Schwyzer bezahlen am meisten für die Putzfee

Wie viel soll eine private Reinigungskraft pro Stunde verdienen? Daten aus über tausend Verträgen zeigen Unterschiede zwischen Kantonen – auch die Wirtschaft kommt schlecht weg.


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Putzen ist mühsam und kostet Zeit. Manch ein Haushalt nimmt deshalb die Dienste einer Reinigungskraft in Anspruch – und ist bereit, dafür auch einen angemessenen Lohn zu bezahlen. Dies besagen die Daten einer Vermittlungs- und Abrechnungsfirma, die baz.ch/Newsnet erhalten hat. Gemäss der Auswertung von rund 1500 Arbeitsverträgen liegt der durchschnittliche Bruttolohn privat angestellter Reinigungskräfte bei 28.43 Franken. Nur in rund einem Prozent der Fälle wird der geforderte Mindestlohn von 22 Franken nicht eingehalten.

«Gute Arbeit in den eigenen vier Wänden ist den Schweizerinnen und Schweizern einiges wert», sagt Philipp Dick, Geschäftsführer des Portals quitt.ch, von dem die Daten stammen. Wie Dick sagt, sind Bruttolöhne von rund 28 Franken populär, weil sich nach Abzug der Nebenkosten daraus ein Nettolohn von 25 Franken ergibt. Oft würden sich die Haushalte auch an 25 oder 30 Franken als runden Werten für den Bruttolohn orientieren. Wer der Putzkraft netto 30 Franken bezahlen will, landet bei 34 Franken brutto, deshalb erscheine in der Statistik bei dieser Zahl ein weiterer Peak.

Putzkräfte zunehmend legal angestellt

Ein Bruttolohn von 28 Franken entspricht im Kanton Zürich einem Nettolohn von 24.85 Franken. Dieser Unterschied kommt durch die Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialwerke (insgesamt 6,25 Prozent über AHV, IV, EO und ALV) sowie durch die Quellensteuer zustande. Diese fünfprozentige Steuer ist Teil des vereinfachten Abrechnungsverfahrens, das der Bund 2008 eingeführt hat. Laut Rita Schiavi, Verantwortliche für den Reinigungssektor bei der Gewerkschaft Unia, ist der Anteil schwarz angestellter Putzkräfte in der Schweiz über die letzten Jahre gesunken. «Nach einer Informationskampagne des Seco haben etliche Haushalte ihre Putzkräfte angemeldet.»

Die Lohnkosten für den privaten Arbeitgeber belaufen sich bei einem Bruttolohn von 28 Franken auf 30.40 Franken. Darin inbegriffen sind die Sozialversicherungsbeiträge sowie die obligatorische Berufsunfallversicherung und die Familienausgleichskasse (die freiwillige Krankentaggeldversicherung macht zusätzlich rund 0,76 Lohnprozente aus). Einen allgemeingültigen Mindestlohn für Putzkräfte gibt es in der Schweiz nicht. Erst ab durchschnittlich fünf Arbeitsstunden beim gleichen Arbeitgeber greift der schweizweit gültige Normalarbeitsvertrag für die Hauswirtschaft, den der Bund 2010 verabschiedet hat. Er sieht brutto 18.55 Franken für Ungelernte vor, Personen mit Fähigkeitszeugnis erhalten 20.40 Franken.

Nur Bruttolöhne über 28 Franken sind wirklich besser

Die Zahlen von quitt.ch zeigen, dass Privatpersonen generell höhere Stundenlöhne als Unternehmen bezahlen. So schreibt der GAV für die Reinigungsbranche in der Deutschschweiz einen Mindestlohn von brutto 18.25 Franken pro Stunde für die Bürounterhaltsreinigung vor – für Personen ab dem vollendeten dritten Dienstjahr (Zahlen 2014). Eine Auswertung anhand des Lohnrechners des Gewerkschaftsbunds SGB zeigt, dass eine dreissigjährige Person mit dreijähriger Berufserfahrung in der Branchenkategorie «Reinigung von Gebäuden, Strassen und Verkehrsmitteln» in der Schweiz durchschnittlich 20.10 Franken pro Stunde verdient (Zahlen 2010).

Gewerkschafterin Rita Schiavi stimmt dem Urteil zu, dass viele Privathaushalte generöser sind als Reinigungsunternehmen. Gleichzeitig warnt sie vor einem Eins-zu-eins-Vergleich zwischen dem Stundenlohn in einem Gelegenheitsjob und dem Mindestlohn in einer Vollzeitstelle. In der Privatwirtschaft wird meist ein dreizehnter Monatslohn bezahlt, zudem gibt es bezahlte Ferien, was einem gesamten Zuschlag von 18 bis 20 Prozent entspricht. Das bedeutet effektiv, dass Private den in der Initiative geforderten Mindestlohn nur mit einem Bruttolohn von gut 26 Franken wirklich übertreffen. Immerhin ist dies bei 85 Prozent der ausgewerteten Verträge der Fall.

Gemäss den Daten von quitt.ch sind 99 Prozent aller privat angestellten Reinigungskräfte weiblich, die Altersverteilung ist zwischen 30 und 55 Jahren recht ausgeglichen. Eine Aufstellung aller Deutschschweizer Kantone zeigt grosse Unterschiede. Die höchsten Löhne werden von den Schwyzern bezahlt. Im Innerschweizer Kanton erhält die Putzkraft durchschnittlich 30.33 Franken brutto. Zürich liegt mit 29.17 Franken im vorderen Mittelfeld. Mit Abstand am kleinsten sind die Löhne in Appenzell Ausserrhoden. Dort werden durchschnittlich 25.92 Franken pro Stunde für private Putzdienste bezahlt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.05.2014, 13:13 Uhr

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Für viele ein Gelegenheitsverdienst: Putzfrau in einem Privathaushalt. (Bild: Keystone )

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