Wie einst gegen die Zigarettenkonzerne

Zwei US-Gesundheitsorganisationen haben Coca-Cola verklagt. Dies erinnert an ein Verfahren, das in einem gigantischen Vergleich endete.

Coca-Cola wird in den USA verklagt: Ein Mann trinkt im kambodschanischen Phnom Penh einen kräftigen Schluck aus der Flasche.

Coca-Cola wird in den USA verklagt: Ein Mann trinkt im kambodschanischen Phnom Penh einen kräftigen Schluck aus der Flasche. Bild: Pring Samrang/Reuters

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Im Hollywood-Streifen «Thank You for Smoking» hat die Hauptfigur Nick Naylor nur eine Aufgabe: Zweifel säen. Der Tabak-Lobbyist ist das freundliche Gesicht der Zigarettenindustrie und sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit nicht daran glaubte, dass Rauchen ungesund ist. Seine Argumente stammten aus Studien, die von der Tabakindustrie finanziert wurden. Der Streifen basiert auf wahren Gegebenheiten.

Die beiden US-Gesundheitsorganisationen Praxis und Center for Science in the Public Interest (CIPE) werfen nun Coca-Cola und der Getränkeindustrie in den USA vor, genau gleich vorzugehen. Zudem würde der grösste Getränkekonzern der Welt mit seinen Werbekampagnen auf die jüngsten Konsumenten zielen und sie so bereits früh an seine Produkte gewöhnen.

Praxis und CIPE haben daher in Kalifornien Klage gegen Coca-Cola und die Vereinigung der US-Getränkehersteller eingereicht. Mit dem Gang vor den Richter wollen sie verhindern, dass die Brauseproduzenten ihre zuckerhaltigen Produkte weiter mit auf Kindern zugeschnittenen Kampagnen bewerben dürfen.

Zweifelhafte Studien

Die Gegner sind keine Leichtgewichte. CIPE ist in den USA für Klagen gegen Nahrungsmittelfirmen bekannt. Die Konsumentenschutzorganisation hat sich früher schon mit der Fastfood-Kette KFC oder dem Müesli-Hersteller Kellogg's angelegt.

«Die Getränkeindustrie verbreitet gezielt Falschinformationen und sät so Zweifel an den wissenschaftlich bewiesenen Zusammenhängen von zuckerhaltigen Getränken und Fettleibigkeit sowie Diabetes oder Herzkrankheiten», so Maia Kats, die Anwältin von Praxis. In der 40 Seiten dicken Klageschrift werfen die Konsumentenschützer Coca-Cola einen ausgeklügelten Plan vor. Mit zweifelhaften Studien, massenhaft versandten Medienmitteilungen und gezielten Werbekampagnen sei die Bevölkerung bewusst fehlinformiert worden.

Ähnlich war es bei der Zigarettenindustrie. Zwischen 1950 und 1990 hat sie intensiv am Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs oder anderen Krankheiten geforscht. So wollte die Industrie belegen, dass die Beschwerden nicht die Folge des Rauchens sind. Praxis und CIPE werfen nun der Getränkeindustrie vor, genau gleich vorgegangen zu sein. Coca-Cola habe alleine zwischen 2010 und 2015 rund 120 Millionen Dollar für Forschung ausgegeben, mit der die Konsumenten verwirrt wurden oder die einen Zusammenhang von Krankheiten wie Diabetes und Süssgetränken ausschliessen sollten.

Getränkebranche setzt auf kleinere Verpackungen

Bislang hat die Getränkebranche noch nicht auf die Klage reagiert, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Doch hat sie sich zuletzt stark gewandelt. In den USA ging der Konsum von Süssgetränken in den letzten Jahren stark zurück. Zudem setzt Coca-Cola verstärkt auf kleinere Getränkeverpackungen. Pepsico, der zweitgrösste Getränkehersteller der Welt, hat das Ziel ausgegeben, dass bis 2025 zwei Drittel seines Getränkeausstosses weniger als 100 Kalorien pro 0,35 Liter haben soll.

Das geschieht wohl nicht ganz freiwillig. In mehreren Ländern, dazu zählen etwa Frankreich und Mexiko, und in einzelnen US-Bezirken wurden jüngst Sondersteuern für zuckerhaltige Getränke eingeführt. Auch in Grossbritannien steht eine Zuckersteuer in den Startlöchern. Ab 2018 soll sie erhoben werden. In der Schweiz hat die Steuer für Süssgetränke hingegen nur wenige Fürsprecher.

Zigarettenindustrie bezahlte 206 Milliarden Dollar

Die Zigarettenindustrie kam ihr Verfahren teuer zu stehen. Sie einigte sich 1998 mit den US-Behörden auf einen gigantischen Vergleich. Die vier grössten Tabakfirmen müssen insgesamt 206 Milliarden Dollar bezahlen. Er läuft noch bis ins Jahr 2023. Mit dem Geld werden Anti-Raucher-Kampagnen finanziert und ein Teil der Gesundheitskosten von US-Bundesstaaten übernommen.

Die Zahlungen werden penibel abgerechnet und aufgelistet. Zudem wurde ihr Thinktank aufgelöst, der die Gesundheitsrisiken von Tabak in Zweifel ziehen sollte. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2017, 20:57 Uhr

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