Zimmerpreise in Trump-Hotels brechen ein

Vermehrt meiden Gäste jene Unterkünfte, die den Namen des US-Präsidenten tragen. Jetzt ziehen die ersten Hotels Konsequenzen.

Der Trump-Schriftzug wird vom ehemaligen Trump-Hotel entfernt: Toronto.

Der Trump-Schriftzug wird vom ehemaligen Trump-Hotel entfernt: Toronto. Bild: Chris Helgren/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er ist der unbeliebteste Präsident der USA: Donald Trumps Umfragewerte sind die schlechtesten, seit es derartige Umfragen gibt. Trump vergrault sogar enge Verbündete wie Grossbritannien. Zuletzt pöbelte er auf Twitter die britische Premierministerin Theresa May an. Trumps Unbeliebtheit wirkt sich schlecht aufs Geschäft aus, wie neue Zahlen zu seinen Hotels zeigen. Galt es lange wohl als wertvoll, mit einem Präsidenten in Verbindung gebracht zu werden, hat sich das Blatt gekehrt.

Seit Trumps Amtsantritt im Januar 2017 sind die Preise in den Trump-Hotels um bis zu zwei Drittel eingebrochen. Besonders hart getroffen hat es das Trump-Hotel in Las Vegas. Kosteten zwei Übernachtungen Anfang dieses Jahres umgerechnet noch rund 848 Franken, sollen es ein Jahr später im Januar 2018 gerade mal 315 Franken sein. Das zeigt eine Analyse des britischen Finanzdienstleisters Fair FX.

Suite für ein Viertel des Preises

Dasselbe gilt für viele andere Trump-Hotels auch ausserhalb der USA: Der Preis für Übernachtungen im schottischen Trump Turnberry Golfhotel ist um 57 Prozent eingebrochen, im Trump Vancouver sind die Preise um 48 Prozent gesunken. Im Trump Doral in Miami zahlen Gäste 53 Prozent weniger als noch vor einem Jahr, und auch in der Hauptstadt Washington D.C. sind Zimmer rund 52 Prozent günstiger.

Der Preiseinbruch trifft nicht nur auf reguläre Zimmer zu. Auch die Preise von Luxussuiten sind markant gesunken. Im Trump Panama beispielsweise kann eine Executive Suite für umgerechnet rund 1083 statt 4161 Franken für zwei Nächte gemietet werden.

Schweizer Reisende bleiben fern

Tiefe Zimmerpreise deuten oft auf eine geringe Nachfrage hin, denn sie werden häufig von Angebot und Nachfrage abhängig gemacht. Neben dem starken Dollar, der USA-Reisen teurer macht, dürften viele Reisende aber auch ein Problem mit dem polarisierenden US-Präsidenten haben. «Die fallenden Preise zeigen, dass es sich nicht unbedingt lohnt, Präsident zu sein», sagt Fair-FX-CEO Ian Strafford-Taylor dem britischen Telegraph. Indiz dafür ist, dass die Zimmerpreise auch in den Trump-Hotels ausserhalb der USA gefallen sind.

In den USA trifft die Hotellerie allgemein eine Flaute beim Tourismus. Zwischen dem Amtsantritt Trumps im Januar und dem Monat Mai sind 5,3 Prozent weniger ausländische Touristen eingereist als im Jahr zuvor. Das entspricht 745’000 weniger Ankünften, wie Zahlen des nationalen Tourismusamts belegen. Auch die Schweizer Reisenden meiden die USA: Zwischen Januar und Mai kamen 13,5 Prozent weniger Schweizer in die USA.

Hotels wollen Trump-Verbindung kappen

Das Sprichwort «Auch schlechte Presse ist gute Presse» scheint bei der Marke Trump nicht zuzutreffen: Erste Hotels versuchen, sich vom Namen Trump zu distanzieren. Das Trump International Hotel and Tower in Panama etwa will den Namen loswerden, für den es einst viel Geld zahlte: 32 Millionen Dollar sollen geflossen sein, um mit dem einstigen Immobilienmogul in Verbindung gebracht zu werden. Trumps Holdinggesellschaft ist davon nicht begeistert. Man habe eine bindende Langzeit-Management-Vereinbarung, kommentierte ein Sprecher.

Das Trump-Hotel im New Yorker Soho wird sich hingegen bis Ende Jahr vom Namen Trump befreit haben: Das 5-Stern-Hotel hat den Besitzer gewechselt. Die Immobilienfirma CIM Group hat den Managementvertrag übernommen. CIM soll sich für eine unbekannte Summe vom Namen Trump freigekauft haben. Im kanadischen Toronto läuft das Trump-Hotel mittlerweile unter dem Namen Adelaide Hotel Toronto. Auch hier hat der Besitzer JCF Capital ULC die bestehenden Managementverträge von der Trump-Gruppe abgekauft. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.12.2017, 21:05 Uhr

Artikel zum Thema

Zum Widerstand gegen Trump ins Washingtoner Protesthotel

Eine Minibar mit Tipps für Aktivisten, politische Installationen: Nur unweit des Trump-Hotels eröffnet in der US-Hauptstadt eine Art Protesthotel. Mehr...

Schweizer haben weniger Lust auf Trumpland

Die Zahl der USA-Reisen bricht ein. Experten glauben, dass der Rückgang an der Rhetorik von Donald Trump liegen könnte. Mehr...

Service

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nichts für Tierliebhaber: Fuchspelze werden von einem Arbeiter auf dem chinesischen Chongfu Pelzmarkt verarbeitet (14. Dezember 2017).
(Bild: William Hong) Mehr...