht mehr richtig über die Kälte nach»: Rune Stokke, Rentierzüchter aus Jokkmokk. (Foto: Stokke/Süddeutsche Zeitung)

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Heute erwartet uns ein weiterer Eistag mit Temperaturen unter Null Grad. Wie hält man sich am besten warm? Wir haben jemanden gefragt, der sich mit Kälte auskennt: Rune Stokke, Rentierzüchter und Vorsteher der Sami-Gemeinde Udtja in der schwedischen Kommune Jokkmokk, gleich in der Nähe des Polarkreises. Die Sami sind ein indigenes Volk, das seit Tausenden Jahren im kalten Nordskandinavien lebt. Etwa 50 Menschen gehören Stokkes Gemeinde an. Sie kümmern sich um etwa 2800 Rentiere, die dort in den Wäldern leben.

Herr Stokke, die Kälte hat uns im Griff. In der Schweiz und Deutschland sinken die Temperaturen teilweise auf minus 20 Grad und mehr. Ganz schön kalt, oder?
Na ja, das hört sich für mich wie ein ganz normaler Wintertag an. Aber bei Ihnen ist möglicherweise die Luftfeuchtigkeit etwas höher – und bläst auch ein bisschen der Wind? Dann kann es einem natürlich etwas kälter vorkommen.

Vielleicht sind die Menschen hier auch nicht so an diese Temperaturen gewöhnt.
Ja, das mag sein.

Was ist Ihr bester Tipp gegen die Kälte?
Das ist ganz einfach: Wenn es richtig kalt ist, dann bleibt man am besten drinnen. So wie ich. Ich bleibe heute auch zu Hause.

Wie kalt ist es denn gerade in Lappland?
Hier hat es gerade minus 35 Grad. Da macht es keinen Spass, im Freien zu sein. Es ist dann auch schwer, das Schneemobil in Gang zu bekommen. Aber wenn es sein muss – wenn zum Beispiel die Rentiere gerade von einer Weide auf die andere ziehen – dann geht es natürlich. Man könnte schon arbeiten bei solchen Temperaturen.

Und wie schützt man sich hierzulande vor der Kälte? Wir haben jene gefragt, die auch bei eisigen Temperaturen draussen arbeiten. (Video: Mirjam Ramseier)

Sie haben heute Autos, Schneemobile, Kunstfaser-Kleidung. Aber früher mussten die Rentierzüchter ohne das alles auskommen. Wie haben die das gemacht?
Früher war es sicher hart, härter als heute. Da mussten die Leute manchmal draussen in einer Kote übernachten (eine Art Zelt, Anm. d. Red.) – heute fahre ich einfach mit dem Auto von den Rentieren wieder nach Hause. Aber manchmal glaube ich, dass die ganze Technik auch ihre Schattenseiten hat. Wir verlieren viel von dem Wissen, das unsere Vorfahren über das Leben in der Natur hatten. Dass man sich richtig anzieht, auf die Umweltverhältnisse achtet, Gefahren richtig einschätzt. Solche Dinge. Natürlich ist es gut, dass wir heute die Technik haben. Aber man verlässt sich eben auch darauf – dass einen der Schneescooter immer heil nach Hause bringt, dass man mit dem Mobiltelefon Hilfe rufen kann.

Bei Kälte versagen Mobiltelefone ja schnell.
Stimmt. Wenn Sie bei minus 30 Grad telefonieren wollen, dann ist oft schon nach einer Minute der Saft weg.

Kennen Sie einen Trick, um das zu verhindern?
Man kann eigentlich nur das Telefon ganz dicht am Körper unter einer dicken Jacke tragen. Dann wird es warm und dann geht es wenigstens ein bisschen – also so, dass es für einen Notruf reicht. Die schlimmsten Unfälle mit Touristen passieren hier, wenn die Leute rausfahren ins Gelände und dann der Schneescooter kaputt geht und sie sich bei niemandem melden können. Das war's dann meistens. Wie man bei Kälte eine Nacht im Freien übersteht, das weiss heute kaum noch einer.

Wissen Sie es?
Also man sollte wenigstens wissen, wie man ein Feuer macht und auch die entsprechenden Werkzeuge dabei haben. Das ist bei solchen Notfällen eigentlich das Wichtigste: dass man ein Feuer anzünden kann. Ausserdem ist die richtige Kleidung entscheidend: Mehrere Schichten warmer Sachen, Mütze, Handschuhe und so weiter.

Welches ist das wichtigste Kleidungsstück?
Ganz ohne Frage die Schuhe! Wenn die Füsse einmal kalt werden, dann ist die Sache gelaufen. Ich trage immer extra grosse Schuhe, in die auch dicke Wollsocken passen. Handschuhe und Mütze sind auch wichtig. Wenn Hände, Füsse oder Kopf kalt werden, dann ist ruckzuck der ganze Körper ausgekühlt.

Wenn Sie nach einem Tag in der Kälte heimkehren, wie wärmen Sie sich wieder auf?
Also, da habe ich keine speziellen Tipps. Ich ziehe mir halt trockene Kleidung an und versuche, mich warm zu halten. Wenn es ganz besonders kalt ist, dann hilft auch eine heisse Dusche. Ihre Fragen sind lustig – wir haben uns hier so an die Kälte gewöhnt, ich denke da eigentlich gar nicht mehr so richtig darüber nach.

Also dann: vielen Dank für die Tipps!
Gern geschehen. Und vergessen Sie nicht den wichtigsten Tipp: Wenn es draussen zu kalt ist, dann bleibt man am besten drinnen. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 07.01.2017, 09:47 Uhr

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