Elon Musk ist mit sich zufrieden

Tesla schreibt weiter rote Zahlen, hat das Vertrauen der Börsenhändler aber zurückgewonnen.

Hoch bewertet. Bei den Elektroautos von Tesla, hier das neue Modell 3, spitzt sich die Bewährungsprobe zu.

Hoch bewertet. Bei den Elektroautos von Tesla, hier das neue Modell 3, spitzt sich die Bewährungsprobe zu. Bild: Keystone

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Eigentlich seltsam: Als der Elektroautobauer Tesla zu Wochenbeginn, nach der offiziellen Lancierung der neuen Limousine «Model 3» mit Lob überschüttet wurde (das Fachblatt Motor Trend schrieb: «Das wichtigste Auto des Jahrhunderts»), sackte der Kurs der Tesla-Aktie an der Technologiebörse Nasdaq ab. Dann präsentierte Konzernchef Elon Musk am späten Mittwoch Quartalszahlen, die jedem anderen amerikanischen Autobauer das Genick brechen würden – und die Börsianer stiessen einen Jubelschrei aus. Der Börsenwert der bereits arg überbewerteten Firma (Quartalsumsatz: 2,8 Milliarden Dollar) stieg gestern im frühen Handel um 3,7 Milliarden Dollar auf 57,2 Milliarden Dollar.

Für diese paradoxe Entwicklung gibt es, jedenfalls in den Augen der Analysten, zwei Gründe. Erstens sehe das Quartalsergebnis – ein Nettoverlust von 401 Millionen Dollar, 108 Millionen Dollar mehr als im Vergleichsquartal 2016 – nur auf den ersten Blick schlecht aus, sagten die die Börsenhändler. Denn zum einen wuchsen die Barreserven des Autobauers auf drei Milliarden Dollar an, weil es Musk endlich gelang, die Ausgaben im zweiten Quartal 2017 unter Kontrolle zu bringen. Damit konnte der umtriebige Konzernchef die Bedenken von Branchenbeobachtern ein wenig zerstreuen, dass Tesla plötzlich das Geld ausgeht, während das Unternehmen aggressiv in die Produktion des neuen Fahrzeugtypen investiert. Musk versicherte deshalb am Mittwoch, dass eine Kapitalaufstockung «zum jetzigen Zeitpunkt» nicht in Betracht gezogen werde. «Wir denken an unsere Schulden, aber wir denken nicht an eine Kapitalaufstockung.»

Vorkasse ist Pflicht

Wichtiger noch ist die Tatsache, dass die Verkaufszahlen für die älteren Tesla-Modelle in den vergangenen drei Monaten nicht eingebrochen sind, trotz des Rummels um das billigere Modell 3. Im Juli, teilte Musk mit, seien die Bestellung für die Luxus-Limousine «Model S» und den Pseudo-Geländewagen «Model X» um 15 Prozent angewachsen. Auch habe Tesla von der Gratis-Werbung im Umfeld der Lancierung des «Model 3» profitiert.

Obwohl Tesla keinen Dollar in die Vermarktung gesteckt habe, seien die Bestellungen für den neuen Fahrzeugtypen – der in seiner Standardversion, die 35'000 Dollar kosten soll und erst im nächsten Jahr ausgeliefert wird – förmlich explodiert. Fast 1800 Bestellungen gingen unter dem Strich jeden Tag ein, sagte Musk während eines Gesprächs mit Investoren, notabene für ein Auto, das man derzeit noch nicht testfahren kann. Zudem müssen die Besteller einen Vorschuss von 1000 Dollar leisten, der nicht zurückbezahlt wird.

Hölle für die Produktion

Musk versucht, allzu hohe Erwartungen in seine Firma, die mittlerweile gegen 33'000 Menschen beschäftigt, zu dämpfen. Im Investorengespräch warnte er erneut davor, dass die kommenden sechs Monate für Tesla eine Bewährungsprobe darstellen würden. Er habe bereits bei der Lancierung des «Model 3» von einer «Produktionshölle» und einer «Zulieferkette-Hölle» gesprochen, «und ich meine das auch wirklich so». Tesla sieht sich mit wachsenden Beschwerden von Beschäftigten über Löhne und Arbeitsbedingungen konfrontiert. In einem Brief an den Verwaltungsrat forderten Angestellte gestern Auskunft über ihre Gehaltsentwicklung, die Voraussetzungen für Beförderungen und über Arbeitsschutzmassnahmen.

Für das neue Tesla-Modell seien netto 455'000 Bestellungen eingegangen, die nun erfüllt werden müssten, sagte Musk. Der Konzern rechnet damit, dass bis Ende des Jahres wöchentlich rund 5000 Exemplare des «Model 3» hergestellt und ausgeliefert werden. Das ist eine stolze Zahl für einen Nischenanbieter. Zum Vergleich: Vom meistverkauften Auto in den USA – dem Pick-up «F» des Herstellers Ford – werden pro Woche rund 19'000 Exemplare abgesetzt oder insgesamt 499'000 in den ersten sechs Monaten des Jahres. Tesla verkauft bisher pro Woche rund 1800 Fahrzeuge des «Model S» und des «Model X» oder insgesamt 47'000 Autos von Januar bis Juni 2017.

Musk versicherte den Analysten, dass er während der Expansion nicht mit negativen Überraschungen rechne. Es gebe «null Gründe», entsprechende Befürchtungen zu hegen. «Ich war vielleicht noch nie so zufrieden mit Tesla», sagte der Tausendsassa und Börsenstar. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.08.2017, 07:36 Uhr

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