Finanzplatz ohne Führung

Viele Banken sehen sich von der Bankiervereinigung nicht mehr vertreten, denn diese versucht verzweifelt, am Althergebrachten festzuhalten.

Herbert J. Scheidt (r.) , Praesident der Schweizerischen Bankiervereinigung

Herbert J. Scheidt (r.) , Praesident der Schweizerischen Bankiervereinigung Bild: Keystone

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Letzte Woche fand in Zürich der Schweizerische Bankiertag statt. Ich hatte damals das Privileg, an diesem Höhepunkt der Schweizer Bankengilde jeweils teilzunehmen. Und wir waren stolz! Mein Onkel Alfred E. Sarasin war während 20 Jahren Präsident der Vereinigung, unser VR-Präsident der Bank und Partner, Georg Krayer, war während elf Jahren Präsident. Alfred Sarasin-Iselin hatte schliesslich 1912 die Bankiervereinigung in Basel gegründet. Damals hatte sie noch Gewicht, sei es ein politisches in Bern, sei es eines in Wirtschaftskreisen.

Zugegeben, es waren andere Zeiten. Aber die Präsidenten waren auch und noch Persönlichkeiten. Heute wird die Bankiervereinigung von einer Verlegenheitslösung (Herbert Scheidt – einem Deutschen mit Schweizer Pass) geleitet, da man auf Patrick Odier, der, wenn auch ohne Fortune noch gekämpft hat, keinen «echten» Privatbankier fand, der dieses Amt antreten wollte. Also nahm man den, der am längsten «aufstreckte» und der jetzt mit grossen Durchhalteparolen seine Überforderung zu meistern versucht.

Viele Banken sehen sich von der Bankiervereinigung nicht mehr vertreten, denn diese versucht verzweifelt, am Althergebrachten festzuhalten. Das jüngste Beispiel ist das Hin und Her um die Matter-Initiative bei der Beibehaltung des inländischen Bankgeheimnisses. Es sei eine «Angelegenheit der Politik», sagt der Präsident, anstatt klar Stellung zu nehmen. Früher hätte man sich die Politiker zur Brust genommen. Die Matter-Initiative war eine Totgeburt, denn das Bankgeheimnis in die Verfassung aufzunehmen, hätte nichts genutzt, denn der Markt bestimmt die Realität.

Damit die Bankiervereinigung nicht zu einer Alibiorganisation wird, muss sich etwas ändern.

Die Realität heute ist, dass gerade im Private Banking die Ausländer nicht mehr in die Schweiz strömen (Hongkong/Singapur lassen grüssen) und die inländischen Kunden vermehrt die unabhängige Beratung suchen und nicht mit Bankprodukten vollgestopft werden wollen. Auch ist der Kunde «mündiger» geworden und sieht, dass die Banken in der Schere zwischen steigenden Kosten (Regulierung) und fallenden Margen stecken. Ein Paradigmenwechsel, der noch nicht überall realisiert wurde.

In einer Phase, in der der Finanzplatz im Umbruch ist und viele Banken ums Überleben kämpfen, könnte man vom Dachverband Bankiervereinigung bessere, konstruktivere und zukunftsgerichtete Impulse erwarten. Damit die Bankiervereinigung nicht zu einer Alibiorganisation wird, muss sich etwas ändern.

Den Grossbanken, die sowieso in fremden Händen sind (UBS und CS), ist die Bankiervereinigung relativ egal, obwohl noch viele Geschäfte in der Schweiz abgewickelt werden. Sie fahren ihre eigene Strategie, zahlen jedoch schön ihren Obolus der Vereinigung. Die anderen Banken sind Mitglieder, aber jede Bank fährt ihr eigenes «Züglein», um sich in die Zukunft zu orientieren. Der Patriotismus hält sich da sehr in Grenzen.

Wie Sven Millischer in der Handelszeitung vom 21. September 2017 schreibt, und darum zitiere ich ihn gerne noch einmal: «Die Passivität der Finanzbranche führt direkt ins Verderben. Das unsägliche Rückzugsgefecht um das Ausland-Bankgeheimnis hat dies exemplarisch gezeigt. Wer nicht agiert, wird regiert.»

Ich kann nur beifügen: Schade um den Finanzplatz. (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.09.2017, 11:44 Uhr

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