Oft ist es Liebe

Im ZFF-Wettbewerb der Spielfilme mag man am liebsten Story und Nuance.

Alles andere als Shakespeare: Florence Pugh in «Lady Macbeth». Foto: PD

Alles andere als Shakespeare: Florence Pugh in «Lady Macbeth». Foto: PD

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Manche ertragen im Kino die Gewalt nicht gut, andere nicht die Schnulzen. Aber bei «Liebe & Co.» sollte für alle etwas dabei sein. Unter diesem Etikett sind auf der Website des Zurich Film Festival 44 Filme aufgeführt: Um Liebe gehts nicht selten, auch im internationalen Spielfilmwettbewerb mit seinen 14 Titeln. Man darf also fragen, inwiefern sich dieser Wettbewerb – eine Bezeichnung, die am ZFF immer leicht übertrieben klingt – überhaupt absetzt vom Rest des Programms, der ebenfalls zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Vorpremieren aus dem Herbstkalender besteht.

Mit «Aquarius» und «Welcome to Norway» etwa sind zwei der kommenden Starts des Zürcher Filmcoopi-Verleihs im Rennen um das Goldene Auge für den besten Spielfilm: Wenn dieser Wettbewerb, wie das Festival gern betont, dem jungen Nachwuchs gelten soll, dann ist er weiterhin eher gut bestückt mit Entdeckungen, die andere schon gemacht haben. Wobei: Was ist heute schon unentdeckt? Zudem muss das ZFF keine Weltpremieren zeigen: eine Freiheit, die vielleicht auch zu gross ist, als dass man sie immer nutzen könnte. Auswählen muss man ja trotzdem, Zusagen braucht man auch, und wenn man am Ende eine Liste hat, dann hat man auch eine Linie oder ­projiziert zumindest eine hinein.

Tatsächlich haben die Verantwortlichen des Spielfilmwettbewerbs keinen einfachen Job in einer Zeit, in der unzählige Festivals um Filme streiten. Sie haben aber ihren eigenen Blick, und wenn man von einem Profil im «Internationalen Spielfilm» reden will, scheint es das konzentrierte Erzählkino zu sein, weniger der konzeptionelle Zugang zu Stoffen oder die avancierteren Formen.

Die Befreiung einer Braut

Fiktionen dürfen abdriften in Fantasien, solange man sie erkennt als Ausbrüche der Erzählung. Ein Kino von Narration und Nuance wird da programmiert – nicht weit weg von einem an TV-Serien geschulten Geschmack, aber abgezirkelt genug, um nicht in die Beliebigkeitsfalle zu tappen. Auffällige Unterschiede zum Programm der Studiokinos sind nicht festzustellen, man teilt sich eher den Hang zu Arthouse-Konventionen, wenn hinter feiner Milieubeschreibung simple Rezepte aufscheinen. Zum Beispiel in «Miséricorde» des Tessiners Fulvio Bernasconi, eine in den Vergebungskitsch getriebene Rachegeschichte um ein paar ethnisch wertvolle Indigene in Kanada. «Tamara y la catarina» war ein anderer Fall, genau porträtiert die Mexikanerin Lucía Carreras in ihrem Drama die Emanzipation einer geistig Behinderten, die auf einem Stadtspaziergang gedankenverloren ein Kind mitnimmt. Aber auch das mündete in eine versöhnlerische Hoffnung. Und man hegte bald den Verdacht, dass so eine «anders Begabte» die Hürden des Daseins im Prinzip mit liebenswerter Putzigkeit meistern kann, solange ihr eine ältere Dame hilft.

Ein Kino, das so zeitgemäss die Welt in Geschichten fasst, misst man irgendwann nur noch an Story und Figuren – so wie die meisten Jungregisseure heute der seltsamen Idee anhängen, Filme sollen vor allem «Geschichten erzählen». Dass es gerade so gut um die Intensität von Momenten gehen könnte, zeigte «Lady Macbeth» des Briten William Oldroyd: kein verfilmter Shakespeare, sondern die Adaption einer Novelle des Russen Nikolai Leskow, übertragen ins viktorianische England. Eine Braut in zugeschnürter Ehe holt darin aus zum Befreiungsschlag. Karg, präzis und exzellent gespielt – eine Erzählung von der Struktur einer Seele. Und mehr als eine Story.

«Lady Macbeth», 29. 9., 18.15 Uhr, Arena 4 und 2. 10., 20.15 Uhr, Corso 2. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.09.2016, 17:58 Uhr

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