Handy-Tracking am Kiosk: Jetzt spricht der Betreiber

Werden wir im Hauptbahnhof von Valora verfolgt? Die Meldung dazu sorgt für Wirbel.

«Das ist mir unheimlich»: Wie Passanten auf das Datatracking reagieren.
Video: Mirjam Ramseier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass der Kioskbetreiber Valora im Zürcher Hauptbahnhof Mobiltelefone von Kunden ortet und so deren Bewegungen nachzeichnet, sorgt bei der Bevölkerung für Unbehagen. Die Reaktionen auf entsprechende Medienberichte in den vergangenen Tagen waren entsprechend deutlich. Einerseits wurde die Datenerhebung grundsätzlich kritisiert, anderseits aber auch die ausgebliebene Information dazu.

Umfrage

Sie werden via Handydaten getrackt: Ist das okay?




Bei Valora war man sich im Klaren, dass das Projekt, bei dem die WLAN-Daten von Mobiltelefonen ausgewertet werden, eine sensible Angelegenheit ist. «Uns ist bewusst, dass die Datensammlung für die Bevölkerung ein emotionales Thema ist, obwohl keine persönlichen Daten erfasst werden», sagt Daniel Habermehl, der beim Innovationslabor des Valora-Konzerns für das Projekt verantwortlich ist. Bei dessen Start habe man die Frage aufgeworfen, wie die Datenerhebung gegenüber den Kunden transparent gemacht werden könnte. «Tatsächlich ist es schwierig, an Kiosken und anderen Valora-Verkaufsstellen adäquat auf das Pilotprojekt hinzuweisen, da dies auch zu unberechtigten Ängsten führen würde», sagt Habermehl.

Daniel Habermehl, Customer Engagement Manager Valora (Bild: PD)

Dass schliesslich gar nicht auf die Datenerhebung hingewiesen wurde, hat seine Gründe. Einerseits sei das Projekt rechtskonform und der Datenschutz vollumfänglich sichergestellt. «Wir sind derzeit auch gar nicht interessiert an Bewegungsprofilen einzelner Kunden», erklärt Habermehl. Deshalb würden alle Daten anonymisiert erhoben und auch die sogenannte MAC-Adresse, welche ein Mobilfunkgerät eindeutig identifiziert, unkenntlich gemacht. Sprich: Nachträglich könnten die erhobenen Daten gar nicht mehr einem bestimmten Handy zugeordnet werden und dadurch auch nicht für personalisierte Werbung verwendet werden.

Valora gelange zudem gar nie in den Besitz der erhobenen Rohdaten. Diese landen gemäss Habermehl bei Minods, die Konformität mit geltenden Schweizer Datenschutzrichtlinien sei aber vertraglich festgehalten. Das deutsche Start-up ist spezialisiert auf die Erhebung und die Analyse von Marketingdaten und hat dazu unter anderem ein System entwickelt, bei welchem Daten, die Mobiltelefone auf der Suche nach Netzwerken aussenden, ausgewertet werden. Minods bietet seine Kunden aber auch an, mit den gesammelten Daten spezifische Marketingmassnahmen umzusetzen. Das ist bei Valora aber bestenfalls Zukunftsmusik.

Keine Daten zu Kundenverhalten vorhanden

Momentan geht es dem Kioskbetreiber, zu dem auch die Avec-Bahnhofsläden und Tankstellenshops, die Kaffeekette Spettacolo und der Brezelkönig gehören, noch um etwas ganz anderes, wie Habermehl betont. «Wir wissen heute zu wenig über unsere Kundschaft.» Bis vor einem Jahr seien keinerlei Kundendaten erhoben worden. Da Valora keine Kundenbindungsprogramme habe, seien gar nie objektive Daten erhoben worden. Die Analysen, die nun Minods erhebe, dienten dazu, überhaupt einmal harte Fakten zu bekommen. Etwa zu Kundenfrequenzen oder zur Häufigkeit von Kioskeinkäufen.

Ziel hinter der Datensammlung sei es, die Angebote besser nach den Bedürfnissen der Kunden auszurichten und beispielsweise auch die Personaleinsatzplanung anzupassen. Oder wie Habermehl es im Marketingslang sagt, «eine innovative moderne Shopping Experience zu kreieren». Die dafür notwendige Datenerhebung bezeichnet der Valora-Manager als «ständigen Balanceakt»: Der Rahmen sei durch den Datenschutz vorgegeben, darüber hinaus gelte es für Valora, abzuwägen, wie viel Informationen die Kunde preiszugeben bereit wären. «Viel hängt dabei vom Vertrauen ab, das Konsumenten einem Unternehmen entgegenbringen.»

Relevant wird dieses Kundenvertrauen insbesondere auch für digitale Angebote, an denen das Valora Lab genannte konzerninterne Innovationsteam arbeitet. Für nächstes Jahr geplant sind etwa verschiedene Apps, über welche beispielsweise auch Rabattgutscheine verschickt werden können, wenn sich die Kunden dafür vorher aktiv registriert haben. Solche Projekte zur Kundenbindung liefen aber komplett separat von den Datenerhebungen zur Erforschung der Kundengewohnheiten und -ströme, betont Habermehl. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.12.2016, 23:20 Uhr

Artikel zum Thema

Am Kiosk werden die Kunden ausspioniert

Der Kioskkonzern Valora hat seine Filialen am Zürcher Hauptbahnhof mit Sensoren ausgerüstet. Diese greifen auf die Smartphones der Kunden zu und verfolgen deren Wege. Mehr...

Kiosk verfolgt Kunden via Handydaten

Sie wollen sich im Caffè Spettacolo im Zürcher HB schnell einen Kaffee zum Mitnehmen holen? Schön, doch die Betreiberfirma strebt eine Vertiefung der Beziehungen zu Ihnen an. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Kommentare

Blogs

Sweet Home Die 15 besten Tipps fürs Weihnachtsfest
Blog Mag Vergessen Sie gute Vorsätze

Die Welt in Bildern

Voll Schrott: Bis zu 300 Autowracks sind bei einem Feuer auf einem deutschen Entsorgungsbetrieb in Recklinghausen verbrannt. (16. Dezember 2017)
(Bild: Marcel Kusch) Mehr...