So kommen Sie zu einer tieferen Miete

Der Referenzzinssatz ist auf rekordtiefe 1,5 Prozent gesunken. Das müssen Mieter wissen, damit sie profitieren.

Viele Mieter dürfen sich auf eine Senkung ihres Mietzinses freuen. Beantragen müssen sie diesen aber selbst.

Viele Mieter dürfen sich auf eine Senkung ihres Mietzinses freuen. Beantragen müssen sie diesen aber selbst. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Mit einem tieferen Referenzzinssatz müssten eigentlich auch die meisten laufenden Mieten sinken. Nur wenige Hauseigentümer und Verwaltungen senken den Mietzins ihrer Wohnungen allerdings automatisch. Aktiv werden müssen deshalb die Mieter selbst.

Bei bisherigen Anpassungen des Referenzzinssatzes haben jeweils nur 20 bis 25 Prozent der Haushalte eine Mietzinssenkung beantragt. Unklar ist, weshalb. Denn es ist ziemlich einfach, sich einen Rabatt auf seine Monatsmiete herauszuholen. Nötig dafür ist primär ein Antrag an die Verwaltung der Wohnung. Der Mieterinnen- und Mieterverband stellt dafür einen einfachen Musterbrief zur Verfügung.

Im besten Fall antwortet dann die Verwaltung respektive der Wohnungsbesitzer mit einem Bestätigungsbrief, in dem gleich der neue tiefere Mietzins mitgeteilt wird. Dank des tieferen Referenzzinssatzes sollte die Miete nun theoretisch um 2,91 Prozent sinken. Bei einem monatlichen Mietzins von 1800 Franken wären das immerhin etwas über 50 Franken. Wurde die Miete bei den letzten Senkungen des Referenzzinssatzes nicht angepasst, können die Mietzinsreduktionen sogar noch höher ausfallen.

Senkung kann mit höheren Kosten verrechnet werden

Allerdings kann der Vermieter auch Gründe geltend machen, den Mietzins lediglich in einem kleineren Umfang zu senken. So darf der Vermieter beispielsweise einen Teil der Teuerung auf die Miete schlagen – und zwar maximal 40 Prozent. Da die Teuerung in den letzten zehn Jahren aber sehr gering war, fällt das kaum ins Gewicht. Wer es dennoch genau wissen will, kann sich die Teuerung auf einem Rechner des Bundesamts für Statistik ausweisen lassen.

Der Vermieter kann den Senkungsanspruch des Mieters jedoch auch mit gestiegenen Betriebs- und Unterhaltskosten verrechnen. Konkret können die Wohnungsbesitzer also etwa höhere Kosten für die Hauswartung, gestiegene Abfallentsorgungs- und Abwassergebühren, zusätzliche Stromkosten oder Mehrausgaben für die Wartung des Lifts geltend machen. Aber aufgepasst: Pauschale Kostensteigerungen von über 1 Prozent der Nettomiete sind laut Rechtsprechung gar nicht zulässig. Sprich: Verwaltung oder Vermieter müssen Kostensteigerungen konkret nachweisen, um sie auf den Mietzins überschlagen zu können.

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Fällt die Senkung des Mietzinses zu tief aus – oder wird sie gar ganz abgelehnt – dann können die Mieter bei der Schlichtungsbehörde eine sogenannte Senkungsklage einreichen. Oft bekommen die Mieter dort recht. Allerdings ist es ratsam, sich vor dem Gang zur Behörde beraten zu lassen. Entsprechend viel Erfahrung in solchen Fällen haben der Mieterinnen- und Mieterverband respektive dessen regionale Sektionen.

Per eingeschriebenem Brief

Wichtig beim Beantragen der Mietzinssenkung ist die Einhaltung der Fristen: Geltend gemacht werden kann eine Senkung jeweils auf den nächsten ordentlichen Kündigungstermin. Wer also seine Wohnung jeweils mit einem Monat Kündigungsfrist auf Ende März, Ende Juni und Ende September kündigen kann, muss seinen Antrag noch im Juni abschicken, damit die Senkung ab Oktober greift.

Nach Erhalt des Senkungsbegehrens haben die Hausbesitzer dann 30 Tage Zeit zu reagieren. Nach Eintreffen der Antwort bleiben den Mietern ebenfalls 30 Tage Zeit, um ihr Begehren allenfalls vor die Schlichtungsstelle weiterzuziehen. Antwortet die Verwaltung nicht fristgerecht, ändert sich an den Fristen nichts. Das heisst: Mieter müssen spätestens 60 Tage, nachdem sie das Mietpreissenkungsbegehren abgeschickt haben, die Schlichtungsstelle anrufen. Um am Ende des Tages auch etwas in Händen zu halten, sollte der ganze Schriftwechsel jeweils per eingeschriebene Briefe erfolgen.

Dank der Plattform Digital Counsels, die von einem Rechtsanwalt und einem Softwareentwickler betrieben wird, muss man für das Senkungsbegehren nicht mal selbst zur Post. Für 14.90 Franken übernimmt Digital Counsels das Aufsetzen des Begehrens und den Versand für einen.

Allerdings können nicht alle Mieter von der Senkung des Referenzzinsatzes profitieren. Die Mieten gewisser Wohnungen – etwa solche von gewissen Wohnbaugenossenschaften – richten sich nicht nach dem Referenzzinssatz. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.06.2017, 11:17 Uhr

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