Nun rasten Trumps treuste Anhänger aus

Mit dem Militäreinsatz gegen Syrien hat der US-Präsident eine Revolte seiner kriegsmüden Basis losgetreten.

Trump-Fan Alex Jones rastet wegen Trumps Militärschlag völlig aus: «Wir brachten so viele Opfer und jetzt scheisst er auf uns. Das macht mich krank.» (Video: Infowars/Tamedia)

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Es ist eine neue Erfahrung für den amerikanischen Präsidenten. Mit dem Militärschlag gegen Syrien stellt Donald Trump viele Leute zufrieden. Aussenpolitische Falken und Befürworter von humanitären Interventionen. Die meisten Republikaner und Demokraten. Die grossen Leitmedien.

Etwas unter ging bisher aber, dass es auch eine Gruppe gibt, die vehement über solche Einsätze schimpft: Trumps Anhänger von rechts bis ganz rechts. Wer sich in den vergangenen Tagen durch die rechte Medienwelt bewegte, konnte sich ein Bild von der Stimmung machen. Sie ist düster.

Gleiche Politik wie Jeb Bush oder Rubio

Da war zum Beispiel Tucker Carlson bei Trumps Lieblingssender Fox News. In seiner Sendung zog der Moderator mit dem braven Seitenscheitel fast täglich über die Kriegsvorbereitungen der US-Regierung her. «All die Genies sagen uns jetzt, dass Assad diese Kinder getötet habe, aber wissen sie das wirklich? Natürlich nicht. Sie erfinden es bloss», sagte er. Es wäre ein Fehler, gegen Assad vorzugehen oder sein Regime gar zu stürzen: «Dann erleben wir den Genozid an einer der letzten christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten.»

Video: Militäreinsatz gegen Syrien

In der Nacht auf Samstag haben die USA, Frankreich und Grossbritannien einzelne Militärschläge ausgeführt. (Video: AFP/Storyful/Tamedia)

So wie Carlson klangen auf Fox News diese Woche viele. Beide Argumente - die angebliche Unschuld Assads und das Schicksal der syrischen Christen - finden sich in Tausenden von Leserkommentaren bei rechten Nachrichtenplattformen. Und auch andere erzkonservative Kommentatoren warnen vor einer Revolte der Basis nach dem Militärschlag: Die Amerikaner hätten Trump nicht zum Präsidenten gewählt, damit er die gleiche Politik betreibe wie Jeb Bush oder Marco Rubio.

Trump hat seine Versprechen gebrochen

Selbst wenn man ausblendet, wie schrill diese Stimmen oft klingen, bleibt die Feststellung: Die rechten Kommentatoren weisen auf einen tatsächlichen Widerspruch hin. Trump kam mit dem Versprechen nach Washington, keine militärischen Interventionen mehr zu befehlen. Nun hat er genau das getan.

In seiner Sendung Infowars rastete Verschwörungstheoretiker und Trump-Fan Alex Jones deswegen komplett aus. Mit weinerlicher Miene sagte er in seiner Sendung: «Er machte seine Sache bisher so gut und das macht es umso schlimmer. Wenn er von Anfang an ein Stück Scheisse gewesen wäre, wäre es nicht so schlimm. Aber wir brachten so viele Opfer und jetzt scheisst er auf uns. Das macht mich krank.»

Und auch Trumps Versprechen, das Establishment zu verjagen und den «Sumpf trockenzulegen», wird nach den jüngsten Wechseln nicht mehr eingelöst. Denn nun ist das Establishment in der Aussenpolitik zurückgekehrt. Vergleicht man Trumps ursprüngliche aussenpolitische Mannschaft mit seiner neuen, erkennt man rasch: Die Isolationisten sind gegangen. Die Falken sind gekommen.

«Die guten alten Tage sind wieder da»

Mit dem neuen Aussenminister Mike Pompeo steht nun das, was manche in Washington Trumps «Kriegskabinett» nennen. Darin sitzt schon John Bolton, der neue Nationale Sicherheitsberater. Und bereits zeichnet sich ab, dass weitere aussenpolitische Spitzenjobs mit Leuten besetzt werden könnten, die ähnliche Positionen vertreten. Drei Berater haben den Nationalen Sicherheitsrat diese Woche verlassen. Angeblich plant Bolton, sie mit früheren Weggefährten zu ersetzen. «Die guten alten Tage sind wieder da», sagte ein Vertrauter Boltons, «wir sind zurück.»

Wie Trumps Basis all dies aufnimmt, wird eine der Fragen sein, die für seine Wiederwahl entscheidend werden könnten. Trumps Ablehnung von Auslandeinsätzen war eine der wenigen Positionen, in denen seine Botschaft konsistent war. Gemäss einer Studie hatte dies konkrete Folgen: Je grösser die Kriegsmüdigkeit in einem Wahlbezirk war, desto mehr Stimmen gab es dort für den neuen Präsidenten Trump. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.04.2018, 07:51 Uhr

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