Zwischen Vernunft und Revolte

Ford legt den Fiesta ST neu auf – mit weniger Zylindern und Hubraum, dafür mit umso mehr Fahrspass.

Wenn der neue Ford Fiesta ST losfährt, ist nichts von Sparprogramm zu spüren. Foto: PD

Wenn der neue Ford Fiesta ST losfährt, ist nichts von Sparprogramm zu spüren. Foto: PD

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Wer mit 20 kein Rebell ist, hat kein Herz. Wer es mit 40 noch immer ist, hat keinen Verstand. Dieses Bonmot frei nach Theodor Fontane trifft wunderbar auf den Ford Fiesta zu: Er befindet sich nämlich irgendwo dazwischen, ist zwar längst keine 20 mehr, will als sportliche Variante ST aber noch immer ein Rebell sein und kann dabei nicht verbergen, dass er längst erwachsen und vernünftig geworden ist. Nur eine Findungsphase? Oder steckt der Powerzwerg möglicherweise in einer Identitätskrise?

Auf den ersten Blick ist der neue Fie­sta ST keineswegs ein Rebell – er ist ein Streber! Statt mit den Muskeln zu spielen, setzt der sportliche Kleinwagen lieber auf Vernunft. Leistung und Drehmoment sind identisch mit der stärksten Variante der letzten Generation (ST200), den Paradesprint von 0 auf Tempo 100 absolviert er nur wenig schneller (6,5 statt 6,7 Sekunden). Dafür verzichtet er auf einen Zylinder und auf Hubraum, spart dadurch Treibstoff und beugt sich brav dem latenten Druck zum Sparen.

Ein rebellischer Dreizylinder

Und der kleine Ford setzt noch einen obendrauf: Wenn im Schubbetrieb nicht die volle Motorleistung benötigt wird, schaltet sich sogar einer der drei Zylinder aus: Der «Hot Hatchback», wie die kompakten Sportler in England genannt werden, gondelt dann auf nur mehr zwei Zylindern durch die Gegend und spart so noch mehr Sprit. Gibt man Gas, sind wieder alle drei Zylinder in Betrieb, das An- und Abschalten dauert gerade mal 14 Millisekunden. Im Vergleich zum 1,6-Liter-Vierzylinder im Vorgänger mit identischer Leistung von 200 PS verbraucht der neue 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner damit bis zu 11 Prozent weniger. Sagt zumindest der Hersteller. Ausgerüstet mit einem Benzin-Partikelfilter, schafft der neue Fiesta ST sogar die ab Herbst 2019 geltende Abgasnorm Euro 6d-Temp. So ein Streber!

Doch man kann es auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Ums Sparen kommen die Hersteller heute nicht mehr herum, kleinere Motoren sind Pflicht. Was aber Ford aus diesem Dreizylinder presst, das hat trotzdem etwas Rebellisches: Der Fiesta ST stürmt untermalt von einer wummernden Sound­kulisse vorwärts – da ist nichts von dem typischen Dreizylinderrattern zu hören und nichts von Sparprogramm zu spüren. Das ist Punkrock! Und wenn dazu die Ramones aus den Lautsprechern des Soundsystems von Bang & Olufsen hämmern, sind die letzten Zweifel vergessen. Einsteigen, anschnallen – «Hey! Ho! Let’s go!» Die Recaro-Sportsitze stützen ausgezeichnet, das Lenkrad liegt gut in den Händen, der kurze Schaltstock ermöglicht schnelle Gangwechsel. Der Dreizylindermotor dreht mit Leichtigkeit hoch und motzt bei Entlastung frech – vorbei ist es mit dem Streber; das hier ist eine automobile Revolte auf 4 Meter Länge, deren Anhängerschar mit jeder Kurve grösser wird.

Um so viel Fahrspass aus dem Fiesta zu generieren, hat Ford auch einigen Aufwand betrieben und dem Kleinwagen ein ausgeklügeltes Aufhängungssystem samt frequenzabhängiger Dämpfer und eines mechanischen Sperrdifferenzials an der Vorderachse verpasst. «Der Aufwand für die Abstimmung des Fahrwerks war dreimal so hoch wie üblich», verrät Leo Roeks, Chef von Ford.

Trendiges Styling

Performance Europe. Das hat sich gelohnt, wie erste Probefahrten im Fiesta ST bewiesen. Wenn dann noch die umfangreiche Serienausstattung, das moderne Cockpit und das trendige Styling mit eingerechnet werden, ist der Preis ab 24'200 Franken ein Schnäppchen.

Noch einmal, frei nach Fontane: Wer mit 20 noch keinen Fiesta ST gefahren ist, der sollte es unbedingt tun. Wer es mit 40 noch nicht getan hat, nun – der sollte es ebenfalls unbedingt tun. Was Ford mit diesem kleinen und eigentlich vernünftigen Auto auf die Räder gestellt hat, wird Autofans, egal, ob nun Streber oder Rebell, begeistern. Oder wie es Leo Roeks sagte: «Der neue Fiesta ST spricht exakt die Sprache echter Petrolheads – ganz gleich, welcher Nationalität.» Dem ist in Zeiten der allgemeinen Elektrifizierung nichts hinzuzufügen.

Dave Schneider fuhr den neuen Fiesta ST auf Einladung von Ford Schweiz am 17./18. Mai in Südfrankreich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2018, 17:27 Uhr

Ford Fiesta ST

Vernünftiger Kompaktsportler

Modell: Sportlicher Kleinwagen, 3- oder 5-Türer.
Masse: Länge 4068 mm, Breite 1735 mm, Höhe 1469 mm, Radstand 2493 mm.
Kofferraum: 311 bis 1093 Liter.
Motor: 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner (200 PS).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 6,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 232 km/h.
Verbrauch: 6 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe).
CO2-Ausstoss: 136 Gramm pro Kilometer.
Markteinführung:Juli 2018.
Preis: ab 24'200 Franken.
Infos: www.de.ford.ch

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