VW peppt seinen Kleinsten zum GTI auf

Die Wolfsburger trimmen ihren Kleinwagen Up auf Sportlichkeit. Damit kommt man flott voran. Das typische Golf-Feeling bietet der Winzling allerdings nicht in allen Belangen.

In Hafen von Nizza fühlt sich der Up GTI wohl. Lange Geraden und die Autobahn sind allerdings weniger sein Terrain. Foto: PD

In Hafen von Nizza fühlt sich der Up GTI wohl. Lange Geraden und die Autobahn sind allerdings weniger sein Terrain. Foto: PD

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VW Lupo? Ja, den hat es mal gegeben. Das ist allerdings schon eine Weile her. 1998 haben die Wolfsburger ihren ersten Klein(st)wagen auf die Räder gestellt, sieben Jahre später die Produktion aber wieder gestoppt. Der Grund: Die Kosten waren zu hoch, die Nachfrage zu klein.

Doch die Idee vom Cityflitzer war damit keineswegs vom Tisch – im Gegenteil. Auf dem Rückflug von der Detroit Motorshow im Januar 2007, so lautet die Legende, drehte sich die Diskussion der damaligen Führungsriege um VW-Über­vater Ferdinand Piëch und Konzernchef Martin Winterkorn vor allem um ein Thema: den Trend hin zu immer kleineren Autos – auch in den USA. Nach intensivem Gedankenaustausch sollen die Chefdesigner Walter de Silva und Klaus Bischoff noch im Flieger spontan zu ihren Skizzenblöcken gegriffen und mit einigen wenigen Strichen den (heutigen) Up zu Papier gebracht haben.

Ganz so schnell, wie der Wurf über den Wolken offenbar gelang, war die Umsetzung auf dem harten Boden der Realität dann allerdings nicht. Jahrelang, heisst es, sei um jeden Cent bei den Kosten und um jeden Millimeter bei der Form gerungen worden. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Seit der Lancierung im Spätsommer 2011 wurde der Up 670'000-mal verkauft und damit auch wirtschaftlich auf Erfolgskurs geführt. Denn anders als einst der Lupo wird VWs Kleinster nicht in Deutschland, sondern kostengünstiger in der Slowakei produziert. Und obendrein gleichzeitig mit dem Citigo von Skoda und dem Mii von Seat, den Zwillingen des Up. Strategisch gesehen ein cleverer Schachzug.

Verbrauch und CO2 am Limit

Jetzt allerdings weicht Wolfsburg vom bisherigen Unisex-Kurs ab, peppt den Up auf und bringt ihn im März als GTI auf den Markt. GTI (für Gran Turismo Injection) – das weckt natürlich hohe Erwartungen. Der Über-Golf, längst eine Legende, leistet in seiner aktuellen Performanceversion 245 PS, der kleinere Polo bringt es seit kurzem auf 200 PS. Und der nochmals kleinere Up? Nein, ganz so weit geht VW mit seinem Winzling dann doch nicht. Bei der Motorisierung bleibt es beim 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbo, dessen Leistung immerhin von 90 auf 115 PS angehoben wurde. Das ermöglicht dem nur 1070 Kilogramm schweren Stadtflitzer eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,8 Sekunden, auch der Topspeed von 196 km/h darf sich ­sehen lassen. Dass es sich VW verkniffen hat, hier die 200-km/h-Marke zu knacken, dürfte primär mit den Verbrauchs- und Abgaswerten zusammenhängen: Ein Durchschnittsverbrauch von 5,7 Litern und ein CO2-Ausstoss von 127 Gramm pro Kilometer liegen bei einem Klein­wagen an der oberen Grenze.

Trotz «nur» 115 PS fährt sich der Up als GTI aber fast so, wie er mit seinem um 1,5 Zentimeter tiefer gelegten Fahrwerk, 17-Zoll-Rädern und Heckdiffusor samt ­allen weiteren GTI-Insignien – innen wie aussen – auch ausschaut: flott. Wer das Sechsgangschaltgetriebe gerne in Bewegung hält und mit der direkten Lenkung gut zurechtkommt, der kann auf kurviger Strecke durchaus das erhoffte GTI- Feeling erfahren. Lange Geraden und vor allem die Autobahn sind weniger das Terrain des Up. Aber das war ja auch nie das Ziel seiner Erfinder.

Für weniger als 20'000 Franken

Primär soll das auf Minimalmasse reduzierte Auto – 3,6 Meter in der Länge, 1,6 Meter in der Breite – auch als GTI ein Praktiker bleiben. Und das tut er mit einem Kofferraumvolumen von 251 Litern und den auch Erwachsenen zumutbaren Plätzen im Fond absolut. Allerdings fällt den Hinterbänklern der Zustieg in den dreitürigen GTI einiges schwerer als in die fünftürige Normalversion. Den von VW angepeilten jüngeren GTI-Interessenten dürfte dies aber weniger wichtig sein als der Preis. Und der liegt mit 19'850 Franken sogar unter der 20'000-Franken-Grenze. Zum Vergleich: Der neue Polo GTI kostet mindestens 31'700 Franken. Aber der kann auch ­saftige 200 PS vorweisen.

Peter Hegetschweiler fuhr den Up GTI auf Einladung von VW-Importeur Amag in Südfrankreich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.01.2018, 19:36 Uhr

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Cityflitzer mit 115 PS

Modell: Kleinwagen mit 3 Türen und 4 Plätzen.

Masse: Länge 3600 mm, Breite 1645 mm, Höhe 1478 mm, Radstand 2410 mm.

Kofferraum: 251 Liter.

Motor: 1,0 Liter Dreizylinder-Benziner mit 115 PS.

Fahrleistung: 0 bis 100 km/h in 8,8 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 196 km/h.

Verbrauch: 5,6 Liter auf 100 Kilometer.

CO2:-Ausstoss: 127 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: März 2018.

Preis: 19'850 Franken.

Infos: www.volkswagen.ch

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