Chinas Energiehunger kostet Hunderte Milliarden

Der Energieverbrauch des Landes wächst stetig und damit die Investitionen in Öl, Gas und Strom. Das jüngste Prestigeprojekt: eine Pipeline ans Arabische Meer.

46 Milliarden für einen Wirtschaftskorridor durch Pakistan: Von der chinesischen Grenze zum Hafen Gwadar am Arabischen Meer soll eine Pipeline gebaut werden (Archivbild).

46 Milliarden für einen Wirtschaftskorridor durch Pakistan: Von der chinesischen Grenze zum Hafen Gwadar am Arabischen Meer soll eine Pipeline gebaut werden (Archivbild). Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gleich zwei milliardenschwere Energiegeschäfte verkündete die chinesische Führung in den letzten Tagen: Dem krisengebeutelten Erdölproduzenten Venezuela überweist Peking 5 Milliarden Dollar an Krediten. Damit erhöhen sich die Schulden des südamerikanischen Verbündeten bei China laut Medienberichten auf über 46 Milliarden Dollar. Diese bezahlt Venezuela in Öllieferungen.

Die gleiche Summe hat China dem Nachbarn Pakistan am Sonntag in Form von verbilligten Krediten versprochen. Der Grossteil der 46 Milliarden Dollar soll für den Ausbau von Strassen und Pipelines von der chinesischen Grenze zum Arabischen Meer verwendet werden. Dort, in Gwadar an der Küste im Süden Pakistans, betreibt eine chinesische Staatsfirma bereits seit 2013 einen Hafen.

«Zusammen bauen wir»: Der pakistanische Präsident Mamnoon Hussain (links), Chinas Präsident Xi Jinping (Mitte) und der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif auf einem Banner (Bild: Reuters, 19. April 2015).

Die jüngsten Investitionen zeigen ein Problem Chinas: Die Volksrepublik verbraucht heute mehr Energie als jede andere Nation – über 22 Prozent des weltweiten Energiekonsums. Und der Bedarf wächst rasant: Seit der Jahrtausendwende hat sich der Verbrauch verdreifacht. Mittlerweile ist China der grösste Erdölimporteur der Welt.

Das Land ist zwar auch der weltweit grösste Energieproduzent und deckt über 90 Prozent des Eigenbedarfs. Doch das reicht nicht, um den steigenden Lebensstandard von Hunderten Millionen Menschen und eine rasant wachsende Industrie zu versorgen. Daher muss die Volksrepublik die restlichen knapp 10 Prozent übers Ausland decken.

China wird zu einem der grössten Investoren weltweit

Das mag nicht sehr hoch erscheinen. Dieser Zehntel erfordert aber Investitionen über hunderte von Milliarden Dollar. Im letzten Frühling etwa unterzeichneten die Präsidenten Xi Jinping und Wladimir Putin einen Vertrag, der während 30 Jahren russische Gaslieferungen an China garantiert. Für 400 Milliarden Dollar. Und in Südamerika will China in den kommenden 10 Jahren 250 Milliarden investieren – hauptsächlich im Energie- und Infrastruktursektor.

Das Megaprojekt «Gran Canal de Nicaragua» soll den Atlantik und den Pazifik verbinden und 50 Jahre lang von einer chinesischen Firma betrieben werden. So lange müssen die Containerschiffe durch den Panamakanal fahren (Bild: AP, 12. Juni 2013).

Allein im Jahr 2013 flossen gemäss Zahlen des World Investment Report der UNO aus China und der Sonderverwaltungszone Hongkong fast 200 Milliarden Dollar in langfristige Beteiligungen an ausländischen Unternehmen. Rund 70 Prozent der Mittel gingen laut Analysten in die Energie- und Rohstoffbranche. Im Bereich der erneuerbaren Energien ist China sogar Spitzenreiter – mit über 83 Milliarden Dollar an Investitionen im Jahr 2014.

China steigt zur Nummer zwei auf: Direktinvestitionen im Ausland (Foreign Direct Investment FDI) in Millionen US-Dollar (Quelle: UNCTAD World Investment Report 2014).

Von Anfang 2005 bis Mitte 2014 beliefen sich die ausländischen Investitionen und abgeschlossenen Verträge im Energiesektor laut einer Berechnung des amerikanischen Thinktanks «The Heritage Foundation auf fast 400 Milliarden Dollar. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.04.2015, 18:25 Uhr

Artikel zum Thema

China übernimmt die rote Laterne

China will die Wirtschaft umbauen: Weniger Export, mehr Konsum. Die neusten Handelszahlen verdeutlichen, wie schwierig das ist – wenn das Finanzsystem im Rest der Welt gleichzeitig verrücktspielt. Mehr...

Die USA ins Abseits gespielt

Analyse Südkorea tritt der von China ins Leben gerufenen Infrastrukturbank bei. Damit verärgert das Land seine amerikanischen Partner. Mehr...

Blogs

Sweet Home So geht Eleganz

Michèle & Wäis Sex oder gar nichts

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Wagemutig: Der 95-jährige Kriegsveteran Thomas Norwood landet nach einem Tandemsprung in Suffolk, Virginia, USA (15. Oktober 2017).
(Bild: Vicki Cronis-Nohe) Mehr...