Niedlich und nachhaltig

Wie sich die Ingenieure von Active City Mobility das Innenstadt-Taxi der Zukunft vorstellen.

3,30 Meter lang und luftig: Der Prototyp des City E-Taxi. Foto: PD

3,30 Meter lang und luftig: Der Prototyp des City E-Taxi. Foto: PD

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Zwei Tonnen Gewicht, aber oft nicht mehr als zwei Personen an Bord. «Das ist völlig widersinnig», sagt Paul Leibold. Wenn es nach ihm ginge, dann stünden an Taxiständen künftig keine schweren Limousinen mehr. Sondern Taxis aus Carbon, 550 Kilogramm leicht, nur 3,30 Meter kurz. Sie böten Platz für den Fahrer, zwei Passagiere und ein paar Gepäckstücke. «Mehr braucht ein Taxi nicht.» Und weil es so leicht wäre, würde es von einem relativ kleinen Elektromotor angetrieben. Wenn dessen Strom aus regenerativen Quellen stammt, wäre das Taxi emissionsfrei unterwegs.

Zusammen mit Siemens, Wissenschaftlern der Universität Aachen sowie der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Kleinserienhersteller Roding versucht Leibold, seine Vision im Projekt Active City Mobility ACM umzusetzen. City E-Taxi heisst nun sein Prototyp. Obwohl der Wagen nur 3,30 Meter lang ist, bietet er im Inneren erstaunlich viel Platz. Der Fahrer sitzt in der Mitte, sodass die beiden Passagiere im Fond ihre Beine an ihm vorbei ausstrecken können. An den Seiten dominieren grosse Türen aus Plexiglas, was das Gefährt ziemlich luftig und licht wirken lässt. Crash-beständig sei ihr Mini-Taxi trotz der ultraleichten Bauweise, versichert Leibold; das hätten erste Simulationen gezeigt.

Designer Peter Naumann redet lieber über Form und Funktion. Er spricht vom «Mobilitätstool», das er entwickelt habe. Wichtig sei ihm eine «funktionale Gestaltung» gewesen, sagt er. «Nicht jedes Auto muss aussehen wie ein Ferrari.» Auf lange Sicht, glauben Leibold und Naumann, werde sich ihr Konzept durchsetzen. Der E-Antrieb sei wirtschaftlicher als Diesel- oder Benzinmotoren und viele Städte würden über kurz oder lang nicht darum herumkommen, Teile ihrer Innenstädte für Verbrenner zu sperren. Nicht nur Taxifirmen, auch Paketlieferanten oder Altenpflegedienste würden dann gezwungen, neue Konzepte auszuprobieren.

Deshalb wollen Leibold und Naumann auch einen Lieferwagen oder ein Auto mit Pritsche bauen. Eine Euro-Palette habe locker Platz, sagt Naumann. Zudem tüftele man an einer Software, um die Autos optimal auszulasten. So könnte das Auto tagsüber als Carsharing-Auto angeboten, am Abend von einem Pizzaservice genutzt und in der Nacht im Taxiverkehr eingesetzt werden. Damit das Auto rund um die Uhr rollen kann, entwickelt das Konsortium Akku-Wechselstationen. Kritiker aber sagen: E Autos werden in Zukunft induktiv geladen – also über Schleifen am Boden, verbaut beispielsweise am Taxistand. Die Entwickler könnten sich den Aufwand für die Akku-Wechselstationen sparen.

Leibold und Naumann wollen ihr Mini-Taxi dagegen möglichst bald auf die Strasse bringen. An der Uni Aachen sollen in den kommenden Monaten etwa ein knappes Dutzend ACM-Autos produziert werden. Kommt das Auto an? Akzeptieren es die Kunden? Läuft die Technik? Und funktioniert das Geschäftsmodell, das sich die Entwickler ausgedacht haben? Diese Fragen soll ein Probebetrieb beantworten. Acht Fahrzeuge sollen von Anfang 2018 an in München zu Testzwecken unterwegs sein. Ursprünglich war der Probelauf für 2015 avisiert, dann war von Sommer 2017 die Rede. Leibold spricht von «normalen Verzögerungen bei so einem Projekt».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.03.2017, 16:05 Uhr

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