Schwache Motoren, überforderte Privatpiloten

Am Sonntag ist im Wallis ein Kleinflugzeug abgestürzt – drei Personen starben. Es war der vierte Unfall in einem Monat. Experten mutmassen, woran das liegen könnte.

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Die Sportfliegerei ist nicht ungefährlich: Im letzten Jahr hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) 30 Unfälle mit Kleinflugzeugen verzeichnet. Dabei gab es sieben Tote. In den Jahren zuvor waren es noch 51 und 44 Unfälle gewesen. Im letzten Monat haben sich vier Unfälle mit Kleinflugzeugen ereignet, trotzdem würden sich die Zahlen für 2017 im statistischen Rahmen bewegen, sagt eine Sprecherin. Laut Bazl ist die Mehrzahl der Unfälle auf Kontrollverluste und Motorenprobleme sowie Überrollen der Start- oder Landebahn zurückzuführen.

Am 19. Juli stürzte ein Kleinflugzeug in Pfäffikon ZH ab. Der 35-jährige Fluglehrer sowie der 40-jährige Flugschüler wurden dabei schwer verletzt. Glimpflich verlief der Unfall beim Landeanflug eines einmotorigen Kleinflugzeugs am 31. Juli auf einer Wiese in Maur ZH. Der Pilot und seine Passagierin, die ehemalige Zürcher SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer, blieben unverletzt.

Drei Personen verloren ihr Leben beim Absturz eines Kleinflugzeugs am 4. August im Gebiet Diavolezza GR. Der Flug fand im Rahmen des jährlichen Pro-Aero-Jugendlagers in S-chanf statt. Neben dem Piloten starben zwei 14-jährige Knaben, ein 17-jähriges Mädchen wurde schwer verletzt. Der jüngste Unfall ereignete sich am Sonntag im Kanton Wallis. Ein Leichtflugzeug startete vom Flugplatz Sitten mit dem Ziel Flugplatz Biel-Kappelen. Kurze Zeit später stürzte das Kleinflugzeug oberhalb Savièse in der Region des Sanetschpasses ab. Alle drei Insassen starben.

Motoren schwach und Pilot alleinverantwortlich

Laut Olav Brunner, langjähriger Linien- und Militärpilot, sind mehrere Faktoren verantwortlich für die doch recht hohe Zahl von Unfällen mit Kleinflugzeugen. So seien die Flugzeuge mit einem Motor sehr schwach, und der Pilot sei für alles allein verantwortlich. Das Fliegen in den Alpen sei sehr anspruchsvoll bezüglich Wetter- und Windbedingungen.

Linienpiloten würden jährlich zweimal im Flugsimulator auf extreme Situationen geprüft und müssten üben, wie man sich in gefährlichen Situationen verhält. Privatflieger dagegen müssten im Jahr lediglich 12 obligatorische Flugstunden absolvieren. Privatflieger würden aber meistens nur bei schönem Wetter und auf Sicht fliegen.

Landung am gefährlichsten

In einem früheren TA-Bericht warnen die Unfallexperten vor einem immer wieder festgestellten psychologischen Phänomen: Ein an sich nebensächliches Problem kann den Kleinflugzeugpiloten so sehr ablenken, dass er alles andere vergisst. Die weitaus gefährlichste Flugphase ist für die Kleinflugzeuge die Landung.

Zu den generellen Risiken der Kleinflugzeugluftfahrt würden im Gebirge besondere Faktoren dazukommen. Wind und Wetter seien rund um die Berge besonders launisch. Der Flugzeugmotor verhalte sich im Gebirge anders als im Flachland. Die Routenwahl sei viel schwieriger. Zudem sind Notlandungen in den Bergen besonders schwierig, auch die Navigation kann ein Problem sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2017, 14:22 Uhr

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Unfälle mit Kleinflugzeugen

Unfälle mit Kleinflugzeugen Im letzten Jahr gab es in der Schweiz 30 Unfälle mit Kleinflugzeugen.

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