Der Bancomat lernt vom iPhone

Die Banken schliessen immer mehr Filialen. Geldautomaten werden wichtiger – und nun aufgerüstet.

Geldbezug am Automaten: Die neuste Generation der Bancomaten übernimmt mehr Funktionen der Bank.

Geldbezug am Automaten: Die neuste Generation der Bancomaten übernimmt mehr Funktionen der Bank. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Bankfilialen werden weniger. Gab es 2002 noch fast 3700 Geschäftsstellen, waren es 2015 laut der Schweizerischen Nationalbank rund 3100. Viele Banken sparen sich die Filialen in Ortschaften, wo sie kaum noch Laufkundschaft haben. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Setzen die hiesigen Banken ihre bekannt gegeben Abbaupläne weiter um, dürfte es bald weniger als 3000 Geschäftsstellen geben.

Die Zahl der Bancomaten bleibt hingegen stabil. Vor 50 Jahren wurde der erste mit Lochkarten-Lesern ausgestattete Testautomat aufgestellt. Heute sind in der Schweiz laut Branchenkennern rund 7000 Geldmaschinen im Einsatz. Die meisten von ihnen können nicht viel mehr als Bargeld ausspucken.

Junge Kunden wollen an den Bancomaten

Mehr dürften es wohl nicht mehr werden, aber eben auch nicht weniger. Denn sie kommen bei den Kunden zu gut an. Viele Banken hätten mit dem Gedanken gespielt, die Automaten wegzusparen, doch werden sie besonders auch von den jüngeren Kunden regelmässig benutzt, so Michael Bayer vom Technologieunternehmen NCR, einer der grossen Lieferanten für Bancomaten in der Schweiz. Besonders junge Kunden wollen ihre Geldgeschäfte selbstständig am Bancomaten erledigen.

Die Maschinen lohnen sich offenbar für die Schweizer Geldhäuser. Derzeit wird in der Schweiz eine neue Generation der Bancomaten eingeführt. So schafft etwa die Luzerner KB Modelle des US-Herstellers NCR an. Die Geräte verfügen über einen 19 Zoll grossen Bildschirm, der sich wie ein Tablet oder Smartphone bedienen lässt. Wem die Schrift zu klein ist, kann sie wie beim Handy mit zwei Fingern vergrössern.

Die Maschine als Schalterersatz

Die Luzerner KB ist nicht die einzige Bank, die in die Maschinen investiert. Weitere Schweizer Geldhäuser hätten ihr Interesse an den neuartigen Maschinen bekundet, so Bayer. Bereits vor einigen Jahren hat die UBS damit begonnen, sogenannte Multimaten einzuführen. An ihnen können Kunden einzahlen, Daueraufträge bearbeiten oder Informationen zu ihren Wertschriften abrufen. Sie stammen vom deutschen Hersteller Diebold Nixdorf.

Zwei Drittel der Nutzer solcher Multifunktionssysteme gehen in die Filiale, weil sie sich dort sicherer fühlen, so Michael Bayer vom Technologieunternehmen NCR. Sie vertrauen dem Automaten mehr als ihrem Onlinebanking zu Hause. Er geht davon aus, dass die Zahl der interaktiven Automaten weiter zunehmen wird. An ihnen kann ein Kunde nicht nur Geld abheben, sondern beispielsweise in Zukunft auch eine Rechnungen bezahlen. Der Bancomat übernehme einen Teil des Schaltergeschäfts, so Bayer. An den neuen Geräten wird es dereinst möglich sein, ein Konto per Videokonferenz zu eröffnen. Der Vertrag wird per Touchscreen unterschrieben. 80 Prozent der üblichen Transaktionen, die ein normaler Bankkunde braucht, lassen sich an der Geldmaschine abwickeln.

Die Credit Suisse hat bereits vor einigen Monaten den Geldbezug per QR-Code eingeführt. So kann man auch jemandem Geld schicken, der eigentlich gar keinen Zugriff auf das belastete Konto hat. Der Empfänger weist den QR-Code am Automaten vor und bekommt das Bargeld ausbezahlt. Die Bank setzt dabei auf Automaten von Diebold Nixdorf.

Nicht alle rüsten auf

Nicht alle Banken sind der Meinung, dass der Geldautomat intelligenter werden soll. Viele Institute gehen davon aus, dass der Kunde am Bancomaten nur Bargeld abholen will. Weitere Dienstleistungen würden ihn überfordern.

Der Trend geht aber in eine andere Richtung. Die Luzerner KB bereitet sich mit den neuen Geldautomaten auch darauf vor, dass die Software der Geldmaschinen vereinheitlicht wird. Ab 2018 soll sie in Betrieb sein und die Grundlage für komplexere Dienstleistungen bieten.

Der Bancomat sei noch lange nicht überflüssig, die bargeldlose Gesellschaft dürfte noch etwas auf sich warten lassen, so Bayer. In Grossbritannien habe die Zahl der Automaten jüngst wieder zugenommen. Sie haben dort die Funktion der geschlossenen Filialen übernommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2017, 12:29 Uhr

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