Das Rentenalter ist tabu

Eine verlängerte Lebensarbeitszeit hat in der Schweiz kaum Chancen: Nur gut ein Drittel der Befragten wäre laut einer Umfrage bereit, länger zu arbeiten, um so das Rentenniveau zu halten.

Die Befürworter eines höheren Rentenalters haben einen schweren Stand: Nur etwa jeder Dritte wäre damit einverstanden.

Die Befürworter eines höheren Rentenalters haben einen schweren Stand: Nur etwa jeder Dritte wäre damit einverstanden. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Die Schweiz steht vor der wegweisenden Abstimmung über die Altersvorsorge 2020. Und doch sinkt das Interesse am Thema berufliche Vorsorge, wie eine Umfrage von Axa Investment Managers zur zweiten Säule zeigt: Nur gut zwei Drittel der Bevölkerung befasst sich damit. Vor einem Jahr gaben noch über drei Viertel der Befragten an, dass sie sich für die Vorsorge interessieren würden. In den Jahren zuvor hatte dieser Anteil stets über der 70-Prozent-Marke gelegen.

Gefragt nach den Gründen für das Desinteresse, sagen die meisten Befragten (23 Prozent), sie seien noch zu jung. Für jeweils 10 bis 12 Prozent ist das Thema zu kompliziert, oder man habe keinen Einfluss darauf, oder es interessiere nicht. Die Umfrage fand zwischen Ende Mai und Mitte Juni statt.

Ihre Ergebnisse machen deutlich, dass der Kampf um die Altersvorsorge 2020 die Einstellung der Schweizer Bevölkerung zu Sanierungsmassnahmen in der zweiten Säule so gut wie nicht verändert hat. Lediglich 35 Prozent der Befragten stehen einer Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters positiv gegenüber, in der aktiven Bevölkerung liegt dieser Anteil noch tiefer (30 Prozent). In den letzten fünf Jahren ist der Widerstand gegen eine längere Lebensarbeitszeit damit in etwa gleichgeblieben.

Hingegen können sich gut zwei Drittel durchaus vorstellen, nach Erreichen des Rentenalters freiwillig Teilzeit zu arbeiten. Noch vehementer ist die Opposition in der Bevölkerung gegen eine Kürzung der aktuellen Renten: Gerade mal 15 Prozent wären mit einem solchen Einschnitt einverstanden – 83 Prozent sagen Nein.

Nur Rentner sind für höheres Rentenalter

Welche Vorkehrungen zur Sicherung der Pensionskassenrenten sind denn nun mehrheitsfähig? Für höhere Beitragszahlungen der Arbeitstätigen können sich immerhin 53 Prozent erwärmen. 75 Prozent stimmen früheren Einzahlungen in die zweite Säule schon vor dem 25. Lebensjahr zu; und 85 Prozent sagen Ja zu Steuervergünstigungen, um das freiwillige Sparen zu fördern.

Auffallend ist, dass die Einstellungen zu den besagten Korrekturmassnahmen über die verschiedenen Altersgruppen hinweg in etwa gleich bleiben. Einzig beim höheren Rentenalter zeigen sich die Rentner laut der Umfrage mit 51 Prozent Zustimmung etwas empfänglicher als der Rest der Bevölkerung.

Kapitalbezug statt Rentenzahlung

Scheinen die Ansichten der Schweizerinnen und Schweizer zur Reform der beruflichen Vorsorge ziemlich zementiert zu sein, so zeigen sich augenfällige Verschiebungen in der Frage des Auszahlungsmodus. Der Trend geht in Richtung Kapitalbezug, während die lebenslange Rente an Rückhalt verliert. Für Letzteres sprechen sich nur mehr 45 Prozent der Befragten aus – vor einem Jahr hat noch die Hälfte für eine monatliche Rente votiert. 30 Prozent bevorzugen laut der aktuellen Umfrage eine Kombination aus Rentenzahlung und Kapitalbezug, und 19 Prozent wollen gleich das ganze Pensionskassenguthaben auf einmal beziehen.

Für die Abwendung von der Rente sind vor allem die Männer verantwortlich: 38 Prozent würden sich noch für diese Auszahlungsvariante entscheiden, wenn sie heute in Pension gingen; bei den Frauen beträgt dieser Anteil 53 Prozent. Auch beim Alter offenbart sich ein deutliches Beliebtheitsgefälle für die Rentenzahlung. Unter den Rentnerinnen und Rentnern schwingt sie klar obenaus (71 Prozent), doch schon bei den 42- bis 65-Jährigen ist sie merklich weniger begehrt (46 Prozent). Und lediglich 24 Prozent der 25- bis 41-Jährigen wünschen sich noch eine monatliche Rentenzahlung, wogegen 31 Prozent zum Kapitalbezug neigen.

Vertrauen in die Pensionskassen ist hoch

Als Misstrauensvotum gegenüber den Pensionskassen lässt sich die steigende Popularität des Kapitalbezugs schwerlich interpretieren. Bei der Frage, ob man Vertrauen in die eigene Pensionskasse habe, ergab sich auf einer Skala von 1 bis 10 der deutlich im positiven Bereich liegende Wert von 7,7.

Auch der Aussage, meine Pensionskasse legt mein Geld sicher an, stimmen die Befragten überwiegend zu (7,5). Man darf sich indes die ketzerische Frage erlauben, ob die hohe Zufriedenheit mit den Pensionskassen auch damit zusammenhängt, dass das öffentliche Interesse an ihnen und dem Thema berufliche Vorsorge relativ bescheiden ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2017, 14:46 Uhr

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