Ein Eigenleben für Vifor und Galenica

Nach der Trennung zeigen die beiden Unternehmen ihr jeweiliges Temperament.

Schwerpunkt auf Forschung. Vifor Pharma hegt hohe Ambitionen und will den Umsatz kräftig steigern.

Schwerpunkt auf Forschung. Vifor Pharma hegt hohe Ambitionen und will den Umsatz kräftig steigern.

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Die Trennung ist vollzogen: Galenica, die Medikamenten-Grosshändlerin sowie Apothekenbetreiberin, und Vifor Pharma, die frühere Pharmasparte von Galenica, gehen seit Anfang April ihrer Wege. Die Halbjahresresultate der beiden an der Börse zeigen, dass die Firmen ihr Eigenleben entwickeln. Galenica legte gestern einen Halbjahresumsatz von rund 1,6 Milliarden Franken vor und übertrumpfte Pharmahersteller Vifor mit 626 Millionen Franken Umsatz erwartungsgemäss. Die Grössenverhältnisse spiegeln wider, dass die einstige Konzernmarke Galenica traditionell der stärkere Geschäftszweig des in Bern angesiedelten Unternehmens war – inzwischen ruhen jedoch grosse Hoffnungen auf Vifor Pharma, wo der einstige Galenica-Präsident und NZZ-Verwaltungsratspräsident, Etienne Jornod, die Fäden zieht.

Im Halbjahresbericht betonen Jornod und Unternehmenschef Stefan Schulze, dass sich das Unternehmen in Zukunft auf das Ziel konzentriere, weltweit die Führung in den drei Bereichen Eisenmangel, Nephrologie (Nierenerkrankungen) und Therapien von Erkrankungen von Herz und Niere konzentrieren werde. Während Galenica in der Vergangenheit als solider Ergebnislieferant tituliert wurde, soll mit Vifor ein starkes Pharmaunternehmen heranwachsen. Das gestern veröffentlichte Umsatzplus von 13,6 Prozent und der deutlich erhöhte Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda in Höhe von 252 Millionen Franken (+20,2 Prozent) übertreffen die Erwartungen des Managements deutlich, wie es im Halbjahresbericht heisst. Positive Folge: Vifor erhöhte die Prognosen für den Nettoumsatz und Betriebsgewinn auf jeweils mehr als zehn Prozent – Werte, die angesichts der ersten Monate in Eigenständigkeit noch konservativ anmuten.

Hauptumsatzbringer des Unternehmens mit operativem Sitz in Zürich ist das Eisenpräparat Ferinject – der US-Markenname lautet Injectafer –, das im ersten Halbjahr mit 194 Millionen Franken über 30 Prozent des Umsatzes beitrug. Das Unternehmen konnte seinen Marktanteil bei den intravenös verabreichten Eisenpräparaten nach eigenen Angaben um sechs Prozentpunkte auf 47,1 Prozent steigern.

Hohe Investitionen in Vifor

Einen ähnlichen Beitrag zum Umsatz steuerte das auf Dialysepatienten und Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz spezialisierte Partnerunternehmen Vifor Fresenius Medical Care Renal Pharma bei. Vifor führt die Einheit gemeinsam mit Fresenius Medical Care und verbuchte einen Umsatz von rund 198 Millionen Franken im ersten Halbjahr. Vifor startete nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr ein auf drei Jahre angelegtes Investitionsprogramm in Höhe von 850 Millionen Franken, das unter anderem der Markteinführung von Veltassa in den USA Schwung verleihen soll. Bei dem Medikament handele es sich um das erste Medikament zur Erhöhung des Kaliumspiegels, das seit mehr als 50 Jahren in den USA zugelassen worden sei. Veltassa erlöste im ersten Halbjahr in den USA 24,3 Millionen Franken. In der EU ist das Medikament seit Mitte Juli in 28 Ländern zugelassen.

Das Investitionsprogramm soll alsbald Früchte tragen: Der Umsatz soll bis 2020 auf mehr als zwei Milliarden Franken steigen – und Vifor Pharma könnte dann Galenica übertrumpfen.

Der Umsatz von Galenica wuchs im ersten Semester um fast sieben Prozent auf 1,587 Millionen Franken – das seit 7. April als eigenständiges an der Börse kotierte Unternehmen profitierte dabei vor allem von Zukäufen etwa der Ärztegrossistin Pharmapool sowie von der Stärkung des Apothekennetzes, wie es in einer Mitteilung heisst. Der Betriebsgewinn (Ebitda) stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 92 Millionen Franken.

In der ersten Börsenreaktion spiegelte sich das unterschiedliche Temperament der Unternehmen: Vifor lag zwischenzeitlich mit über fünf Prozent im Plus und schloss bei 106.20 Franken je Titel (plus zwei Prozent). Der Kurs von Galenica schlug mit annähernd drei Prozent aus und lag zum Handelsschluss bei 45.50 Franken (plus zwei Prozent). (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.08.2017, 07:23 Uhr

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